Wie schützt man seine Privatsphäre?

Niemand weiss wirklich, was mit den im Internet hinterlassenen Daten passiert. Um Schülerinnen und Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten zu sensibilisieren, hat der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Lehrmittel entwickelt und online zur Verfügung gestellt. Silvia Böhlen, Kommunikationsfachfrau beim Eidgenössischen Datenschützer, beantwortete unsere Fragen.

Internet, Smartphones und Online-Spiele sind heute fester Bestandteil des täglichen Lebens von Kindern und Jugendlichen. Warum sind Daten in diesem Zusammenhang ein immer wertvolleres Gut, das unbedingt geschützt werden muss?

Mit dem Einzug der digitalen Medien sind die Risiken für Verletzungen der Privatsphäre exponentiell gestiegen. Persönliche Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort landen mit wenigen Klicks im Internet, von wo sie unkontrolliert weiterverbreitet werden können. Dies kann für die Betroffenen unvorhergesehene und unerwünschte Folgen haben, auch noch viele Jahre später.

Was ist dabei die Rolle der Schule?

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche von Anfang an lernen, wie sie mit Smartphones, Tablets und PCs richtig umgehen und wo besondere Vorsicht geboten ist. Bei Kindern im Vorschulalter liegt die Hauptverantwortung bei den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Bei Schulkindern übernehmen aber auch Lehrpersonen eine sehr bedeutende Rolle, da die Kinder einen grossen Teil ihres Alltags in der Schule verbringen. Eine professionelle Medienerziehung ist für die schulische und professionelle Laufbahn heute unabdingbar. Im Bereich Datenschutz müssen die jungen Leute lernen, verantwortungsvoll und selbstbestimmt mit ihren persönlichen Daten umzugehen. Mit dem Lehrplan 21 wurde der neue Fachbereich «Medien und Informatik» geschaffen. Die Schülerinnen und Schüler befassen sich unter anderem über automatisierte Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung von Daten. Die Schülerinnen und Schüler lernen, die verschiedenen Arten von Medien zu nutzen, damit ein mündiger, gefahrenloser Umgang mit digitalen Medien und Technologien möglich ist.

Wie wurde das Lehrmittel entwickelt? Wurden Lehrpersonen einbezogen und deckt es die verschiedenen Lehrpläne der Sprachregionen ab?

Das neue Datenschutz-Lehrmittel des EDÖB deckt die Lehrpläne in den Sprachregionen ab. Es wurde von Lehrpersonen der Fachagentur Kik erarbeitet. Die Datenschutzthemen wurden gemeinsam mit dem EDÖB definiert. Die pädagogisch-didaktische Aufbereitung erfolgte durch Kik. Die inhaltliche Korrektheit der Datenschutzaspekte wurden vom EDÖB geprüft, unter fachlicher Begleitung der nationalen Plattform Jugend und Medien des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV.

Das Lehrmittel wurde für 2 Alterskategorien entwickelt. Wie ist es strukturiert? Welche Funktion hat das Informationsdossier? Welches sind die Hauptunterschiede für die beiden Altersstufen?

Informationsdossier, der vor allem für die Lehrpersonen gedacht ist und einen umfassenden Einführung in die Datenschutzthematik liefert, sowie je 7 Unterrichtseinheiten. Während das Informationsdossier für beide Altersstufen gilt, wurde bei den Lektionen darauf geachtet, dass die Themen zielgruppengerecht vermittelt werden. Die 13- bis 15-jährigen werden langsam an das Thema Datenschutz herangeführt. Sie müssen die Bedeutung der eigenen Privatsphäre erst einmal erfassen können. Und sie müssen lernen, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit persönlichen Informationen von anderen ist. Die Thematik wird hauptsächlich im Umgang mit Smartphone, PC und Tablet erarbeitet. Die Lektionen für die 16- bis 19-jährigen baut auf diesen einführenden Lektionen auf und beleuchtet spezifische Themen wie besonders schützenswerte Daten, das Recht am eigenen Bild oder Videoüberwachung.

Der im vergangenen Juli in Frankreich verabschiedete Gesetzentwurf verbietet jeden Gegenstand, der in Schulen und Kollegen verbunden ist, das Äquivalent zu unseren Pflichtschulen? In der Schweiz, insbesondere in Genf, laufen derzeit Gespräche. Soll das Handy von der Schule verbannt werden?

Ein totales Handyverbot in der Schule entspricht nicht mehr unserem heutigen Lebensstil. Das Smartphone ist ein wichtiger Teil der täglichen Kommunikation geworden ist. Auch für die Pädagoginnen und Pädagogen der kik AG ist ein komplettes Handyverbot an den Schulen nicht förderlich, da es schwieriger wäre, Nutzen und Gefahren anhand konkreter Beispiele zu erkennen und aufzuzeigen. Es braucht aber zwingend klare und verständliche Regeln, wann die Handys in der Schule gebraucht werden dürfen. Im Sinne der Chancengleichheit und Gerechtigkeit darf aber nicht verlangt werden, dass ab einer gewissen Stufe, alle Schülerinnen und Schüler ein eigenes Gerät besitzen.

Diese Seite in: Français

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 01.11.2018

Logo SBFI

Logo EDK

Job

Support