Digitalisierung und Bildung

Die Schweiz braucht entsprechende Kompetenzen, um die Wissensgesellschaft zu entwickeln und die Vorteile von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) vollumfänglich nutzen zu können. Der Vermittlung von ICT-Kompetenzen über das Bildungssystem kommt daher eine zentrale Bedeutung zu, denn die fortschreitende Digitalisierung transformiert den Kontext, in dem Lehren und Lernen stattfindet. Durch die orts- und zeitungebundene Verfügbarkeit von Wissen werden Lernprozesse neu ausgerichtet und die Rollen der Lehrenden und Lernenden verändert.

Entwicklungen im (digitalen) Bildungsraum Schweiz

Abbildung «Lernen im Ökosystem»: Hybride Netzwerke durchdringen die Grenzen analoger und digitaler Lernressourcen innerhalb und ausserhalb der Schule. Formale, non-formale und informelle Bildung entwickeln sich zu einem neuen Ökosystem.

Digitale und analoge Entwicklungen neigen im zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts zur Verschmelzung. Drei Zäsuren liegen dem neuen Ökosystem Bildung zugrunde.

Darstellung Ökosystem - Ausschnitt 1

Die erste digitale Zäsur bahnte sich in den 1980er Jahren an. Personal Computers und Bildschirme mit grafischen Benutzeroberflächen lösten schrittweise die herkömmlichen Arbeitsgeräte ab. Beschaffung und Organisation von Soft- und Hardware wurde zu einer zentralen Aufgabe von Schulleitungen und Bildungsverwaltung. Weiterbildungsangebote für und persönliche Initiativen von Lehrpersonen liessen zusammen mit den damals neuen Medien das Repertoire an Unterrichtsmethoden anwachsen. Die dritte industrielle Revolution unterstützte den Wechsel von Input- zu Output-Modellen in der Steuerung des Bildungswesens. Die einsetzende Suche nach Möglichkeiten, wie Schule und Unterricht effizienter zu organisieren seien, brachte dem ICT-gestützten Unterricht grosse Aufmerksamkeit. Ein Kulturwandel fand aber vorerst nicht statt. Im internationalen Vergleich blieb die Schweiz bis heute hinter dem europäischen Durchschnitt zurück.

Darstellung Ökosystem - Ausschnitt 2

Das World Wide Web und die rasante Verbreitung der Internetnutzung schufen eine zweite Zäsur. Die «digitale Souveränität» des Menschen, der die Möglichkeiten der Digitalisierung produktiv aufnimmt und mitgestaltet aber auch kritisch verarbeitet, rückte ins Zentrum. Digitale Technologien gerieten zu jederzeit und überall verfügbaren Medien. Für die Bildung bedeutete diese Entwicklungsphase ein Verschmelzen pädagogischer Instrumente und Prozesse mit Lebensbereichen ausserhalb von Schule und Unterricht. Es folgten Metaphern wie die digitale Bildungslandschaft, Konzepte wie Computational Thinking, schliesslich die Aufnahme von Medien und Informatik in die Lehrpläne. Auf systemischer Ebene zog die überall und allgegenwärtig vernetzte Digitalwelt völlig neue Herausforderungen und Fragestellungen nach sich: Hoheit über das Bildungsangebot, Rechtssicherheit, Zusammenarbeit mit neuen Akteuren, Vertrauen im Bildungsraum.

Darstellung Ökosystem - Ausschnitt 3

Heute prägt eine dritte Zäsur den Alltag in sämtlichen Lebens- und Lernbereichen. Netzwerke durchdringen die Grenzen zwischen digitalen und analogen Methoden. Unterricht, Schule und Bildungsverwaltung generieren nutzbare Daten im Takt von Nanosekunden. Big Data, Data Analytics, Machine Learning, Artificial Intelligence und Blockchain werden über die Mensch-Maschinen-Interaktionen Teil der personalisierten Lern- und Lehrprozesse. Das künftige Verständnis von Bildung wird sich daran orientieren und auf den neuen Potenzialen aufbauen. Im digital transformierten Bildungssystem werden Schule und Unterricht vermehrt die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen – in Abgrenzung zu lernfähigen Systemen – in den Vordergrund rücken. Dabei lösen digitale Lernnetzwerke analoges Lernen und Lehren nicht ab, sondern bilden den strukturierenden Zusammenhang, in dem multiple Akteure miteinander die Verfügbarkeit, den Zugriff und die Nutzung von Daten und Wissen gewährleisten.

Weitere Zäsuren werden folgen. In ihrer Summe steckt das Momentum des digitalen Wandels. Er verwischt die vertrauten Grenzen zwischen formaler, non-formaler und informeller Bildung. Ein neues Ökosystem hybrider Netzwerke schafft Raum und Zeit für die individuelle Entwicklung von Kompetenzen innerhalb und ausserhalb der Schule. Und es ruft nach neuen, tragfähigen Partnerschaften für die achtsame Nutzung von Daten in Kenntnis aller Potenziale, Chancen und Risiken.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 07.11.2019

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