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Zufrieden am Arbeitsplatz?
 
"Wir Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer werden uns weiterhin mit dem Dachverband BCH|FPS um die einzelnen Reformen kümmern, weil wir direkt Einfluss nehmen wollen und nicht bloss über Reformprojekte informiert zu werden."
Beat Wenger, Präsident BCH|FPS
 
Berufsbildung Schweiz BCH|FPS ist die Dachorganisation für alle Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrern der Schweiz. Entsprechend dem neuen Berufsbildungsgesetz gehören dazu nebst all den gewerblichen, industriellen und kaufmännischen Berufen neu auch die Bereiche Gesundheit, Soziales, Landwirtschaft und Kunst. Im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsansatzes setzt sich der BCH|FPS tatkräftig für die Interessen Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrern ein.
Im Dezember 2007 führte der BCH|FPS eine Umfrage zur Arbeitspatzzufriedenheit unter Berufsfachschullehrerinnen und -lehrern durch. Das Ziel war festzustellen, wie sie mit den aktuellen Reform- und Innovationsprozessen in der Schweizerischen Berufsbildung zurecht kommen. Eine erste Auswertung der Ergebnisse liegt seit kurzem vor.
 
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Meine Berufsfindung war stark geprägt von der Idee oder der Vision, einmal ein Fach von Grund auf zu erlernen, um es später in der Meisterschaft ausüben zu können. Den Entschluss, zu Beginn meiner beruflichen Entwicklung eine Berufslehre zu absolvieren, habe ich nie bereut.
 
Seit Anfang 2008 präsentiert sich der BCH|FPS neu: Die Geschäftsleitung ist neu besetzt, die Geschäftsstelle ist umgezogen, das Folio hat einen neuen Redaktor und ein Redesign erfahren, die Website wurde neu gestaltet, ein Newsletter wird angeboten. Welche Ziele werden mit diesem - von aussen gesehen: umfassenden - "Relaunch" des BCH|FPS angestrebt?
Neu entstandene Anforderungen an Berufsleute waren die Triebkräfte der Novellierung des Berufsbildungsgesetztes, insbesondere: neue Kommunikations- und Informationstechnologien; Schaffung neuer Berufe und Berufsfelder; neue Formen des Lernens; Übergang zu lebenslangem Lernen. In einer solchen Zeit der Neugestaltung der Berufsbildung reicht es nicht mehr aus, den Dachverband Berufsbildung Schweiz BCH|FPS "einfach so zu führen", sondern muss im Rahmen der Entwicklung der Berufsbildung in vielen verschiedenen Themengebieten Entwicklungen beurteilen, Konzepte erstellen und generell auf Neuerungen reagieren - und mit der Basis eng zusammenarbeiten. Der Dachverband Berufsbildung Schweiz BCH|FPS hat sich mit diesen Herausforderungen intensiv auseinandergesetzt und die Verbandsstrukturen entsprechend angepasst. So lancierte der BCH|FPS vom Dezember 07 bis Januar 08 eine Mitgliederbefragung, mit dem Ziel, festzustellen, wie Berufsfachschullehrerinnen und -lehrer mit den aktuellen Reform- und Innovationsprozessen in der Schweizerischen Berufsbildung zurecht kommen.
 
In der Umfrage zur Arbeitsplatzzufriedenheit gaben zwei Drittel der 1000 Berufsfachschullehrerinnen und -lehrer, die teilgenommen haben, an, mit den konkreten Unterrichtsbedingungen wie der Infrastruktur, dem Klima unter den Lernenden und den Kolleginnen und Kollegen sowie den Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden zu sein. Wo sehen Sie den Beitrag des BCH|FPS hierzu?
Dass in Zeiten von Restrukturierungen und Neuausrichtungen generell die Erwartungen hoch gesteckt sind, ist natürlich. Die Kolleginnen und Kollegen an Berufsfachschulen machen da keine Ausnahme: Sie möchten, dass der BCH|FPS flexibel handelt, die Mitgliederstruktur transparent gestaltet und der Einfluss auf die Bildungspolitik auf kantonaler und auf Bundesebene verstärkt. Mit einem Satz: Der BCH|FPS ist ständig herausgefordert, seine Mitglieder in der Bewältigung der Bildungsfragen tatkräftig zu unterstützen. Die Ergebnisse aus der Umfrage geben uns eine präzise Orientierung
 
