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Integration von ICT unter der Genderperspektive
von Michael Anderes
 
In den 1980er Jahren tauchten die ersten interaktiven Computer in der Schule auf. Als Mathematiklehrer war ich gleich fasziniert von den Möglichkeiten, die sich für die Schule ergaben. Es war eine technische Faszination, inspiriert vom wissenschaftlichem Denken, das ich in meinem Unterricht vermitteln wollte. In den 1990er Jahren tauchte dann das Internet auf, die Gegebenheiten veränderten sich grundlegend: der Computer war zum Publikumsmedium geworden.

Falsche Annahme
Dieses Potenzial für die Schule haben wir sehr wohl erkannt und bald einmal Weiterbildungskurse für unsere Kolleginnen und Kollegen organisiert. Wir gingen von der Prämisse aus, dass die Bedienung des Computers erlernt werden soll und die Lehrpersonen dank ihrer pädagogischen Ausbildung den Transfer in die Unterrichtspraxis selbst vornehmen würden. Diese Annahme hat sich als falsch herausgestellt. Wir haben unsere Faszination für Technik auf unsere Kolleginnen und Kollegen projiziert und nicht gemerkt, dass erstens nicht alle Menschen diese Faszination teilen und zweitens die Integration der ICT eine viel komplexere Angelegenheit ist als die blosse Bedienung des Computers und grundlegend in die Art und Weise eingreift, wie unterrichtet wird. Wir mussten also vom bisherigen Paradigma loskommen und ein neues Konzept entwerfen, das der gesamten Lehrerschaft gerecht wird.

Ein neues Konzept für die gesamte Lehrerschaft
Anfang 2000 erhielten wir dann Gelegenheit, mit dem Projekt fri-tic diese neuen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Wir mussten nun Personen ansprechen, welche die pädagogischen Überlegungen in den Vordergrund stellen und auf die Frage antworten "was bringt mir das für den Unterricht". Nun ist es sicher ein Cliché, den Frauen zu unterstellen, dass sie mit der Technik nichts am Hut haben und die Männer alle Technikfreaks sind. Tatsache ist aber, dass ich bei Frauen das Verständnis für den pädagogischen Ansatz viel schneller fand. Damit einher geht eine Arbeitsmethodik die eher lösungsorientiert und pragmatisch ist. Das Verfolgen einer langfristigen Strategie wird weniger durch die Faszination über die täglichen technischen Neuigkeiten gestört, wenn eben diese Neuigkeiten eher im Hintergrund präsent sind.

Frauenförderung auf allen Ebenen
Die Erkenntnis, dass wir im Projekt fri-tic die Frauen auf allen Ebenen fördern müssen, sowohl im Team der Fachstelle, als auch bei der Ausbildung der Lehrpersonen, entsprang also weniger aus einem Gleichstellungsgedanken heraus sondern aus der Einsicht, dass das Potenzial der gesamten Bevölkerungsgruppe zu nutzen ist. Nur so lässt sich ein globales Projekt , wie das Projekt fri-tic eines ist, erfolgreich zu Ende führen.

Autor
Michael Anderes ist Projektleiter fri-tic.