In den letzten Jahren haben Schulen vermehrt in die Anschaffung von Laptops, Tablets, Surfaces sowie andere digitale Infrastruktur investiert. Jedoch wird oft übersehen, dass die blosse Ausstattung allein nicht zur digitalen Transformation im Klassenzimmer führt. Lehrpersonen benötigen auch geeignete digitale Hilfsmittel und Instrumente und müssen wissen, wie sie diese im Unterricht einsetzen können. Angesichts der immensen Fülle an  unterschiedlichen Bildungstechnologien stellt sich jedoch die Frage, wie Lehrpersonen die passenden Tools finden und auswählen können. Das «Swiss National EdTech Testbed Programm» des Swiss EdTech Colliders, stationiert im EPFL Innovation Park in Ecublens sowie auch bei BeLEARN in Bern, hat sich dieser Herausforderung verschrieben und unterstützt die Schulen in der ganzen Schweiz bei der digitalen Transformation.

Lehrpersonen bewerten neue Technologien

Im November 2022 wurde das neue Testbed Programm, unterstützt durch die Jacobs Foundation und die Gebert Rüf Stiftung, lanciert. Diese neue Initiative zielt darauf ab, Lehrpersonen dabei zu unterstützen, neue Bildungstechnologien in ihrem Unterricht zu testen. Die Lehrpersonen können die neuen Tools nicht nur gratis testen, sondern werden auch durch das Swiss EdTech Collider Team (zwei ehemalige Lehrpersonen) in das jeweilige digitale Tool eingeführt und bei Bedarf im Unterricht bei der Implementation und der Anwendung begleitet. Im Anschluss an die Testung der digitalen Tools evaluieren die Lehrpersonen das entsprechende Tool und bewerten es anhand verschiedener Kriterien wie Benutzerfreundlichkeit und pädagogischem Mehrwert. Dadurch erhalten die EdTech-Unternehmen wertvolles Feedback aus der Praxis und können ihre Innovationen besser an die Bedürfnisse der Lehrpersonen und der Schülerinnen und Schüler anpassen. Das «Swiss National EdTech Testbed Programm» ist also nicht nur ein wertvolles Angebot für Schulen und Lehrpersonen, sondern auch für die EdTech Unternehmen, da diese direkt von den Erfahrungen und Rückmeldungen der Lehrpersonen profitieren und ihre Produkte bei Bedarf anpassen und verbessern können.

Die digitale Transformation im Bildungssystems stellt zweifellos eine grosse Herausforderung dar – sie bietet aber auch unglaublich viele Chancen. Durch den Einsatz von Bildungstechnologien können Lehrpersonen beispielsweise ihren Unterricht besser individualisieren und an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler anpassen. Zudem können digitale Tools dabei helfen, den Unterricht interaktiver und motivierender zu gestalten. Auch wenn die Meinungen in Bezug auf den Gebrauch von Bildungstechnologien im Unterricht stark auseinander gehen, sind sich in einem Punkt alle Expertinnen und Experten einig: In Zukunft wird die Bedeutung von lernfördernden digitalen Lösungen im Unterricht weiter zunehmen. Lehrpersonen müssen sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen und sich weiterbilden, um Bildungstechnologien sinnvoll und optimal im Unterricht einsetzen zu können.

Internationaler Austausch

Nicht nur hier bei uns in der Schweiz werden immer mehr digitale Tools im Bildungssystem eingesetzt: Der Einsatz digitaler Tools im Unterricht steigt weltweit. In mehreren, vor allem skandinavischen Ländern, werden solche spezifischen «Testbed Programme», wie dies der Swiss EdTech Collider seit November anbietet, bereits grossflächig eingesetzt. Um die Erfahrungen, «good practice» und das gesammelte Wissen solcher Testbed Programme optimal unter den verschiedenen Ländern austauschen zu können, wurde erst kürzlich das Global Edtech Testbed Network GETN ins Leben gerufen. Der Swiss EdTech Collider ist in diesem Netzwerk aktiv als Partnerorganisation dabei und hilft dadurch mit, den weltweiten Austausch in diesem spannenden Themenfeld zu stärken und voranzutreiben.

 

Gastautorin

Portrait Carmen Sieber
Carmen Sieber
Programm Manager Swiss National EdTech Testbed Programm
Swiss EdTech Collider

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