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Francine Castella

Francine Castella

Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Analysiert und dokumentiert die Struktur und Wechselwirkungen der Anspruchsgruppen im digitalen Bildungsraum Schweiz. Bei Educa seit November 2011.

Bereits bei der Planung stehen die unterschiedlichen Anspruchsgruppen im Zentrum unserer Aktivitäten. Die neue Leistungsvereinbarung für den Zeitraum 2021–2024 nennt elf Zielgruppen, die im Bereich Digitalisierung und Bildung im Fokus stehen. Sie berücksichtigt damit die aktuellen strukturellen Veränderungen und fördert die Zusammenarbeit. Denn die Herausforderungen bezüglich der Digitalisierung im Bildungswesen sind mit weiteren Politikbereichen verknüpft und gehen über unsere nationalen Grenzen hinaus.

Mit bereichsübergreifenden Themen wie Informations- und Rechtssicherheit, digitale Identität oder Datennutzung sind wir auf nationaler und auch auf internationaler Ebene ein vollwertiger Ansprechpartner für institutionelle und private Akteure der Digitalisierung. Kennen wir die relevantesten Zielgruppen, ihre Bedürfnisse und Anforderungen, können wir gleichermassen explorativ und antizipatorisch arbeiten. Diese Herangehensweise ist entscheidend, um Grundlagen zu schaffen, damit das Bildungssystem seine Governance-Strukturen anpassen kann, aber auch um Innovationen beim Lehren und Lernen zu begünstigen, die sowohl Herausforderungen als auch Potenziale der Digitalisierung berücksichtigen.

In diesem Zusammenhang erlaubt das 2021 entwickelte systematische Zielgruppenmanagement eine Vielfalt an kontextbezogenen Ansichten, die sowohl strukturelle als auch dynamische Elemente der Stakeholderlandschaft widerspiegeln. Es handelt sich dabei um eine relativ verlässliche Struktur, auf der sich nun die gesamte Projekt- und Prozessarchitektur stützt. Dadurch stellen wir die Anspruchsgruppen in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten und schaffen Kohärenz zwischen und innerhalb der Projekte.

Michael Jeitziner

Michael Jeitziner

Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Leitet die Betriebsaufnahme von Edulog und hat im Frühling 2021 den CAS Digital Ethics (HWZ) absolviert. Bei Educa seit August 2013.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich ein Haus kaufen. Sie haben alle notwendigen Überlegungen bereits gemacht, sind finanziell gut abgesichert und schreiten zur Bank, um eine Hypothek aufzunehmen. Die Bankangestellte teilt Ihnen mit, dass sie Ihren Wunsch leider nicht erfüllen kann. Das externe System, dass dazu eingesetzt wird Ihre Kreditwürdigkeit zu überprüfen, attestiert Ihnen keinen genügenden Kredit-Score. Obwohl Sie aufgrund der Ihnen vorliegenden Daten der Bank aufzeigen können, dass Sie sehr wohl kreditwürdig sind, wird Ihnen die Hypothek nicht gewährt.

Eine solche Szene könnte sich heute bereits abspielen, da in einigen Branchen bereits datenbasierte Systeme für automatisierte Entscheidungen eingesetzt werden. In Deutschland hat beispielsweise die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ein ADM-System (automated decision making) im Einsatz, das über die Kreditwürdigkeit der deutschen Bürgerinnen und Bürger befindet. Was dadurch deutlich wird ist, dass Algorithmen bereits heute einen direkten Einfluss auf unser Leben haben.

Perspektivenwechsel in den Bildungsraum Schweiz: Vermehrt werden auch in dessen föderalistischer Vielschichtigkeit digitale Dienste eingesetzt. Lernapplikationen sowie digitale Lehr- und Lernmittel generieren und sammeln Daten über das Lehren und Lernen an Schulen und die Gewohnheiten von Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen. Diese Daten bleiben in der Regel den Anbietern selber vorbehalten. Ohne hier allzu fest in Alarmismus zu verfallen: Dass mein persönlicher Bildungsweg irgendwann in naher Zukunft von automatisierten Entscheidungssystemen abhängig sein wird oder davon beeinflusst wird, kann durchaus zur Realität werden.

In diesem zunehmend digitalisierten und damit datenbasierten Umfeld müssen nicht nur entsprechende organisatorische, technische und rechtliche Rahmenbedingungen festgelegt werden, sondern auch ethische. Eine erste aus anderen Bereichen bekannte Massnahme könnte sein, ethische Grundorientierungen für den digitalen Bildungsraum Schweiz zu definieren und auf nationaler Ebene einzufordern. Sie würden das Bildungssystem dabei unterstützen, datenbasierte Systeme und die Datennutzung im Allgemeinen ethisch korrekt einzusetzen. Den Bildungsmarkt würden sie dazu bringen, ethisch korrekte Dienste und Systeme zu entwickeln.

Welche ethischen Grundorientierungen das sein müssen, muss Teil einer grossangelegten Debatte im Bildungsraum Schweiz sein und werden, die alle Anspruchsgruppen miteinbezieht. Nur so ist gewährleistet, dass sie alle Bedürfnisse dieser vielfältigen und heterogenen Bildungslandschaft mit einbezieht. Den Startschuss zu dieser Debatte hat Educa bereits 2019 geleistet. Zeit, dass wir daran anknüpfen!

Kevin Saner

Kevin Saner

IT System Analyst. Analysiert und entwickelt die Systemarchitektur im digitalen Bildungsraum Schweiz. Bei Educa seit April 2021.

Seit ich bei Educa angefangen habe, hat sich vor allem die Herangehensweise an Architekturthemen verändert. Mit dem Programm «Visual Paradigm» können wir die Einflüsse und Interessen der Akteure nun in Modellen festhalten.

Mithilfe von Motivationsmodellen bilden wir beispielsweise die Interessen der Akteurinnen und Akteure ab. Das erlaubt uns, die Interessen miteinander in Bezug zu stellen und zu bewerten.

Mit Datenflussdiagrammen wiederum wird schematisch aufgezeigt, wie die Akteure untereinander kommunizieren.

Das Modellieren dieser Teile des Bildungssystems hilft Lösungsansätze zu untersuchen, deren Auswirkungen zu verstehen und künftige Entwicklungen in Szenarien zu fassen.

Diese Modelle helfen komlexe Situationen sichtbar zu machen und Wechselwirkungen dynamisch darzustellen. Diese analytische Arbeitsweise schafft Diskussions- und Entscheidungsgrundlagen, die wir vorher nicht oder bestenfalls mit massivem Mehraufwand zur Verfügung hatten.

Dieses Vorgehen nutzen wir vor allem in den Grossvorhaben, welche das gesamte Ökosystem der Bildung betreffen. So können wir die Anliegen einzelner Akteure oder auch ganzer Gruppen bei der Lösungserarbeitung frühzeitig berücksichtigen. Momentan konzentriert sich unsere Arbeit darauf, eine Vision und eine damit einhergehende, schweizweite Zielarchitektur zu entwickeln.