educaeducanet²educashopeducajobpisa2009.educa.cheducahelpeducatechstipendieneducaguides
educa.ch Logo
deutschfrançaisitalianorumantschenglishSitemap
Suchen
AktuellesUnterrichtLehrberufBildungssystemeBerufsbildungSonderpädagogik
Home > Unterricht > Thematische Dossiers > Gender und ICT > Die Integration von Gender in den Unterricht > 
Drucken
Interaktionen zwischen Lernenden, z.B. Gruppenarbeit
 
Die Beziehungen zwischen Frauen und Männern, zwischen Mädchen und Jungen sind nicht frei von dominierenden Haltungen. Während der gesamten Sozialisation - vor allem in der Schule - lehrt man Mädchen und Jungen, ihren Platz einzunehmen oder zu überlassen, das Wort zu ergreifen oder zu schweigen; dieses Lernen ist Teil eines "verborgenen Curriculums".
Auch hier ist wieder die Vokalität wichtig, um die Beziehung zwischen den Lernenden zu verstehen: Wer wird ernst genommen? Wer wird zitiert, wenn Äusserungen aufgenommen werden? Wer ist in der Diskussion unsichtbar?

Wie ist diese Beobachtungstabelle anzuwenden?
In der erweiterten Gruppe geht es darum, die Respektierung der Worte des anderen zu beobachten, zu zählen, wie häufig die Lernenden einander das Wort abschneiden, die Stimme erheben oder eine Äusserung ignorieren. Die Beobachtung erstreckt sich ebenfalls auf die Umstände, unter denen diese Ereignisse stattfinden: Wer schneidet wem das Wort ab? Wer erhebt die Stimme, um sich Gehör zu verschaffen? usw.

Gruppenverhalten
Wenn die Aktivitäten in Arbeitsgruppen stattfinden, geht es darum, einen Augenblick in einer gemischten Gruppe festzuhalten, um rasch zu beobachten, wer das Wort ergreift, wie die Arbeit organisiert ist (zählen, wer was tut), oder für eine tiefer greifende Beobachtung die Art der von den Lernenden erledigten Aufgaben im Detail zu erfassen. Die Analyse erstreckt sich nicht nur auf die Anzahl der Interaktionen, sondern auch auf ihre Besonderheiten. Sind die Männer und Frauen auf sehr unterschiedliche und oft ziemlich stereotype Aufgaben "abonniert" oder, im Gegenteil, sind die Rollen austauschbar? Achtung, wie im Fall der allgemeinen Beobachtung muss eine Gewichtung vorgenommen werden, wenn beide Geschlechter nicht gleichmässig in der Gruppe vertreten sind.
Die Analyse der Vokalität kann ergänzend durchgeführt werden. Wenn man den Eindruck hat, dass die mündlichen Interventionen ausgewogen sind, aber bei näherem Hinsehen feststellt, dass die Äusserungen gewisser Personen mehr oder weniger "unsichtbar" werden, während diejenigen anderer aufgegriffen, zitiert werden, kann man daraus schliessen, dass die Interventionen nicht die gleiche Bedeutung haben.

Was zeigen die Beobachtungen?
Bei den Beobachtungen von gemischten Arbeitsgruppen zeigt sich, dass die Arbeitsorganisation zwischen Frauen und Männern sich ziemlich deutlich unterscheidet. In der grossen Mehrheit der Fälle erledigten die Frauen die "Sekretariatsarbeiten", machten Notizen und änderten sie nach den Interventionen ihres männlichen Kollegen. Im Fall einer Beobachtung erfolgte die Gruppenarbeit am Computer: Hierbei haben wir eine Verlagerung der Aufgaben festgestellt, denn in diesem Fall waren es die Männer, welche die "Sekretariatsarbeiten" erledigten. Ist dies immer der Fall, wenn ein Computer benutzt wird?  Bedeutet dieser Umstand eine Veränderung der Aufgabenverteilung?
Wir haben festgestellt, dass die Aussagen, die mit einer Stimme gemacht werden, die am Satzende höher wird (wozu Frauen häufiger neigen), weniger berücksichtigt werden als die anderer Studierender. Daher werden ihre Äusserungen nicht so leicht behalten, man zitiert sie weniger und dies trägt zur "Unsichtbarmachung" ihres Denkens bei. Die Frauen neigen auch mehr dazu, Fragen zu stellen und die Zustimmung ihrer "Partner" zu suchen, während die Männer häufiger bejahender, bestimmter sind.
In der Mehrzahl der Fälle fungierten Männer als Berichterstatter, und dies insbesondere deswegen, weil die Frauen sich im Hintergrund hielten. Dies war noch stärker der Fall, wenn die Wiedergabe vor einer Webcam erfolgen sollte, vor die man nur gelangte, wenn man den Unterrichtsraum durchquerte.

Was sagt die Literatur dazu?
Die Verhaltensweisen werden während des gesamten Sozialisierungsprozesses vollkommen verinnerlicht, und zwar sowohl von den Frauen als auch von den Männern. Es geht nicht darum, die einen oder die anderen zu beschuldigen, es sind nicht die Männer, die zwangsläufig den Platz in der vordersten Reihe einnehmen, zahlreiche Frauen treten ihn ihnen ab und dies vor allem, sobald es darum geht, vor einer Versammlung zu sprechen.
Im Hinblick auf die Gruppenarbeiten heben die Studien eine stereotype Verteilung der Aufgaben im Rahmen der Gruppenarbeit hervor (die Mädchen machen Notizen und erledigen die "Sekretariatsarbeiten", die Jungen erarbeiten, denken nach und berichten vor allem bei der Berichterstattung vor der ganzen Klasse über die von der Gruppe durchgeführten Arbeiten). Bei der Berichterstattung über eine Gruppenarbeit in einer Plenarsitzung spielt wiederum das Verhältnis zum öffentlichen Raum eine Rolle, in dem die Frauen sich weniger legitimiert fühlen, da dieser traditionell mit Macht und Männern assoziiert wird, während die Frauen sich auf den privaten Raum zu beschränken haben. In dieser geschlechtsbedingten Arbeitsteilung (oder Verteilung der Aufgaben nach Geschlecht) wird die traditionelle Aufteilung zwischen privat und öffentlich sichtbar.

Literaturhinweise
ListenpunktDuru-Bellat, Marie (1995). " Au fait… les filles ", vidéo pédagogique, Académie de Dijon.
ListenpunktKergoat, Danièle (2000). "Division sexuelle du travail et rapports sociaux de sexe" in Dictionnaire critique du féminisme, Paris: PUF, 35-44.
ListenpunktDelphy, Christine (1998). L'ennemi principal 1. Economie politique du patriarcat, Paris: Syllepse.
 
Beobachtungsraster
 
DownloadBeobachtungsraster Beziehungen zwischen Lernenden (pdf)
24 KB / .pdf