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Schweizerische Coiffeurfachlehrer-Vereinigung
 
"Eine grosse Herausforderung wird es sein, Lehrpersonen auszubilden, die eine Beruflehre abgeschlossen haben. Im Moment sieht es eher danach aus, dass bald nur noch fachfremde Personen, die eine Matur oder sonst ein Studium abgeschlossen haben, an der Berufsschule unterrichten können."
Judith Staub, Vorstandsmitglied Schweizerische Coiffeurfachlehrer-Vereinigung
 
In der Schweizerischen Coiffeurfachlehrer-Vereinigung SCFV sind Lehrpersonen aus dem Berufsfeld Körperpflege tätig. Judith Staub ist Vorstandsmitglied und Fachlehrerin an der Berufsfachschule Nidwalden. Sie äussert sich über die Ziele, Aktivitäten und Sorgen eines Lehrerverbandes in der Berufsbildung.
 
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
In meiner Familie wurde klar zum Ausdruck gebracht, dass jedes Kind einen Beruf erlernen muss, den es frei wählen darf. Für mich war zu dieser Zeit, eine andere Möglichkeit von Ausbildung nach der obligatorischen Schulzeit, keine Frage. Ich erlernte den Beruf Damen- und Herren-Coiffeuse in 4 Jahren (heute Coiffeuse 3 Jahre). Später wechselte ich auf die KV Berufstätigkeit, wo ich auch noch eine Lehre absolvierte. Der nahe Kundenkontakt und das kreative Arbeiten, zog mich wieder zurück zum Coiffeurberuf, wo ich später als Eidg. Dipl. Coiffeuse abschloss und mich mit der Matur zur Fachlehrperson am EHB ausbilden liess. Heute arbeite ich an der Berufsfachschule Nidwalden in Stans und unterrichte Fachkunde bei den Coiffeusen und Grundlagen Chemie bei den Autoberufen.
 
Welche Aufgabe hat eine Vereinigung für Fachlehrpersonen?
 
ListenpunktAktivmitglieder sind Personen die einen Lehrauftrag haben oder in absehbarer Zeit einen Lehrauftrag erhalten oder als Stellvertreter unterrichten.
ListenpunktWir wollen in Zusammenarbeit mit coiffureSUISSE (Verband Schweizer Coiffeurgeschäfte) und anderen Berufsverbänden die Entwicklung der Aus- und Weiterbildung mitgestalten.
ListenpunktWir arbeiten beim Aufbau der auf die Schweiz abgestimmten Lehrpläne aktiv mit.
ListenpunktWir entwickeln auf schweizerische Verhältnisse angepasste Lehrmittel für Coiffeurberufe.
ListenpunktWir informieren unsere Mitglieder über Neuerungen in der schulischen Ausbildung des Lehrlings.
ListenpunktWir bieten Weiterbildungskurse mit Top-Referenten.
ListenpunktÜber unsere Websites können Mitglieder des SCFV auch Unterrichtsmaterialien in Form von Arbeitsblättern beziehen.
ListenpunktWir bieten interessierten Mitgliedern auch die Möglichkeit, aktiv mitarbeiten zu können, bei Neuerungen der LAP und der Neugestaltung von Lehrmitteln.
 
