Unterrichten - Frauenberuf oder verweiblichtes Berufsbild?
Von Danièle Périsset Bagnoud, Vizedirektorin der Pädagogischen Hochschule Wallis (HEP-VS) und Isabelle Darbellay, Gleichstellungsbüro.
| Unterrichten ist heute ein sehr verweiblichter Bereich geworden, besonders für jüngere Kinder: das trifft mehr und mehr zu, ebenso wie die Tatsache, dass Frauen aus dem Unterrichtsbild verschwinden, wenn es um den Unterricht in höheren Klassen geht. |
IO\ ?T?atten Frauen dank dieser traditionellen Rollenverteilung, die den Frauen das Unterrichten der Kinder zugesteht, Zugang zur Arbeitswelt. Heute sieht die Rollenverteilung immer noch gleich aus und die Gesellschaft wiederholt diese Rollenverteilung.
In dem Masse, in dem sich die Organisation des Bildungswesens entwickelt, beschleunigt sich die soziologische Realität der Feminisierung des Lehrkörpers. Die Bildungswelt untersteht den gleichen Regeln wie die übrige Welt - im Gegenteil, sie reflektiert sie ganz intensiv und der Beruf der Lehrerin ist eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden. Eine Untersuchung der Walliser Statistiken - herausgegeben vom DECS (Crettenand, 2000/2001) - hilft uns, die Rolle von Mann und Frau im Bildungswesen zu verstehen. Diese Analyse erlaubt uns gleichzeitig, einige Werte hervorzuheben, die unsere Gesellschaft durch das Erziehungswesen einer ganzen Bevölkerung immer weitergibt.
Die traditionelle Verteilung der sozialen Rollen bewahrheitet sich. Je jünger die Kinder, desto mehr Frauen in der Erziehung. So ist beispielsweise im gesamten Wallis der Lehrkörper für Kindergartenkinder weiblich. Auf der anderen Seite beträgt der gesamtschweizerische Anteil an Frauen als Universitätsprofessorinnen weniger als 10%. Kleine Kinder werden Frauen anvertraut. Dies ist aber nicht mehr der Fall, wenn diese Kinder grösser werden.
Ein weiteres Beispiel, das früher gerne zum Beweis für die Ungleichverteilung weiblicher und männlicher Gehälter hergenommen wurde: Gehälter von Frauen scheinen nach wie vor ein Zusatzgehalt zu sein - es sei denn, alleinstehende Frauen hätten wesentlich bescheidenere finanzielle Bedürfnisse als ihre männlichen Kollegen unter gleichen Vorzeichen. Viel wahrscheinlicher ist es dagegen, dass Frauen einen niedrigeren Lohn akzeptieren um mehr sozusagen "freie" Zeit zu haben, in der sie unbezahlte Hausarbeit leisten können, die sie immer noch zu rund 80% als ihre Aufgabe betrachten.
Ein weiteres Beispiel, das früher gerne zum Beweis für die Ungleichverteilung weiblicher und männlicher Gehälter hergenommen wurde: Gehälter von Frauen scheinen nach wie vor ein Zusatzgehalt zu sein - es sei denn, alleinstehende Frauen hätten wesentlich bescheidenere finanzielle Bedürfnisse als ihre männlichen Kollegen unter gleichen Vorzeichen. Viel wahrscheinlicher ist es dagegen, dass Frauen einen niedrigeren Lohn akzeptieren um mehr sozusagen "freie" Zeit zu haben, in der sie unbezahlte Hausarbeit leisten können, die sie immer noch zu rund 80% als ihre Aufgabe betrachten.
In der obligatorischen Schulbildung variieren die durchschnittlichen Beschäftigungsgrade zwischen 54 und 69% bei Frauen und zwischen 82 und 94% bei Männern. Der Unterschied ist bezeichnend: Frauen suchen und akzeptieren immer mehr Teilzeitarbeit. Dabei muss gesagt werden, dass diese Beschäftigungsgrade auf Vorschulstufe auf über 75% ansteigt, wo man zwar kürzere Arbeitszeiten, aber auch kleinere Gehälter in Kauf nehmen muss.
Im Wallis haben wir gesagt, haben die Vorschullehrerinnen das Monopol in ihrem Bereich. Auf Primarschulstufe haben die Lehrer - deren Zahl bis Ende der 70er Jahre künstlich hoch gehalten wurde, indem die Posten ausschliesslich für männliche Bewerber reserviert waren, ohne Berücksichtigung ihrer Qualifikation - inzwischen nur noch 40 bis 44% der Posten in der Region inne. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, ohne soziale Steuerung der Postenverteilung, wird sich dieses Gleichgewicht noch einige Jahre halten und dann zu Gunsten der weiblichen Bewerber ausfallen. Damit wäre dann der Beruf des Primarlehrers völlig übergegangen in den Beruf der Primarlehrerin.
