Interaktionen zwischen Lehrpersonen und Lernenden
Es spielt eine Rolle, ob man einer Lehrerin oder einem Lehrer gegenübersteht. Die Vorstellungen, die wir während unserer Sozialisation verinnerlicht haben, bleiben auch im Erwachsenenalter bestehen und konkretisieren sich in der Praxis.
Sprache und Stimme
Ausserdem wird die jeweilige Tonlage der Stimme nicht auf die gleiche Weise wahrgenommen. Im Allgemeinen wird eine tiefe Stimme als positiv empfunden, während man eine hohe Stimme eher negativ beurteilt. Folglich können die Tonlage der Stimme sowie das Geschlecht der Lehrperson eine entscheidende Wirkung auf den Ablauf der pädagogischen Beziehungen haben.
Darüber hinaus ist der Sprechakt ein grundlegendes Element im Lernprozess. Für die Lernenden ist es ein Mittel, neue Inhalte aufzunehmen und zu begreifen. Es ist daher besonders wichtig, den Sprechakt zu hinterfragen. Wem geben wir vorwiegend das Wort? Geben wir das Wort glelich oft an Frauen und Männer? Und erhalten sie die gleilche Sprechzeit?
Wie ist das Beobachtungsraster anzuwenden?
Die Beobachtung der Interaktion in der Klasse erlaubt es zu verstehen, was sich zwischen Lehrpersonen und Lerhenden, aber auch unter den Lehrenden selbst apspielt. Beobachtet man eine Unterrichtseinheit, in der ICT eingesetzt werden (E-Teaching), ist das Augenmerk auf deren Einfluss auf die Interaktionen zu legen.
Die Haltung der Ausbilderin oder des Ausbilders, der Platz, den sie bzw. er während des Kurses einnimmt, und derjenige, den die Zuhörenedn ihr oder ihm geben, all dies sind signifikante Elemente, die zum Verständnis der Interaktionen beitragen.
Deshalb werden während der Beobachtung die Anzahl der Interventionen von Frauen und Männern notiert, es wird gefragt, welcher Art die Intervention ist und - wenn möglich - wird die Dauer der einzelnen Beiträge erfasst. Wer spricht, wie lange? Handelt es sich bei der Intervention um Kritiken oder bittet die Person um Erläuterungen? Wie verteilen sich Frauen und Männer auf diese verschiedenen Interventionsweisen? usw... Damit die Beobachtung aussagekräftig ist, muss in der Auswertung die tatsächliche Anzahl Frauen und Männer in der Klasse berücksichtigt werden.
Das Schema kann sich in einem zweiten Schritt als nützlich erweisen, wenn es darum geht, die Art und Weise zu verstehen, wie diese Interaktionen abgelaufen sind, wie die Zuhörenden organisiert waren. woher die Interventionen kamen, usw.
Was hat man bei den Beobachtungen festgestellt?
Frauen, insbesondere junge Ausbilderinnen, haben grössere Mühe als Lehrer, in den Augen der Lernenden glaubwürdig zu erscheinen; das ist besonders offensichtlich, wenn es sich bei den Auszubildenden um Erwachsene handelt.
Seitens der Lernenden kann festgestellt werden, dass die Teilnehmerinnen sich tendenziell neben eine andere Frau setzen, so als ob dies ihre Stellung aufwerten würde. Sie sind diskreter als die Männer, ihre Interventionen werden weniger wahrgenommen, und sie ergreifen seltener und weniger lange das Wort als die Männer. Wenn sie sich äussern, beenden sie ihre Sätze oftmals nicht, oder ihre Stimme wird zum Satzende hin höher, bekommt einen fragenden Ton. Dies im Gegensatz zu den Männern, die dazu neigen, sich bestimmter auszudrücken. Männer ergreifen spontan das Wort, während Frauen abwarten, dass man es ihnen erteilt. Frauen stellen Fragen über den Inhalt des Kurses, während Männer ihre Meinung zum Inhalt kundtun und die Methoden des Lehrers oder der Lehrerin kritisieren. Geht es darum, den Platz zu verlassen und sich beispielsweise vor eine Webcam zu stellen, sind die Frauen noch einmal zurückhaltender als in den klassischen Unterrichtssituationen.
Was sagt die Literatur dazu?
