Wenn wir im Bildungsbereich über technologische Entwicklungen sprechen, sind momentan zwei Begriffe in Gebrauch: einerseits Bildungstechnologien und andererseits EdTech. Unter Bildungstechnologien verstehen wir Technologien, die speziell für Bildungszwecke entwickelt wurden. Momentan sind es jedoch eher allgemein genutzte Technologien, die ihre Anwendung in der Bildung finden, um bestehende Prozesse zu unterstützen und zu verbessern.
Etwas vager ist der Begriff EdTech. Während die einfachste Einordnung schlicht von der abgekürzten Übersetzung aus dem Englischen (Educational Technologies) als Synonym zu Bildungstechnologien ausgeht, so akzentuierte sich die Nutzung des EdTech-Begriffs in den letzten Jahren zunehmend hin zum Überbegriff für das wirtschaftliche und organisatorische Ökosystem rund um Bildungstechnologien. Oftmals sprechen wir dabei von etablierten Software-Anbietern, Start-ups, Lehrmittelverlagen oder pädagogischen Hochschulen, die dem Bildungswesen technologische Lösungen und Dienstleistungen bereitstellen, um Lehr- und Lernprozesse gezielt zu unterstützen und zu verbessern. Weiter gehören aber auch Akteure mit einem stärkeren transformativen Charakter dazu. Dieses internationale Ökosystem unterstützt und verbessert nicht nur bestehende Bildungsprozesse, sondern hat durch seine innovativen Lösungen das Potenzial, diese grundlegend zu transformieren.
Solche Akteure entwickeln neue, datengetriebene Geschäftsmodelle, finanzieren sich über neuartige Mechanismen und bringen sowohl technologische Innovation als auch Disruption mit sich. Um dies zu realisieren, kooperieren sie oftmals mit anderen Unternehmen, um gemeinsam digitale Ökosysteme zu etablieren oder völlig neu aufzubauen.
In anderen Sektoren haben sich Bezeichnungen wie «FinTech» oder «HealthTech» etabliert, um primär diese transformativen Akteure einzuordnen. Unabhängig davon, ob sich eine solche Einordnung im öffentlich-rechtlichen Bildungswesen künftig noch entwickelt, ist eines entscheidend: Diese EdTech-Akteure haben das Potenzial, die heutigen Strukturen des Bildungswesens grundlegend herauszufordern. Damit einher gehen neue Rollen und Verantwortlichkeiten sowie drängende Fragen zur Veränderung gesellschaftlicher Interaktionen durch Technologie und der entsprechenden Zuständigkeiten.
Herausforderung für das öffentlich-rechtliche Bildungswesen
Das Bildungssystem mit den Volksschulen im Kern ist in der Schweiz stark öffentlich-rechtlich geprägt. Im Zentrum stehen die Schulen vor Ort und kantonale Prozesse. Zudem ist das Bildungssystem von Vorgaben, wie zum Beispiel den Volksschulgesetzen, geprägt. Aber auch Werte, wie der Schutz und der Respekt von der Integrität der Lernenden, sind in Schulhauskulturen und im Berufsethos verankert. Demgegenüber bestehen bislang kaum Strukturen, Prozesse und Governance-Formen, die sich mit den Interessen und Rationalitäten privater Akteure auseinandersetzen. Das ist eine Herausforderung. Damit Werte und Vorgaben der öffentlich-rechtlichen Bildung auch im digitalen Bildungsraum berücksichtigt werden, ist das öffentlich-rechtliche Bildungswesen gefordert, sich mit den Handlungslogiken privater Akteure auseinanderzusetzen. Dies betrifft insbesondere Geschäftsmodelle, Finanzierungsmechanismen und technologische Bausteine. Daraus ergeben sich wiederum Handlungsansätze und Entwicklungsoptionen für das Bildungssystem hinsichtlich regulatorischer Rahmenbedingungen, Governance-Formen und Infrastrukturelementen.
Unsere Rolle
Als Fachagentur Educa haben wir den Auftrag, technologische Entwicklungen mit der Qualitätsentwicklung in einem digitalen Bildungsraum zu verbinden (vgl. Statut). Wir schaffen damit schweizweit Grundlagen für einen digitalen Bildungsraum, der den strategischen Zielen von Bund und Kantonen hinsichtlich der systemischen Qualitätsentwicklung entspricht. Dabei berücksichtigen wir auch übergeordnete Strategien wie die Strategie «Digitale Schweiz», die eine nachhaltige und verantwortungsvolle digitale Transformation zum Ziel hat. Wir entwickeln Handlungsansätze und zeigen Entwicklungsoptionen für das öffentlich-rechtliche Bildungssystem auf, um das Potenzial digitaler Technologien nutzbar zu machen und gleichzeitig den Lernenden sowie den Werten und Vorgaben der öffentlich-rechtlichen Bildung Gewicht zu verleihen. Damit verbunden sind Ansätze für neue Governance-Formen und die Gestaltung geeigneter regulatorischer Rahmenbedingungen.