Im Wallis haben wir gesagt, haben die Vorschullehrerinnen das Monopol in ihrem Bereich. Auf Primarschulstufe haben die Lehrer - deren Zahl bis Ende der 70er Jahre künstlich hoch gehalten wurde, indem die Posten ausschliesslich für männliche Bewerber reserviert waren, ohne Berücksichtigung ihrer Qualifikation - inzwischen nur noch 40 bis 44% der Posten in der Region inne. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, ohne soziale Steuerung der Postenverteilung, wird sich dieses Gleichgewicht noch einige Jahre halten und dann zu Gunsten der weiblichen Bewerber ausfallen. Damit wäre dann der Beruf des Primarlehrers völlig übergegangen in den Beruf der Primarlehrerin.
Auf Primarschulebene ist die Situation genau umgekehrt. Die männlichen Lehrer repräsentieren zwischen 63,5 und 85% des Lehrkörpers. Im Wallis kreuzen sich auf diesem Niveau die Unterschiede zwischen dem deutschschweizer und dem welschen Teil. Im deutschschweizer Teil des Wallis besetzen 74% Männer die Vollzeitposten der Sekundarstufe I, gegen 64% bei ihren welschen Kollegen. In der Sekundarstufe II ist dieser Unterschied noch grösser: 85 gegen 63,5%. Auf Sekundarschulniveau sind die welschen Lehrerinnen somit besser vertreten als ihre deutsch-walliser Kolleginnen. Im welschen Teil des Wallis sind Lehrerinnen in der Sekundarstufe II sogar etwas besser vertreten als in der Sekundarstufe I, während sich diese Situation im deutschschweizer Teil um noch einmal 10 Punkte verringert. Frauen sind hier in der Sekundarstufe II besonders unterrepräsentiert mit nicht einmal 15% der Posten: Walliserinnen sind selten im Unterricht der Sekundarstufe II und wenn, dann nur mit niedrigen Beschäftigungsgraden.
Die soziale Regel, die besagt, dass Lehrerinnen mit steigenden Unterrichtsstufen seltener werden, wird also im welchen Teil des Wallis bestätigt und im deutschschweizer Teil sogar noch übertroffen.
Die soziale Regel, die besagt, dass Lehrerinnen mit steigenden Unterrichtsstufen seltener werden, wird also im welchen Teil des Wallis bestätigt und im deutschschweizer Teil sogar noch übertroffen.
Sehr landwirtschaftlich, mit traditionellen Familienwerten, findet man das deutschschweizer Wallis in diesen Zahlen wieder. Vor einigen Jahren hat die Region die Mutterschaftsversicherung abgelehnt. Vor einem Jahr lehnte sie auch die kantonale Erhöhung der Familienwohnungen ab. Parallel dazu und für das gesamte Wallis werden die doppelten Gehälter des Service public regelmässig beim Parlament oder der Öffentlichkeit angeprangert. Nachdem sich Paare hauptsächlich bei der Arbeit kennen lernen und Kollegenehen daher an der Tagesordnung sind, ist der Druck gross, auf ein zweites Gehalt zu verzichten. Für die grosse Mehrheit bedeutet das, dass die Frau auf ihre berufliche Karriere verzichtet.
Wenn die Unterrepräsentation der Frauen, hauptsächlich im Sekundarstufenbereich, den welschen Teil des Wallis weniger berührt, stellt man hier doch weniger berufliches Engagement bei Frauen fest - Frauen mit Universitätsabschluss eingeschlossen. Es sieht fast so aus, als ob Frauen nach ihrem Universitätsabschluss und nachdem sie in ihren Kanton zurückgekehrt sind und geheiratet haben, eine gewisse Scheu hätten, mehr als Teilzeit zu arbeiten und als ob sie - bewusst oder unbewusst - es vorziehen würden, sich um Heim und Herd zu kümmern, trotz ihrer Ausbildung.
Wenn die Unterrepräsentation der Frauen, hauptsächlich im Sekundarstufenbereich, den welschen Teil des Wallis weniger berührt, stellt man hier doch weniger berufliches Engagement bei Frauen fest - Frauen mit Universitätsabschluss eingeschlossen. Es sieht fast so aus, als ob Frauen nach ihrem Universitätsabschluss und nachdem sie in ihren Kanton zurückgekehrt sind und geheiratet haben, eine gewisse Scheu hätten, mehr als Teilzeit zu arbeiten und als ob sie - bewusst oder unbewusst - es vorziehen würden, sich um Heim und Herd zu kümmern, trotz ihrer Ausbildung.
Im dritten Jahrtausend ist es immer noch so, dass die Stellung der Frau in der Bildung sehr eng mit ihrer Stellung in der Gesellschaft verknüpft ist. Aus diesem Grunde sollten wir uns ernsthaft befragen zum Thema Qualität und Quantität der Integration der Frau in unserer Gesellschaft im allgemeinen. Gerade an diesem Punkt spielt die Erziehung eine grosse Rolle, den die Schule reflektiert nicht nur unsere Gesellschaft und ihre Organisation, sondern sie trägt auch entscheidend zu ihrem Aufbau bei.
