Stereotypen unter Beschuss und mittendrin die Schule
Von Thérèse Moreau, Schriststellerin, Beraterin der Agence gouvernementale de la francophonie
| Im Januar 2002 haben sich die Schüler der Ecole d'ingénieurs du Canton de Neuchâtel de Locle (EICH-HES) einen Witz erlaubt, indem sie der Verwaltung eine "ironische Botschaft" schickten, nachdem diese in Betracht gezogen hatten, die Klassen auch für Mädchen zu öffnen. |
Die Studenten hatten einen Hühnerhof gebaut mit Stroh, Körnern und einigen Hühnern. Auf dem Zaun hatten sie ein Schild angebracht mit der Aufschrift: "Ihr wollt eine Klasse mit Hühnern (Mädchen) - hier habt ihr sie."
Sie fragen sich, was ein solcher Studentenspass wohl mit Stereotypen in Schulbüchern zu tun hat? Wenn sich Studenten eine solche Grobheit erlauben können, dann kommt das daher, dass die Bildungswelt ihnen beigebracht hat, dass sie darin als Herren auftreten können, besonders in den wissenschaftlichen Fächern, und dass die Schule und ihre Lehrpersonen nicht die gleiche Enegie aufbringen, um Sexismus zu unterdrücken, wie sie es tun, um Rassismus zu unterbinden. Ich versuche mir nur vorzustellen, was der gleiche "Spass" gegenüber einer ethnischen Minderheit bewirkt hätte.
Trotz der verschiedenen Schweizer Initiativen, trotz Artikel 10 der Internationalen Konvention gegen jegliche Form der Diskriminierung von Frauen, glaubt die Schule immer noch, dass es ein Frauen- und ein Männerschicksal gibt. Sites wie "Takatrouver" können in aller Seelenruhe Falschinformationen verbreiten, weil sie Lehrerinnen und Lehrern nach wie vor empfohlen werden. Auf die Rage "Warum spielen Mädchen mit Puppen?" lautet die Antwort beispielsweise: "Kinder wollen Erwachsene nachahmen. Daher spielen Buben Krieg und Mädchen mit Puppen. Mädchen lieben ihre Puppen und pflegen sie wie ein Baby. Sie streicheln sie oder schimpfen mit ihnen - sie sind schon richtige kleine Mütter". Und nun der Kommentar: "Die Puppe ist das Kind des Kindes. Ein unbewusster und völlig natürlicher Instinkt lässt kleine Mädchen sich unbewusst auf ihre Rolle als Mutter vorbereiten, indem sie mit Puppen spielen." Ist es vorstellbar dass man eine Frage stellt wie: "Warum sind Afrikanerinnen und Afrikaner arm?" mit einer Antwort wie: Es liegt in ihren Genen, nicht arbeiten zu wollen und lieber in der Sonne zu faulenzen, zu tanzen etc.? Und wenn wir unseren Kindern beibringen, dass Mädchen für die Mutterschaft gemacht sind und Buben Geld verdienen müssen, gute Soldaten werden sollen - müssen wir uns da noch wundern, dass Mädchen sich technischen Berufen verschliessen, oder sie ihnen verschlossen werden?
Trotz der verschiedenen Schweizer Initiativen, trotz Artikel 10 der Internationalen Konvention gegen jegliche Form der Diskriminierung von Frauen, glaubt die Schule immer noch, dass es ein Frauen- und ein Männerschicksal gibt. Sites wie "Takatrouver" können in aller Seelenruhe Falschinformationen verbreiten, weil sie Lehrerinnen und Lehrern nach wie vor empfohlen werden. Auf die Rage "Warum spielen Mädchen mit Puppen?" lautet die Antwort beispielsweise: "Kinder wollen Erwachsene nachahmen. Daher spielen Buben Krieg und Mädchen mit Puppen. Mädchen lieben ihre Puppen und pflegen sie wie ein Baby. Sie streicheln sie oder schimpfen mit ihnen - sie sind schon richtige kleine Mütter". Und nun der Kommentar: "Die Puppe ist das Kind des Kindes. Ein unbewusster und völlig natürlicher Instinkt lässt kleine Mädchen sich unbewusst auf ihre Rolle als Mutter vorbereiten, indem sie mit Puppen spielen." Ist es vorstellbar dass man eine Frage stellt wie: "Warum sind Afrikanerinnen und Afrikaner arm?" mit einer Antwort wie: Es liegt in ihren Genen, nicht arbeiten zu wollen und lieber in der Sonne zu faulenzen, zu tanzen etc.? Und wenn wir unseren Kindern beibringen, dass Mädchen für die Mutterschaft gemacht sind und Buben Geld verdienen müssen, gute Soldaten werden sollen - müssen wir uns da noch wundern, dass Mädchen sich technischen Berufen verschliessen, oder sie ihnen verschlossen werden?
