Auch das Wallis wurde vom Coronavirus nicht verschont, aber Stéphane Roduit bleibt zuversichtlich. Der kantonale Beauftragte für die Digitalisierungsstrategie im Bildungsbereich – zugleich Edulog-Projektkoordinator für das Wallis – musste seine Stossrichtung deswegen nicht ändern, im Gegenteil: «Hätte uns das Corona-Virus im nächsten Jahr heimgesucht, hätten wir nicht einmal über die Instrumente zur Unterstützung des Fernunterrichts nachgedacht. Mit der Inbetriebnahme von Edulog in Verbindung mit unserer kantonalen Zugangsverwaltung mit dem einmaligen Login hätten alle Schulen im Wallis bereits Zugriff auf eine Plattform, die Videokonferenzen und den Austausch digitaler Dateien und Lernressourcen ermöglicht», erklärt Roduit. Eine klare und ambitionierte Strategie sei im Hinblick auf eine globale digitale Transformation unerlässlich, betont er. «Die Pandemie hat uns gezwungen, manches früher als geplant einzurichten, aber letztlich hat sie vor allem bestätigt, dass wir auf dem richtigen Kurs sind.»

Illustration Digitale Identität Wallis

ICT-VS / Le Nouvelliste, Sabine Papilloud

Der Aufbau eines digitales Backbones für alle Schulstufen

Die Schaffung einer digitalen Identität im Walliser Bildungssystem wurde bereit anfangs der 2000-Jahre angepeilt, als man beschloss, die Schulen mittels eines zentralen Netzwerkes miteinander zu verbinden. Mit der Schaffung dieser Infrastruktur wurden zahlreiche Logins notwendig, was zu einem echten Hindernis wurde. Die Einrichtung eines einmaligen Logins tat Not. «Das Edulog-Projekt war dabei ein Motor: Wir haben uns am Reflexionsprozess beteiligt, die Prozesse definiert und die erforderlichen technischen Tools für eine Föderation entwickelt», erklärt der Koordinator. Als erste Herausforderung galt es, Schritt für Schritt ein digitales Backbone-System für alle Schulstufen, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II, aufzubauen. Jede/r neue Lernende, jede neue Lehrperson erhält beim Neuzugang automatisch eine digitale Identität und damit Zugriff zum kantonalen Bildungsserver. «Edulog war aber nicht nur Triebkraft, sondern gar das Sahnehäubchen: die Möglichkeit, sich einer interkantonale Föderation anzuschliessen, zeigt, wie ausgereift und vertrauenswürdig unsere digitale Identität für sämtliche Bildungsstufen im Wallis ist», freut sich Roduit und betont, dass es sich um eine Win-Win-Partnerschaft handelt: «Der Kanton installiert eine digitale ID und eine Brücke zu Edulog, die ihrerseits mit den digitalen Dienstleistern die Zugriffsbedingungen und die Einhaltung des Datenschutzes aushandelt. Dies vereinfacht unsere Arbeit ungemein.»

«  Hätte uns das Corona-Virus im nächsten Jahr heimgesucht, hätten wir nicht einmal über die Instrumente zur Unterstützung des Fernunterrichts nachgedacht.  »

Stéphane Roduit

Beim Gespräch mit dabei: Gérard Aymon, der aufmerksam zuhört. Als Leiter der Orientierungsschule des Val d’Hérens und Präsident der lateinischen Schulleiterkonferenz der obligatorischen Schule (CLACESO) wird er die Vorzüge einer zentralen digitalen Identität bald zu schätzen wissen. Am Morgen muss er sich bloss noch mit einem einzigen Passwort und seiner ID in die digitale Arbeitsumgebung der Walliser Schulen einloggen. Danach kann er ungehindert loslegen: Noten und Absenzen von Lernenden sowie Notizen erfassen und interne sowie externe digitale Ressourcen öffnen. «Aktuell verlieren wir mit dem Einloggen bei verschiedenen Plattformen mit verschiedenen Passwörtern enorm viel Zeit», ergänzt Gérard Aymon, für den Edulog eine echte Chance ist. «Wir verfügen dann über eine ID, die während der ganzen Lernbiografie erhalten bleibt, eine Art persönlichen Schulpass.»

«  Aktuell verlieren wir mit dem Einloggen bei verschiedenen Plattformen mit verschiedenen Passwörtern enorm viel Zeit  »

Gérard Aymon

Die Coronavirus-Pandemie hat die digitale Transformation im Wallis vorangetrieben, dies mit allen Vor- und Nachteilen. Sie hat z.B. das Teilen von Dateien und Videokonferenzen ermöglicht. «Zahlreiche Lehrpersonen wurden so ins digitale Zeitalter katapultiert, manche stiessen an ihre Grenzen und zweifelten gar an ihrer Berufswahl», ergänzt Gérard Aymon, und doppelt nach: «Man sollte eine Balance finden zwischen Digitalisierung und Beziehungsgestaltung mit den Lernenden.» Auch in dieser Hinsicht zeigt sich Stéphane Roduit zuversichtlich. «Der Schulstart 2020 wird noch keine umfassende Digitalisierung mit sich bringen. Wir müssen uns Zeit lassen für diesen Übergang – Im Wallis haben wir uns einen Zeithorizont von drei Jahren gesetzt –, damit wir die Strukturen schaffen und die notwendigen Begleitmassnahmen planen können. Und damit wir sicherstellen können, dass das virtuelle Klassenzimmer funktioniert, sollte der Präsenzunterricht wieder einmal ausfallen.»