Erfolg für Marienkäfer Kara
![]() | |
Die am Departement Informatik der ETH entwickelte Lernumgebung KARA für den Einstieg ins Programmieren hat den European Academic Software Award 2002 gewonnen. Der Award (EASA, www.easa-award.net)wird alle zwei Jahre vergeben. Ziel des Wettbewerbs ist die Förderung der Entwicklung innovativer Software für den Einsatz im Unterricht höherer Schulstufen. Der EASA Award ist offen für alle Hochschulen in Europa. Die diesjährige Finalausscheidung und Preisverleihung fand vom 23. - 25. November in Ronneby, Schweden, statt. Zu den Preisgewinnern gehört auch die Lernumgebung Kara, die in der Finalrunde von Markus Brändle, Assistent am Institut für Theoretische Informatik der ETHZ, vertreten wurde.
Welche Ziele verfolgt der Marienkäfer Kara? Neben Lesen, Schreiben und Rechnen gehört heute ein Verständnis für die grundlegenden Prinzipien und Wirkungsweisen der Informationstechnologien zur Allgemeinbildung. Unser Alltag ist geprägt durch Systeme, welche Abläufe automatisieren. Das Spektrum reicht vom einfachen Billettautomaten bis hin zu komplexen Flugreservationssystemen. Allen Systemen ist gemeinsam, dass dynamische Prozesse in einer statischen Beschreibung, einem Programm, formal erfasst und so der Bearbeitung durch Computer zugänglich gemacht werden.
In seiner langen Laufbahn hat Professor Jürg Nievergelt immer wieder die Bedeutung von Algorithmen und Programmen zum Verständnis der Informationstechnologien betont. Die Begründung stützt sich auf eine Analogie zur Mathematik: Ohne selber einen Beweis geführt zu haben, ist ein vertieftes Verständnis für das Wesen der Mathematik nicht möglich. Genauso verhält es sich in der Informatik: Wer selber nie ein Programm entworfen und implementiert hat, wird nie über die Sicht des reinen Anwenders von Programmen hinauskommen. Im allgemeinbildenden Unterricht kann es dabei aber nicht darum gehen, in einer professionellen Programmiersprache wie C oder Java Programme zu schreiben.
Für die Ausbildung genügen einfache Programmiermodelle, frei vom Ballast komplexer Programmiersprachen. Genau hier setzt die Idee von Jürg Nievergelt und seinem Team an: Kara basiert auf dem Konzept endlicher Automaten, ist alltagsnah und trotzdem ein theoretisch fundiertes und mächtiges Programmiermodell. Verschiedene Programmierumgebungen (Kara, MultiKara, TuringKara, JavaKara) eröffnen spielerische Zugänge zu grundlegenden Programmierkonzepten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad für allgemeinbildende Schulen bis hin zu Diplomstudiengängen in der Informatik.
Die Entwicklung von Kara begann vor vier Jahren mit einer Diplomarbeit von Raimond Reichert unter der Leitung von Prof. Jürg Nievergelt und Dr. Werner Hartmann. Heute dient der Marienkäfer als Einstieg ins Programmieren an vielen Schulen, von der Sekundarstufe bis hin zu Fachhochschulen. Fundiertes Verständnis der Theorie, langjährige Erfahrung in Didaktik und technisches Know How haben zum Erfolg der Lernumgebung geführt. Das Projekt zeigt, dass gerade die ETH Zürich prädestiniert ist für die Entwicklung guter, interaktiver Lernsoftware.

