Forschung ist auf Daten angewiesen. Sie bilden die Grundlage für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Je nach Forschungsfeld, Fragestellung und Methodik stehen dabei andere Daten im Fokus. Während in der qualitativen Forschung oftmals heterogene, unstrukturierte und kaum standardisierte Daten genutzt werden, ist die quantitative Forschung auf vergleich- und statistisch auswertbare, grosse Datenmengen angewiesen.

Personendaten und sensitive Daten als Herausforderungen

Die Digitalisierung hat sowohl für den einen wie auch den anderen Ansatz neue Ausgangslagen geschaffen. Nebst der Datenmenge, dem vereinfachten Zugang und den Verknüpfungsmöglichkeiten sind auch neue Datenquellen und Forschungsfelder entstanden. Was potenziell mehr Erkenntnisgewinn verspricht, birgt neue Herausforderungen, insbesondere wenn es um Personendaten und sensitive Daten geht. Hemmt der Datenschutz die Entwicklung innovativer Forschungsansätze? Wie spielen Gesetzgebung und Ethik zusammen? Und welche Rolle spielen sichere Infrastruktur-Lösungen?

Datennutzungskultur und Governance-Strukturen prägen Datenzugang

Ende November sind zwei Veranstaltungen diesen Fragen nachgegangen. Am Vernetzungsanlass im Rahmen der Digitalisierungsinititative des Kantons Zürich (DIZH) vom 29. November 2022 standen praktische, ethische und rechtliche Herausforderungen im Umgang mit Forschungsdaten in einer digitalen Gesellschaft im Fokus. Fachpersonen diskutierten unter anderem über sinnvolle Zugangsregulierungen zu unterschiedlichen Forschungsdaten. Auch der Frage, «Kann eine starke Forschungsethik Datenschutz in gewissen Teilen ersetzen?», wurde nachgegangen. Am gemeinsamen Workshop «Safe Access to Sensitive Research Data» von FORS und der Fachhochschule Graubünden vom 25. November hingegen, ging es um sichere Infrastruktur-Lösungen für die Nutzung von sensitiven (Forschungs-)Daten. In verschiedenen Themenblöcken wurden sowohl internationale (Grossbritannien, Norwegen, Frankreich, Deutschland) als auch nationale Modelle und Perspektiven vorgestellt und diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass Datenzugangsinfrastrukturen vor allem von den vorherrschenden Datennutzungskulturen und den jeweiligen Governance-Strukturen geprägt werden. Mittlerweile überall etabliert ist das 5-Safes-Framework. Es handelt sich hierbei um fünf Prinzipien, die einen sicheren Zugang zu Forschungsdaten ermöglichen. Die Prinzipien beziehen sich auf sichere Daten, Forschungsprojekte, Personen, Rahmenbedingungen und Erkenntnisse.

Ethik, Recht und Infrastrukturen

Im Umgang mit Daten sind Ethik, Recht und Infrastrukturen komplementär. Bei der Entwicklung einer Datennutzungspolitik setzen auch wir uns mit diesen unterschiedlichen Aspekten auseinander. In diesem Zusammenhang beobachten wir die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Sekundärnutzung von Daten aufmerksam.

 

ähnliche Beiträge

Für eine Datennutzungspolitik, die auch Fragen der Bildungsgerechtigkeit berücksichtigt, braucht es den Dialog mit allen Beteiligten: der Forschung, dem schulischen Umfeld, EdTech-Unternehmen und der Bildungsverwaltung. Warum das zentral ist, erläutert Prof. Dr. Kenneth Horvath Leiter des Forschungsprojekts «Algorithmic Sorting in Education» an der PH Zürich in seinem Gastbeitrag.

Die zweite Folge unserer Podcast-Serie «Daten im digitalen Bildungsraum» befasst sich mit künstlicher Intelligenz in der Bildungsverwaltung. Wird KI bereits eingesetzt? Was sind die Fragen und (schwierigen) Antworten, die man darauf geben kann?

Am 1. September 2023 ist das revidierte Bundesgesetz über den Datenschutz in Kraft getreten. Für private Personen (inkl. Unternehmen) und Bundesorgane gibt es wesentliche Änderungen im Umgang mit der Bearbeitung von Personendaten und der Informationspflicht.

Durch die Zusammenarbeit mit Datennutzungsprojekten können wir anhand von konkreten Fällen aus der Praxis das Ökosystem «Bildungsdaten» ausleuchten und Lösungsansätze im Spannungsfeld der verschiedenen Anspruchsgruppen testen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Trotz aller Heterogenität beschäftigen die gleichen Fragen.