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Landwirtschaftliche Berufsbildung
 
"Gewisse Grundkompetenzen der Betriebswirtschaft (u. a. Verständnis für das Kostendenken, Hofübernahme..) und des Marktes müssen bereits in der Grundbildung vermittelt werden."
Jakob Rösch, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung beim Schweizerischen Bauernverband
 
Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz sind nun auch die Berufe in der Landwirtschaft diesem Gesetz unterstellt. Deshalb wurden die Bildungsverodnungen der "grünen Berufe" revidiert und dem neuen Gesetz angepasst. Die neuen Bestimmungen werden auf den 1. Januar 2009 in Kraft gesetzt. Jabob Rösch ist gelernter Landwirt. Als Ingenieur Agronom ETH ist er beim Schweizerischen Bauernverband für den Geschäftsbereich Bildung verantwortlich.
 
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Nach meiner Schulzeit absolvierte ich die Berufslehre auf einem Landwirtschaftsbetrieb und an einer Landwirtschaftsschule in der Westschweiz. Als Jugendlicher faszinierte mich damals die Arbeit in der freien Natur, mit Tieren und natürlich mit der Landtechnik. Erst nach Abschluss der Grundbildung bereitete ich mich auf die Aufnahmeprüfung an die ETH und auf das Studium als Ingenieur Agronom vor.
 
Warum wurde im Berufsfeld Landwirtschaft eine neue Bildungsverordnung entwickelt?
Das Berufsfeld "Landwirtschaft und deren Berufe umfasst die folgenden 6 Berufe: Landwirtin/Landwirt, Gemüsegärtnerin/Gemüsegärtner, Geflügelfachleute, Obstfachleute, Winzerin/Winzer und Weintechnologin/Weintechnologe. Ausser beim Weintechnologen können die Lernenden auch im Schwerpunkt  Biolandbau abschliessen.
Diese Berufe waren früher im Landwirtschaftsgesetz geregelt. Mit der Inkraftsetzung des neuen Berufsbildungsgesetzes und der Unterstellung unter das BBT waren der rechtliche Rahmen und der Rhythmus der Reform vorgegeben. Diesen Reformweg, der grundsätzlich von allen Berufen durchlaufen werden muss, haben wir nun beschritten. Die neue Bildungsverordnung und der Bildungsplan werden ab 1.1.2009 Gültigkeit haben. Wir waren bestrebt, unter den neuen Vorgaben bewährte Elemente der bisherigen landw. Berufsbildung auch in der zukünftigen Grundbildung weiterführen zu können. Zwei Anliegen sind für uns zentral: Einerseits wollen wir den Lehrstellenwechsel - auch über die Sprachgrenzen hinweg - weiterführen. Wir beurteilen diese Errungenschaft als wesentliches Qualitätselement. Wir sind froh, dass wir in diesem Punkt von unseren Verbundpartnern immer unterstützt wurden. Andererseits müssen nach unserer Auffassung gewisse Grundkompetenzen der Betriebswirtschaft (u. a. Verständnis für das Kostendenken, Hofübernahme..) und des Marktes bereits in der Grundbildung vermittelt werden. Es gilt zu beachten, dass in der Landwirtschaft 80% der EFZ Absolventinnen und Absolventen später ihren eigenen Betrieb führen.
 
Die Berufe der Landwirtschaft werden nun neu auch unter dem Berufsbildungsgesetz geregelt. Was bedeutet dies für die traditionellen Partner in der bäuerlichen Bildung?
Die Neuerungen sind relativ tief greifend. Im bisherigen Reglement war die Umsetzung stark an die Berufsorganisationen und Schulen delegiert. In den meisten Kantonen war die landw. Berufsbildung Teil des Landwirtschaftsamtes und damit einer anderen als der Bildungsdirektion unterstellt. In mehr als der Hälfte hat die Unterstellung gewechselt. Damit verbunden sind veränderte Kompetenzen und auch ein Stück weit eine andere Kultur. Die Entwicklung entspricht weitgehend einer Angleichung an die gewerblichen und industriellen Berufe.
 
Traditionellerweise verbringen die Lehrlinge ihre Lehrzeit in mehreren Betrieben in verschiedenen Regionen - häufig sogar ein Jahr im Welschland. Ist dieses Modell weiterhin möglich?
Ja, der Lehrstellenwechsel ist auch in Zukunft möglich. Er wurde von der Berufsbasis immer wieder vehement gefordert. Die Landwirtschaft ist sehr vielseitig und die Betriebe spezialisieren sich. Der Lehrbetriebswechsel ist eine Massnahme, um über die Berufsbildung der ganzen Breite der Betriebe entsprechen zu können.
 
Wer bildet im Berufsfeld Landwirtschaft die Organisation der Arbeit (OdA)?
9 Berufsorganisationen sind Mitglied der OdA AgriAliForm:
 
Listenpunkt
Schweizerischer Bauernverband, SBV
Landwirtin/Landwirt, inkl. Schwerpunkt in Biolandbau
Listenpunkt
Association des groupements et organisations de l'agriculture, AGORA
Landwirtin/Landwirt, inkl. Schwerpunkt in Biolandbau
Listenpunkt
BioSuisse
Landwirtin/Landwirt, inkl. Schwerpunkt in Biolandbau
Listenpunkt
Schweizerischer Weinbauernverband, FSV
Winzerin/Winzer
Listenpunkt
Vereinigung Schweizer Weinhandel, ASCV
Weintechnologin/Weintechnologe
Listenpunkt
Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten, VSGP
Gemüsegärtnerin/Gemüsegärtner
Listenpunkt
Schweizerischer Obstverband, SOV
Obstfachleute
Listenpunkt
Aviforum
Geflügelfachleute
Listenpunkt
Schweizerischer Bäuerinnen und Landfrauenverband, SBLV
Bäuerin (Tertiärberuf)
 
Die OdA übernimmt die Aufgaben des Verbundpartners in der Entwicklung der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung. Sie pflegt einen intensiven Kontakt zu ihren
Mitgliedorganisationen und zu den kantonalen OdA's. Die Verantwortung für die Durchführung der ÜK liegt bei den OdA's. In vielen Kantonen werden die entsprechenden Zuständigkeiten an die landwirtschaftlichen Bildungszentren delegiert.
 
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung? Wird im Jahr 2050 noch die Mehrheit der Jugendlichen eine Berufslehre machen?
Die Positionierung der Berufsbildung innerhalb des schweizerischen Bildungssystems ist eine grosse Herausforderung. Die "Konkurrenz" zu den anderen Bildungsangeboten der Sekundarstufe 2, insbesondere diejenige der Mittelschulen, ist spürbar. Die Vorteile des dualen Systems müssen noch ausgebaut und vermehrt betont werden. Es ist erfreulich, dass heute auch in andere Länder die Stärken des dualen Systems erkennen. Wir sind froh, dass mit der Berufsmaturität und den Fachhochschulen zukunftsgerichtete Weiterbildungsangebote für Absolventinnen und Absolventen der Berufsbildung bestehen. Dieser Umstand trägt zur Steigerung der Attraktivität der Berufsbildung bei.

18.08.2008

Kontakt
E-Mail Jakob Rösch: jakob.roesch@sbv-bildung.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch
E-Mail: g.zahno@red.educa.ch
 
Weiterführende Informationen
 
Externer Linkwww.sbv-bildung
 
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Download... welche Bedeutung die Attestausbildung für die Landwirtschaft hat
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Download... wie ein typischer Werdegang in der Landwirtschaft verläuft
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