Könnten Sie das Projekt IDENTI kurz vorstellen?

Digitale Lehrmittel und Applikationen finden zunehmend Verwendung im schulischen Alltag der Kantonsschulen und Berufsbildungszentren im Kanton Luzern.

Das Projekt IDENTI kümmert sich einerseits um die Einführung von Edulog. Dabei geht es darum, die persönlichen Daten und die digitale Identität der Nutzerinnen und Nutzer zu schützen und den Zugang zum gewünschten Online-Dienst sicher und einfach herzustellen. Andererseits sollen auch die technischen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen rund um digitale Lehrmittel und Applikationen aufgearbeitet und geklärt werden. Wir stellen uns als Resultat dieser Aufarbeitung – nebst Prozessoptimierungen – auch innovative Lösungen für diese umfangreichen und komplizierten Fragestellungen vor.

Um diese Ziele zu erreichen, wenden wir «Design Thinking» an. Die Methode eignet sich für uns gut, weil sie auf die Kundenbedürfnisse, also die kantonalen Luzerner Schulen, abzielt. Das ist uns ein Anliegen.

Nicht geklärt wird in diesem Projekt der pädagogische Umgang mit digitalen Lehrmitteln und Applikationen im Schulalltag.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen bei digitalen Lernmitteln und Applikationen im Schulalltag?

Wir erkennen bei allen drei Rahmenbedingungen – also den technischen, rechtlichen und finanziellen Gegebenheiten – Herausforderungen in Bezug auf digitale Lehrmittel und Applikationen. Je nach Perspektive der Betroffenen sind es unterschiedliche «grösste Herausforderungen», die der Co-Projektleitung zur Kenntnis gebracht wurden.

«  Wir erkennen bei […] technischen, rechtlichen und finanziellen Gegebenheiten, Herausforderungen in Bezug auf digitale Lehrmittel und Applikationen.  »

Diese Herausforderungen haben wir gesammelt, indem wir sogenannte «Need Finding»-Interviews mit allen Anspruchsgruppen – beispielsweise Lehrpersonen, IT-Koordinatorinnen und -Koordinatoren, Schulleitungen, Schuladministrationsmitarbeitende, Applikationsmanager oder IT-Infrastruktur-Mitarbeitende – gemacht haben.

Gemeinsam haben wir priorisiert, welche Themen wir zuerst angehen und den Themenspeicher gefüllt mit allem, was wir sekundär bearbeiten wollen. Aus den priorisierten Herausforderungen haben wir für uns sogenannte «Design Challenges» oder «Forschungsaufträge» definiert, die es nun zu lösen gilt.

Sie lauten wie folgt:

  • Wie können wir es schaffen, dass die Lehrpersonen geeignete Tools finden und anwenden können, um so die optimale Unterrichtsunterstützung zu erlangen?
  • Wie schaffen wir es, dass Lehrpersonen mit ihren Lernenden kostenpflichtige Software benutzen können?
  • Wie schaffen wir es, ein aktuelles, rechtlich abgesichertes Lizenzmanagement zu etablieren, das Kosteneffizienz und Nutzeroptimierung berücksichtigt?
  • Wie schaffen wir es, rechtliche Vorgaben zu erfüllen und dabei den Lernenden und Lehrpersonen einen ux-freundlichen Zugang zu aktuellen und vielfältigen Applikationen zu bieten?

Die Aspekte rund um eine «datenschutzkonforme Schule» schwingen in allen vier Challenges mit. Festgestellt haben wir diesbezüglich aber auch, dass trotz einer gewissen Offenheit und Awareness, diese Aspekte für die Schulen nicht im Fokus für eine Lösungserarbeitung stehen. Aus Sicht Co-Projektleitung denken wir, dass wir diesbezüglich deshalb auf pragmatische Lösungen abzielen sollten.

Welche Lösungsansätze sehen Sie für diese Herausforderungen?

Um den Schulen unter anderen einen benutzerfreundlichen Zugang zu digitalen Lehrmitteln und Applikationen zu ermöglichen, müssen die verschiedenen Stakeholder gegenseitig die unterschiedlichen rechtlichen, technischen und finanziellen Voraussetzungen kennen, was wir in der ersten Projektphase bereits erreicht haben.

Diese Grundlage bringt uns nun zum nächsten Schritt. Wir optimieren Prozesse und erarbeiten mittels Prototypen neue Lösungen. Ein Prototyp, den wir nun angehen werden, zielt beispielsweise auf eine Art «Appstore» ab, in dem Applikationen einfach gefunden, bezogen, ausprobiert oder vielleicht etwa auch bewertet werden können. Dieser Prototyp trägt im Moment den Namen «edu rocket hub». Den Educa Navigator sowie unser bestehender Servicekatalog des Kantons Luzern beziehen wir bei der Weiterentwicklung ein.

«  Wir glauben, dass wir in diesem dynamischen Umfeld, neben der Entwicklung grosser Prototypen, am besten durch kleine, schrittweise Verbesserungen vorankommen.  »

Ferner vernetzen wir uns auch gerne mit anderen Kantonen und Fachstellen wie Educa, um Lösungen für offensichtlich ähnliche Probleme zu finden. Denn obwohl die Ausgangslagen unterschiedlich sein können, beschäftigen uns gleichartige Fragestellungen. Wir glauben, dass wir in diesem dynamischen Umfeld, neben der Entwicklung grosser Prototypen, am besten durch kleine, schrittweise Verbesserungen vorankommen.

Gesprächspartner

Foto von Karin Weber
Karin Weber
Co-Projektleitung IDENTI
Bildungs- und Kulturdepartement Kanton Luzern
Foto von Reto Buchmann
Reto Buchmann
Co-Projektleitung IDENTI
Bildungs- und Kulturdepartement Kanton Luzern

ähnliche Beiträge

PH Zug: KI im Unterricht

Die neuste Broschüre zu Unterrichts- und Schulentwicklung der PH Zug dreht sich um Künstliche Intelligenz und liefert praktische Hinweise zur Nutzung von KI im Unterricht. Leserinnen und Leser erhalten Tipps, praxisnahe Einblicke, Hintergrundwissen sowie eine kompakte Übersicht der wichtigsten KI-Tools.

Switch Cloud

Unser Allianz-Partner Switch zeigt, wie Forschung und Lehre die Vorteile der Cloud-Technologie nutzen und trotzdem die Kontrolle über ihre Daten behalten. Denn wer sensible Daten schützen und digitale Unabhängigkeit wahren will, braucht eine vertrauenswürdige, kontrollierbare und mitgestaltbare Infrastruktur.

Hin zu einer Datennutzungspolitik im Bildungsraum Schweiz

In einem gemeinsamen Interview unserer Trägerschaft nehmen Rémy Hübschi, Stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), und Susanne Hardmeier, Generalsekretärin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) Stellung zu unserem Bericht «Datennutzungspolitik im Bildungsraum Schweiz».

Ethik als Kompass für bewusste Datennutzung

Der technologische Fortschritt erweitert stetig die Möglichkeiten der Datenbearbeitung und bringt dabei neue Applikationen und Dienstleistungen hervor. Das eröffnet Chancen, bringt jedoch auch bestehende Wertvorstellungen ins Wanken. Orientierung bietet die digitale Ethik – sie fragt nach dem Guten und Richtigen im Umgang mit Daten.