Die Perspektiven und Herausforderungen in beiden Ländern sind dieselben, sowohl für Identitätsanbieter als auch für Dienstleistungsanbieter. Die Gegenüberstellung zeigt, dass Edulog eine Vorreiterrolle bei der Bereitstellung von Online-Diensten im Bildungsbereich einnimmt – und inspiriert zur Nachahmung.

In Deutschland ist das FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht im Rahmen des DigitalPakts Schule von allen 16 Bundesländern mit der Umsetzung des föderalen Identitätsmanagement-Projekts VIDIS beauftragt worden.

VIDIS funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Edulog als eine Föderation von ID-Management-Systemen. Die Bundesländer, Schulträger und Schulen (Identitätsanbieter) sowie die Dienste für Schule und Ausbildung (Dienstleistungsanbieter) können sich über eine technische Schnittstelle anschliessen. Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen greifen mit einem Login auf die Online-Dienste zu. Personenbezogene Daten bleiben dezentral bei den Identitätsanbietern gespeichert. Dienstleistungsanbieter erhalten bei der Anmeldung auf ihren Online-Diensten nur diejenigen Daten, die sie mit dem FWU vertraglich vereinbart haben.

Identitätsföderationen als Grundlagen

«Wir wissen schon lange, vor allem aus dem Hochschulbereich und anderen europäischen Ländern, dass Identitätsföderationen elementare Grundlagen für die Digitalisierung im Bildungsbereich sind. Deshalb halte ich die Entwicklungen in der Schweiz und in Deutschland für vielversprechend. In beiden Ländern werden Identitätsverbünde aufgebaut, um eine zukunftsfähige und nachhaltige Digitalisierung im schulischen Bildungsbereich zu ermöglichen» so Michel Smidt, Projektleiter VIDIS.

Das komplexe VIDIS-Projekt entwickle sich positiv und komme schnell voran. «Alle 16 Bundesländer wirken aktiv mit und darüber hinaus auch viele Schulträger und Schulen. Nicht immer nur technisch, sondern vor allem auch organisatorisch und bei Rechtsfragen. Mit 14 Bundesländern haben wir auch schon mindestens eine Testanbindung realisiert und starten gerade mit neun dieser Länder in eine Pilotphase», erläutert Smidt.

Für viele Unternehmen sei die aktuelle datenschutzrechtliche Vielfalt und technische Heterogenität eine grosse Herausforderung. Daher unterstützten gewisse Dienstleistungsanbieter auch die bundesländerübergreifende Lösung, insbesondere was die technische Standardisierung und den Datenschutz betrifft. «Aktuell befinden wir uns noch in einer Pilotphase, an der nur wenige Pilotschulen und ausgewählte Dienstleistungsanbieter teilnehmen können. Wir verzeichnen aber sehr viel Zulauf und Anfragen im dreistelligen Bereich», betont Smidt.

Die Schweiz geht voran

Wo steht die Schweiz im Umgang mit Identitäten in der Bildung im Vergleich zum Nachbarsland? «Wir schätzen, dass die Schweiz in diesem Punkt weiter ist als Deutschland», erklärt Michael James Taylor, Geschäftsleiter Westermann Schulverlag Schweiz AG.

Die Westermann Gruppe ist in beiden Ländern aktiv. In der Schweiz ist sie mit ihrem Produkt BiBox als Dienstleistungsanbieter Edulog beigetreten. «VIDIS ist erst in der Erprobungsphase. Daneben gibt es in Deutschland weitere Dienstleister, die von einzelnen Bundesländern beauftragt werden. Mit der Einführungsphase von Edulog ist die Schweiz hier einen Schritt voraus», so der Geschäftsleiter.

Michel Smidt

Michel Smidt, Projektleiter VIDIS

«  Wir haben einige Elemente, wie beispielsweise die technische Architektur von Edulog, übernommen.  »

Das FWU räumt Edulog diesen Vorsprung ein – und lernt aus den Erfahrungen. «Mit dem Team von Edulog gab und gibt es einen kontinuierlichen Austausch auf verschiedenen Ebenen. Gerade zu Beginn des VIDIS-Projekts war dies sehr wertvoll. So haben wir dann auch einige Elemente übernommen, wie beispielsweise die technische Architektur von Edulog», so Smidt. Der wertvollste Hinweis war, dass ein solch komplexes Projekt nicht rein technisch gelöst werden kann, sondern dass es besonders wichtig ist, die organisatorischen und sozialen Aspekte zu berücksichtigen. «Dies hat sich zu 100% bewahrheitet und wir haben es von Anfang an beherzigt und achten stark darauf, viele Akteure mit einzubinden: Schulen, Bundesländer, Aufsichtsbehörden, Anbieter, Schulträger, Medienzentren, Verbände und andere», betont der Projektleiter.

Steigende Nutzung von Online-Diensten in der Schule

Eine wichtige Komponente einer Identitätsföderation sind die Online-Dienste, auf die zugegriffen werden kann. In Deutschland ist der Bildungsmarkt für Online-Dienste sehr vielfältig. Die Geschäftsaussichten für einen Dienstleistungsanbieter sind aus Sicht der Westermann Gruppe ebenfalls heterogen. «Das Spektrum reicht von Schulen, bei denen es digitale Vollausstattung mit mobilen Endgeräten und umfassend geschulten Lehrpersonen gibt bis hin zu Einrichtungen mit kaum vorhandenen digitalen Möglichkeiten, Medien und Kompetenzen», so Geschäftsleiter Taylor.

Michael James Taylor

Geschäftsleiter Michael James Taylor, Westermann Schulverlag Schweiz AG

«  Der Wunsch der Schweizer Schulen nach einem einfachen und sicheren SSO-Zugriff auf die vielen unterschiedlichen digitalen Angebote im Markt ist gross.  »

Online-Dienste werden im Unterricht nicht mehr nur als Ergänzung zu gedruckten Unterrichtsmaterialien eingesetzt. «Neu gehen Schulen vermehrt Schritte in die Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien in rein digitaler Form, die das klassische Schulbuch zunehmend ersetzen. In diesem Ablösungsprozess stellen die Bildungsträger auch veränderte Anforderungen an Anschaffungsprozesse und Lizenzmodelle. Technische «Zwischenebenen» wie Vermittlungsdienste oder Identitätsmanagementsysteme (Anm. d. Red.: z.B. VIDIS oder Edulog) gewinnen dabei stark und schnell an Bedeutung», so Projektleiter Smidt.

Und die Schweiz? «Unserer Wahrnehmung nach ist der Wunsch der Schweizer Schulen nach einem einfachen und sicheren SSO-Zugriff auf die vielen unterschiedlichen digitalen Angebote im Markt gross. Es steigen die Anforderungen und Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer an modulare Lehrmittelinhalte, individuell gestaltbare Lernwege oder interaktive und kollaborative Elemente; auch hier unterscheidet sich die Schweiz kaum von Deutschland» so Taylor.

Bei allen Neuerungen darf laut Taylor eines nicht vergessen gehen: «Auch wenn die Zahl der neu entwickelten digitalen Anwendungen, Dienste, Plattformen etc. exponentiell zunimmt – das kognitive Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler wächst nicht analog dazu mit. Schülerinnen und Schüler dürfen wir nicht überfordern.»

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