Trotz einer merklichen Verbesserung unterstützen Schulbücher auch heute noch weibliche und männliche Stereotypen. Frauen sind immer noch in der Minderheit in Schuldokumenten - und das trotz der zunehmenden Zahl an weiblichen Lehrpersonen und der Zahlengleichheit der Schülerinnen und Schüler. In diesem Sinne zeigen auch die beiden Studien der EU-Organisation "Du côté des filles", dass 53% der Erwähnungen maskulin sind, während nur 34% der Gesamterwähnungen weiblich ist - den Rest stellen Tiere. Dazu kommt, dass Tiere ja nicht sächlich sind: Der Bär, der Elephant, der Hund tragen oft männliche Kleidung und symbolisieren Stärke, Gerissenheit und Selbstsicherheit, während das weibliche Pendant sich in Form von Mama Känguruh, Katze und Maus wiederfindet mit ihren Kleinen im Arm oder einer Küchenschürze vor dem Bauch. Ebenso bleiben die Berufe traditionell und die Teilung der Hausarbeit sieht nicht anders aus - sie war und ist die Aufgabe der Frau. In den Heften und sogar auf den Hauswänden der Schulen bleiben Boule und Bill die Vorbilder, selbst wenn der Sexismus dieser Comics nicht mehr mit anzusehen ist. Natürlich findet man auch jede Menge Piraten, die Mathematikaufgaben erklären - womit sie die Mädchen ganz einfach von einer Identifizierung mit dieser Disziplin ausschliessen, von der man sich in den Kopf gesetzt hat, dass sie männlich ist. Und wenn die Mädchen in der Überzahl sind, reden die Arbeitsblätter von "Calculoto" oder "zwei ist gut, drei ist gewonnen"... wobei man einen Buben sieht, der mit grossen Steinen auf drei weibliche Zielscheiben schiesst.
Naturwissenschaften sind also eine reservierte Domäne und der Verleger Magnard kann ein medizinisches Lehrbuch herausgeben, wo die Weisskittel automatisch männlich sind und die einzige Frau, die darin vorkommt, eine Gebärende im Ultraschall ist. François und Claude Lelièvre haben die gleiche Abwesenheit oder Karikaturen von Frauen in Geschichtsbüchern festgestellt. Grausam, verräterisch, intrigant, perfide, unfähig, schuldig: so werden Frauen mit Einfluss dargestellt, während die Gemeinde der normalsterblichen Frauen als weinerlich, kokett, frivol und hysterisch dargestellt wird.
Hat sich also nichts geändert? Glücklicherweise doch. Heute sind es immerhin 12% der Schulbuchverleger, die die Aufforderung zur Gleichberechtigung respektieren und die Übungsblätter entziehen sich der Kenntnis, da sie grösstenteils selbst gemacht werden. Man kann sich allerdings vorstellen, dass der Prozentsatz an Gleichberechtigung respektierenden Blättern mindestens ebenso hoch ist wie bei den Schulbüchern. Oft liegt es auch an einem Mangel neuer Vorbilder, dass die alten Modelle wiederholt werden. Profitieren können Lehrerinnen und Lehrer von den Werken Josée Lartet-Gaffards, der Arbeitsblätter zum Verhältnis Mädchen-Buben vorschlägt, über die Rollen, die ihnen scheinbar zugeordnet sind.
| Association du côté des filles Die europäische Association du côté des filles wurde 1994 ins Leben gerufen mit dem Ziel, ein Programm zur Eliminierung des Sexismus in Schulmaterialien zusammenzustellen, anti-sexistische Darstellungen zu fördern, Aufklärungsmaterial für Verlage, Autoren, Eltern und öffentliche Stellen zu produzieren oder zu verbreiten. |
