Herausforderungen und offene Fragen

Die Thematik der Messenger-Dienste stellt Schulen vor verschiedene Herausforderungen und wirft eine Reihe von Fragen auf. So löst oft die Diskussion über den Einsatz von Messenger-Diensten auch konzeptionelle Überlegungen aus, wie die Kommunikation in Schulen als Ganzes organisiert werden soll. Sind beispielsweise Messenger-Dienste geeignete Instrumente für die Kommunikation zwischen Schulen, Lehrpersonen und Lernenden?

Konzeptionelle Hinweise auf solche Fragen kann z. B. dem Merkblatt des Departements Schule und Sport der Stadt Winterthur entnommen werden: Merkblatt «Digitale Kommunikation»

Gerade Lern- und Kollaborationsplattformen bieten oft integrierte, interoperable Kommunikationsinstrumente wie das beispielsweise bei educanet², Google G Suite for Education oder Microsoft Office365 Education der Fall ist. Eine Übersicht über Lern- und Kollaborationsplattformen bietet etwa die Übersicht «Anwendungen für den Unterricht» auf educanet².

Datenschutz

In Bezug auf Art und Umfang der Datensammlung von WhatsApp bestehen sowohl seitens der kantonalen Datenschützer als auch der Lehrerverbände Bedenken. Diese betreffen insbesondere die Tatsache, dass WhatsApp Zugriff auf die gesamten Kontaktdaten des Mobiltelefon-Adressbuches erhält, und diese Informationen in den USA speichert, verarbeitet und auch an den Mutterkonzern Facebook weitergibt. Dies würde zumindest aus datenschutzrechtlicher Sicht eine explizite Zustimmung aller betroffenen Kontaktpersonen erfordern. Zudem ist die Einführung von Werbung für den Messenger-Dienst geplant.

Mindestalter und elterliche Einwilligung

Viele populäre Diensten haben aufgrund der DSGVO in ihren Nutzungsbedingungen das Mindestalter auf 16 Jahren erhöht. Dabei ist es nach Schweizer Recht kein Straftatbestand, wenn bei der Bestätigung des Mindestalters für die Nutzung von Diensten geschummelt wird. Da es sich nicht um einen Vertrag handelt – und sofern der Dienst kostenlos ist – geht das Schweizer Recht von einer stillschweigenden Duldung seitens der Eltern aus, wenn der Dienst von einem Kind unterhalb der Altersbeschränkung trotzdem genutzt wird.

Bei der Nutzung von Diensten in der Schule, empfiehlt es sich eine vorgängige schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten einzuholen. Werden die Dienste von den Lehrpersonen zudem für schulische Zwecke eingesetzt, sind diese aus Sicht des Datenschutzes verantwortlich und müssen die entsprechende Datenschutzbestimmungen einhalten.

Interoperabilität

Unter Interoperabilität kann allgemein die Fähigkeit von Systemen verstanden werden, untereinander zu kommunizieren und die kommunizierten Informationen nutzen zu können. Im Kontext von Messenger-Diensten könnte Interoperabilität beispielsweise bedeuten, dass Nutzende unmittelbar mit anderen kommunizieren können, da die Dienste serverseitig einheitliche Protokolle und Standards verwenden (wie z. B. bei E-Mail oder SMS). Interoperabilität herzustellen, indem ein Messenger-Dienst sich per Anwendungsschnittstelle (API) öffnet und damit zumindest für andere Messenger-Apps zugänglich gemacht würde, wäre eine weitere Möglichkeit.

Alternative Möglichkeit besteht in Lösungen mit freien, föderalen Messenger-Protokollen, wie sie bei XMPP oder Matrix Anwendung finden. Letzteres liegt mittlerweile in einer stabilen Version vor und Behörden z. B. in Frankreich setzen bereits auf Matrix als offiziellen Messenger-Dienst. Mit Kriterien der Interoperabilität lassen sich bei Beschaffungsvorhaben Herausforderungen rund um Netzwerkeffekte, Nutzungszwänge und Lock-in-Effekte adressieren, gleichzeitig müssen die Anforderungen an das Datenschutzniveau gleich hoch bleiben. Daraus resultiert mehr Selbstbestimmung und Freiheit bei der Anbieterwahl sowie ein ggfs. folglich diversifizierteres Marktangebot, was längerfristig Monopolstrukturen entgegenwirkt.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.09.2019

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