Die Zufriedenheit der Berufsfachschullehrerinnen und -lehrer nimmt ab, je weiter man sich vom Kernbereich des Unterrichtens entfernt: Beginnend beim Lohn über die Bemessung des Pflichtpensums, die Möglichkeiten zur Mitsprache und die Zusammenarbeit mit Behörden steigt die Unzufriedenheit kontinuierlich bis zur Entlastung für übergeordnete Aufgaben, mit der nur noch ein Drittel zufrieden und ein Viertel unzufrieden ist. Welche Massnahmen drängen sich aus der Sicht des BCH|FPS auf?
Die Umfrage ist nun in einer ersten Phase ausgewertet und es besteht ein genügender Überblick, um das Ganze handlungsorientiert anzugehen, respektive den Massnahmenkatalog zu verfeinern.
Einige Bereiche, in denen voraussichtlich Massnahmen ergriffen werden sollen:
 
ListenpunktEntlastung für übergeordnete Aufgaben auf allen Ebenen (Schule, Kanton, Verbandsarbeit, BBT/EDK), allgemeine Massnahmen gegen Überlastung
ListenpunktFehlende Unterstützungsangebote für Lehrkräfte
ListenpunktZusammenarbeit mit Behörden
ListenpunktMitsprachemöglichkeiten allgemein
ListenpunktMitsprachemöglichkeiten bei Gesetzesanpassungen
ListenpunktAus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
 
Inhalte, die der Basis der Lehrpersonen wichtig sind:
 
ListenpunktBerufsmatura
ListenpunktNahtstelle
ListenpunktDurchlässigkeit
ListenpunktStärkung EBA
ListenpunktNiveaufragen in der Ausbildung
ListenpunktLehrstellenangebot
ListenpunktLehrabbrüche
 
Ein zusammenfassender Eindruck aus der Umfrage ist, dass die unterschiedlichen Aspekte des Berufs nicht unterschiedlich gewertet werden können: Das Engagement für den Unterricht lässt sich aufgrund des beruflichen Selbstverständnisses nicht reduzieren, während die laufenden Reformprozesse in der Berufsbildung nach Mitgestaltung verlangen, die man wahrnehmen will, weil sie ja den Unterricht betreffen (werden). Wie schätzen Sie bzw. der BCH|FPS diese Situation des "Alles ist wichtig - und alles wird immer wichtiger" ein?
Die Wirtschafts- und Arbeitswelt befindet sich bekanntlich in einem permanenten Wandel. Diesen Veränderungen kann sich auch der Aus- und Weiterbildungsbereich nicht entziehen, wenn er nicht Gefahr laufen will, mit seinen Angeboten der Nachfrage nicht mehr zu genügen. Wir Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer werden uns weiterhin mit dem Dachverband BCH|FPS um die einzelnen Reformen kümmern, und zwar so, wie das andere Aktoren der Berufsbildung ebenfalls tun, weil wir direkt Einfluss nehmen wollen und nicht bloss über Reformprojekte informiert zu werden.
 
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das schweizerische System der Berufsbildung? Wird im Jahr 2050 noch die Mehrheit der Jugendlichen eine Berufslehre machen?
Zu Ihrer Frage kommt mir spontan der Kopenhagen-Brüggeprozess in den Sinn, der massgebend auch unser Berufsbildungssystem betrifft. Dieser Prozess wurde ja auf der Grundlage einer Resolution eingeleitet, die im Jahre 2000 im Rahmen der ersten Lissabon-Agenda beschlossen wurde. Ziel der Lissabon-Agenda ist notabene: Europa bis ins Jahr 2010 zum dynamischsten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu entwickeln. Der Kopenhagen-Prozess soll eine der tragenden Säulen dieser Strategie sein, welche Humankapital und Bildung in den Mittelpunkt stellt: So etwa die Förderung der internationalen Mobilität und Zusammenarbeit sowie der Qualitätssicherung. Ausserdem wurde die Thematik des lebenslangen Lernens aufgeworfen, welche im März 2000 von der EU-Kommission aufgenommen wurde und schliesslich den Anstoss zur Konferenz der Generaldirektoren für berufliche Bildung in Brügge im Oktober 2001 gab. Dort kam man zum Schluss, dass zur Umsetzung des lebenslangen Lernens auch für den Bereich Berufsbildung ein Kooperationsprozess - analog zu Bologna für die universitäre Bildung - nötig sei und einigte sich auf die Kernpunkte einer verstärkten Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund bin ich überzeugt, dass die Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz auch in Zukunft eine Berufslehre absolvieren wird. Die Weichenstellung wurde bereits mit der Novellierung unseres Berufsbildungsgesetzes im Jahre 2004 gestellt.
September 2008

Kontakt:
Beat Wenger, Präsident BCH|FPS
E-Mail via Website des BCH|FPS

Die Fragen stellte Karl Wimmer, Bereichsleiter Berufsbildung, educa.ch
E-Mail: k.wimmer@educa.ch
 
Weiterführende Informationen
 
Externer Linkwww.bch-fps.ch
 
Download
 
DownloadArbeitsplatzzufriedenheit? Ergebnisse der BCH|FPS-Umfrage
Das Interview mit Beat Wenger als pdf-Dokument.
32 KB / .pdf