Welchen Nutzen sehen Sie in der Anlaufstelle für Fragen zur Datennutzung?

Lea Marti: Datennutzung wird als Thema immer wichtiger. Wir alle geben täglich Informationen über uns preis. Manchmal bewusster mit dem Posten eines Beitrags, manchmal unbewusster mit dem Wegklicken des Cookie-Banners. Digitale Medien machen das Datensammeln einfach und ermöglichen neue Anwendungen für diese Daten. Der Schutz und die Nutzung dieser Daten führen dabei zu vielen neuen Fragen, auch für die Verwaltung. Als einzelne Verwaltungseinheit ist man da stark gefordert. Zwar entstehen viele Antworten und Hilfestellungen, aber es wird auch viel parallel gearbeitet und das generierte Wissen ist nicht für alle zugänglich oder auffindbar. Daher ist es sehr sinnvoll, dass diese Fragen von einer Anlaufstelle bearbeitet werden und das Wissen so zentral aufgebaut und geteilt wird. Zudem wird dabei auch deutlich, wo gesamtschweizerisch Handlungsbedarf besteht und es können neue Entwicklungen angestossen werden.

«  Ich sehe in der Anlaufstelle aber auch eine Chance, sich den grossen Fragen anzunehmen und aktiv neue Entwicklungen anzustossen.  »

Welche Erwartungen haben Sie an die Anlaufstelle?

Damit eine gesamtschweizerische Anlaufstelle sinnvoll und nützlich ist, muss sie konkrete und praxistaugliche Rückmeldungen in nützlicher Frist liefern. Also z.B. eine konkrete Empfehlung zu einer App. Dazu könnte das bereits vorhandene Wissen genutzt werden. Dieses Wissen sollte gebündelt werden und für alle zugänglich sein, z.B. über eine Sammlung von «Häufigen Fragen». Ich sehe in der Anlaufstelle aber auch eine Chance, sich den grossen Fragen anzunehmen, z.B. wem gehören Daten, und aktiv neue Entwicklungen anzustossen, z.B. eine OpenData-Strategie.

In welchem Fall würden Sie die Anlaufstelle kontaktieren?

Wir hatten kürzlich eine Anfrage von einem Vater bezüglich einer Kommunikations-App. Die Schule seines Kindes setzt diese App neu ein und bat alle Eltern künftig über diese App mit der Schule zu kommunizieren. Er machte sich nun Sorgen, ob die Daten seines Kindes darin ausreichend geschützt sind. Das ist ein berechtigtes Anliegen, das auch die Schulen beschäftigt. Gleichzeitig sind diese Fragen zu konkreten Produkten, immer schwierig zu beantworten. Wir können nicht jede App einzeln prüfen, es gibt einfach zu viele und deren Datenschutzrichtlinien bleiben auch nicht gleich. Zwar gibt es den Navigator von Educa, wo Apps und Programme auch im Hinblick auf Datenschutz eingeschätzt werden, aber es fehlt eine konkrete Empfehlung, ob die App grundsätzlich eingesetzt werden kann und unter welchen Bedingungen. Hier von der Anlaufstelle Datennutzung eine konkrete Antwort zu erhalten, wäre sehr hilfreich.

Gesprächspartnerin

Portrait Lea Marti
Lea Marti
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Stellvertretende Leiterin
Sektion Organisation der Abteilung Volksschule im Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport

ähnliche Beiträge

9.6.2022

Dieser Frage sind wir an der Dialogveranstaltung «Esprit Data» Ende April nachgegangen. Der Anlass will zwischen den verschiedenen Akteuren im Bildungswesen Brücken schlagen, um gemeinsame Wege im Umgang mit Daten zu finden. 

28.2.2022

Die wesentlichen Achsen zur Entwicklung einer Datennutzungspolitik wurden geklärt. Ziel ist es, eine Datennutzungspolitik, die in einem sicheren, vertrauensvollen und ethisch angemessenen Rahmen stattfindet, zu erarbeiten. 

17.5.2022

Daten sind eine zentrale Ressource im digitalen Bildungsraum. Dabei ist es wichtig, nicht nur organisatorische, technische und rechtliche Rahmenbedingungen für die Nutzung festzulegen, sondern auch ethische. Eine erste Massnahme könnte sein, ethische Grundorientierungen für den digitalen Bildungsraum Schweiz zu definieren und einzufordern.

28.4.2022

Wie könnte die Architektur eines sicheren und verantwortungsvollen Datenaustausches in der Berufsbildung künftig aussehen? Kevin Saner, IT-System-Analyst bei Educa, präsentiert seine Vorstellung einer Datenföderation für die Berufsbildung und weist auf die Potenziale von neuen Technologien hin.