Bitte beschreiben Sie eine durchschnittliche Berufslernende im Coiffeurberuf.
Es sind Lernende, vorwiegend weibliche Personen vom 10. Schuljahr, Realschule und Sekundarschule. Sie sind offen gegenüber den Menschen und haben eine gute Umgangsform. Bei den eher stark kommunikativen jungen Frauen, muss darauf geachtet werden, dass im Unterricht ruhig gearbeitet wird. Das lange Sitzen in der Berufsschule macht den jungen Frauen oft Mühe. Die häufigsten Defizite liegen in der Mathematik und im Deutsch. Obwohl die Anforderungen nicht sehr hoch sind, haben die Lernenden oft Mühe, Texte zu verstehen und umzusetzen. Unser Beruf ist mit der neuen Bildungsverordnung auf drei Lehrjahre begrenzt. Das Zusatz-Lehrjahr fällt weg. Daher gibt es keine Damencoiffeuse oder Herrencoiffeuse mehr. In den drei Lehrjahren werden beide Berufe zusammen ausgebildet. Neu wird der Schwerpunkt vermehrt auf die Kundenberatung, Verkaufsberatung gelegt. Mit dem neuen Qualifikationsverfahren werden die berufskundlichen Fächer mehrheitlich wieder schriftlich geprüft. Für die "schwächeren" Lernenden mit Deutschproblemen ist dies sicher nicht vorteilhaft. Die Überbetrieblichen Kurse werden auf die 3 Lehrjahre verteilt, die Berufsschulnoten zählen zum Qualifikationsverfahren.
 
Die Schweizerische Coiffeurfachlehrer-Vereinigung gibt Lehrmittel heraus. Welche Anliegen verfolgen Sie damit?
Die SCFV erstellt Lehrmittel, welche den schweizerischen Verhältnissen angepasst sind und auf die Bildungsverordnung (BiVo) abgestimmt wurden. Mit einheitlichen Lehrmitteln sollen alle Lernenden in der Schweiz die gleichen Berufskenntnisse erwerben können.
Die SCFV finanziert die Lehrmittel selbst, wobei verschiedene Firmen unterstützend mithelfen. Aus dem Erlös werden Kurse und Schulungen für Lehrpersonen organisiert. Der grösste Anteil wird jedoch für neue Lehrmittel angelegt. Der Verkauf aller Lehrmittel wird über coiffureSUISSE getätigt, da der Verband über die geeignete Infrastruktur verfügt. Zurzeit wird das bestehende Handbuch überarbeitet und der neuen BiVo angepasst. Das Fachlehrmittel wird im Jahr 2010 herauskommen. Eine Schwierigkeit beim Erarbeiten von neuen Lehrmitteln liegt darin, dass es nicht einfach ist, Lehrpersonen zu finden, die sich als Autorinnen und Autoren neben ihrer Berufstätigkeit als Lehrperson zur Verfügung stellen.
 
Wie organisieren Sie die Weiterbildung der Mitglieder?
Der Vorstand der SCFV organisiert die Weiterbildungskurse anhand der Wünsche und Bedürfnisse der Mitglieder. Die Schwerpunkte liegen bei Themen welche mit dem Bildungsplan im Zusammenhang stehen. Dank der guten  Zusammenarbeit der SCFV mit den  verschiedenen Firmen (l'Oreal, Schwarzkopf, Goldwell, Alcina u.v.a.) werden wir immer wieder zu Events und Kursen eingeladen und werden über neue Produkte und Trends informiert. Die Modetrends in der Coiffeurbranche sind stets im Wandel. Die Trends werden von bekannten Grössen aus England, Deutschland und Frankreich jeweils zweimal im Jahr herausgegeben.
 
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung? Wird im Jahr 2050 noch die Mehrheit der Jugendlichen eine Berufslehre machen?
Eine grosse Herausforderung wird es sein, Lehrpersonen auszubilden, die eine Beruflehre abgeschlossen haben. Im Moment sieht es eher danach aus, dass bald nur noch fachfremde Personen, die eine Matur oder sonst ein Studium abgeschlossen haben, an der Berufsschule unterrichten können. Der Beruf der Coiffeuse wird auch in Zukunft in einer Berufslehre erlernt werden. Damit Theorie und Praxis nicht aneinander vorbei gehen, braucht es Lehrpersonen, die aus dem Fachbereich kommen. Ich denke, dass weiterhin viele Jugendliche in eine Berufslehre einsteigen, obwohl der Trend zurzeit in eine andere Richtung zeigt.
22.11.2008

Kontakt
E-Mail Judith Staub: judith.staub@scfv.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch
E-Mail: g.zahno@red.educa.ch
 
Weiterführende Informationen
 
Externer Linkwww.scfv.ch
 
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