Wo stehen wir nach der blitzartigen Umstellung auf Fernunterricht im Frühling, dem schwierigen Gang durch die Prüfungen im Frühsommer, dem Start ins neue Schuljahr unter völlig neuen Vorzeichen? Wie ist der aktuelle Stand der digitalen Transformation in den Kantonen? Unsere Fachtagung Digitalisierung und Bildung am 5. November bot Raum und Zeit für erste Antworten und einen Zwischenstand. Ein Beispiel im Kanton Neuenburg mit Angela Fuchs, stellvertretende Amtsvorsteherin beim «Service des formations postobligatoires et de l’orientation».

Digitale Transformation in der Bildung: Wie weit ist Ihr Kanton fortgeschritten?

In den letzten Jahren gab es in den kantonalen Schulen der Sekundarstufe II zahlreiche innovative Initiativen im Hinblick auf die Digitalisierung in der Bildung. Der Bericht über die digitale Bildung, der in diesem Sommer von der Politik und der neuen Leitungsstruktur angenommen wurde, trägt diesen Entwicklungen Rechnung und zielt darauf ab, die Nutzung des enormen Potenzials der digitalen Technologie für die Bildung in obligatorischen und nachobligatorischen Schulen systematisch zu stärken. Zu diesem Zweck bringt die neue Leitungsstruktur die beteiligten Akteurinnen und Akteure in drei Bereichen (pädagogisch, technisch und administrativ) zusammen. Auf der nachobligatorischen Ebene wird im pädagogischen Bereich ein Aktionsplan erstellt, der insbesondere darauf abzielt, die digitale Kompetenz und Fertigkeiten durch Schulungen zu stärken und bewährte Praktiken bei der Verwendung digitaler Werkzeuge in der Bildung zu definieren. Finanzielle Ressourcen sind auch für digitale Infrastrukturen und Werkzeuge bestimmt. Wir erleben eine grosse Dynamik, aber es bleibt noch viel zu tun.

«  In den letzten Jahren gab es in den kantonalen Schulen der Sekundarstufe II zahlreiche innovative Initiativen im Hinblick auf die Digitalisierung in der Bildung.  »

Angela Fuchs

Welche Auswirkungen hat der Fernunterricht aus Ihrer Sicht gehabt?

Wir sind nicht der einzige Kanton, der festgestellt hat, dass der Fernunterricht die digitale Bildung im Allgemeinen weiterentwickelt hat. Wir hatten das Glück, kompetente und reaktionsfähige Mitarbeitende zu haben, insbesondere in der IT-Abteilung der Sekundarstufe II, die rasch die IT-Infrastruktur und die digitale Ausbildung eingerichtet haben. Für die Lehrerinnen und Lehrer war es eine Zeit des Experimentierens, mit einer allgemein höheren Arbeitsbelastung, die jedoch kreative Lösungen hervorbrachte. Auf der anderen Seite erwies sich der Fernunterricht als kompliziert, insbesondere für die Betreuung von Schülerinnen und Schüler sowie Lernenden, die grössere Schwierigkeiten in der Schule haben und leicht die Schule abbrechen. Ich denke, dass aus pädagogischer und beziehungsbezogener Sicht der Rahmen eines reinen Fernunterrichts nicht der beste ist. Langfristig wollen wir vielmehr den Lehrpersonen ermutigen, Technologien in den Unterricht zu integrieren, sofern diese Technologien einen pädagogischen Mehrwert haben. Um dieses Ziel zu erreichen, wird es wichtig sein, dass die Freiheit und pädagogische Autonomie der Lehrerinnen und Lehrer gewahrt bleibt.

Und schliesslich – gemäss dem Titel der Fachtagung – worauf kommt es jetzt an?

Die neue Leitungsstruktur ist noch nicht voll funktionsfähig; diese Veränderungen dauern in der Regel einige Zeit. Die Verwirklichung unserer Ambitionen im Rahmen des Aktionsplans wird ein wichtiger Schritt sein, und die Umsetzung der verschiedenen Massnahmen wird schrittweise erfolgen müssen. Die Verknüpfung des künftigen digitalen Kompetenzrepositoriums mit dem Katalog der digitalen Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen wird von wesentlicher Bedeutung sein, damit alle unsere Lehrpersonen in der Lage sind, das pädagogische Potenzial der digitalen Technologie bestmöglich zu nutzen. Wie bereits erwähnt, streben wir eine langfristige Perspektive an, und die positiven Auswirkungen der verschiedenen Massnahmen werden erst mit einer zeitlichen Verzögerung sichtbar werden. Darüber hinaus belastet die zweite Welle der Pandemie sowohl die Schulen als auch die Moral der Menschen. Es geht also auch darum, die unternommenen Anstrengungen zu würdigen und den Schwung und die Motivation der verschiedenen Akteurinnen und Akteure zu erhalten, in diesen Rahmen für die Zukunft der Jugendlichen in unserem Kanton zu investieren.

ähnliche Beiträge

Digitale Identität im Bildungssystem

Digitale Identität ist mehr als ein Login - sie ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Unser neues Dossier beleuchtet die Pluralität digitaler Identität, vergleicht technische Modelle und zeigt auf, wie die digitale Souveränität von Lernenden nachhaltig gestärkt werden kann.

Blogbeitrag | Nachhaltige KI-Lösungen entwickeln und beschaffen: geht das?

Wie fördert der Einsatz von KI nicht nur technologische Innovationen, sondern auch die ökologische Nachhaltigkeit? Im Blog der Berner Fachhochschule (BFH) spricht Jan Bieser mit Lara Biehl und Rika Koch darüber, wie die öffentliche Beschaffung zur nachhaltigen Nutzung von KI beitragen kann.

Community-Kontext-Datei für eine gemeinschaftliche KI-Nutzung

Eine gemeinschaftliche anstelle einer nur individualisierten KI-Nutzung ist für die Autorin des Blogs eBildungslabor eine vielversprechende Praxis, um Bildung in einer zunehmend KI-geprägten Welt so auszurichten, dass damit Zusammenarbeit gelernt und Verbundenheit entwickelt werden kann.

EDK-Blog über Edulog

Im neuesten EDK-Blogbeitrag erklärt Manuel Wyss, Beauftragter für digitale Transformation im Bildungswesen der EDK, wie Edulog zu mehr Datenschutz und digitaler Souveränität im Bildungsraum beiträgt. Wyss geht davon aus, dass die Bedeutung von Edulog weiter zunehmen wird, etwa wenn digitale Bildungsnachweise eingeführt oder Formen der interkantonalen Zusammenarbeit bei Datenschutzvorabklärungen für Lernapplikationen erprobt werden.