Es zeichnet sich ab, dass Forscherinnen und Forscher weitgehend in der Feststellung übereinstimmen, dass die Jungen während des Unterrichts sehr viel stärker mit der Lehrperson interagieren als die Mädchen: Hierbei handelt es sich um das so genannte "Zwei-Drittel-/Ein-Drittel-Gesetz" (zwei Drittel der Interaktionen mit den Jungen, ein Drittel mit den Mädchen).
Die Lehrpersonen richten mehr Fragen an die Jungen als an die Mädchen, widmen ihnen mehr Zeit, ermuntern sie häufiger, usw. Diese Merkmale sollen in den wissenschaftlichen Fächern, insbesondere im Fach Mathematik, noch ausgeprägter sein. Seitens der Schüler, so merkt Nicole Mosconi an, sind die Jungen in den pädagogischen Interaktionen aktiver als die Mädchen, die dazu neigen, mehr im Hintergrund zu bleiben. Wenn sie dann intervenieren, geschieht dies häufig nur für sehr kurze Zeit und um eine begrenzte Rolle zu spielen.
Beobachtungen bei erwachsenem Publikum
Ähnliche Beobachtungen wurden bei einem erwachsenen Publikum gemacht (in diesem Fall der Lehrerschaft bei Generalversammlungen des Berufsstandes). Danièle Kergoat hat beobachtet, dass die Männer körperlich beweglicher waren, dass sie durch den Saal spazierten und dabei manchmal sogar mit dem Mikro in der Hand sprachen. Die Frauen intervenierten von ihrem Platz aus, blieben dabei manchmal sogar sitzen. Die Männer achteten weniger genau auf das, was in den Interventionen gesagt wurde, zögerten daher nicht, Dinge zu wiederholen, die bereits gesagt wurden, bzw. sie wiederholen zu lassen; sie überschritten häufig die jedem gewährte Sprechzeit usw.
In Bezug auf die Vokalität schliesslich hat die Forschung das Konzept der "Voice of Power" contra der "Powerless Language" angesprochen. In den westlichen Kulturen wird die tiefe männliche Stimme mit Autorität, Kompetenz und Überlegenheit assoziiert. Die weibliche, eher hohe Stimme wird hingegen mit Vorstellungen wie Inkompetenz und ganz allgemein mit dem Fehlen von Macht und Einfluss verbunden und weckt wenig Vertrauen. Dieser Aspekt ist in einer pädagogischen Beziehung besonders wichtig: Werden die Interventionen einer Studentin auf die gleiche Weise berücksichtigt wie die ihrer männlichen Kollegen? Haben die Aussagen einer Ausbildnerin das gleiche Gewicht wie die eines Ausbildners?
Literaturhinweise
Sprache und Stimme
Ausserdem wird die jeweilige Tonlage der Stimme nicht auf die gleiche Weise wahrgenommen. Im Allgemeinen wird eine tiefe Stimme als positiv empfunden, während man eine hohe Stimme eher negativ beurteilt. Folglich können die Tonlage der Stimme sowie das Geschlecht der Lehrperson eine entscheidende Wirkung auf den Ablauf der pädagogischen Beziehungen haben.
Darüber hinaus ist der Sprechakt ein grundlegendes Element im Lernprozess. Für die Lernenden ist es ein Mittel, neue Inhalte aufzunehmen und zu begreifen. Es ist daher besonders wichtig, den Sprechakt zu hinterfragen. Wem geben wir vorwiegend das Wort? Geben wir das Wort glelich oft an Frauen und Männer? Und erhalten sie die gleilche Sprechzeit?
Wie ist das Beobachtungsraster anzuwenden?
Die Beobachtung der Interaktion in der Klasse erlaubt es zu verstehen, was sich zwischen Lehrpersonen und Lerhenden, aber auch unter den Lehrenden selbst apspielt. Beobachtet man eine Unterrichtseinheit, in der ICT eingesetzt werden (E-Teaching), ist das Augenmerk auf deren Einfluss auf die Interaktionen zu legen.
Die Haltung der Ausbilderin oder des Ausbilders, der Platz, den sie bzw. er während des Kurses einnimmt, und derjenige, den die Zuhörenedn ihr oder ihm geben, all dies sind signifikante Elemente, die zum Verständnis der Interaktionen beitragen.
Deshalb werden während der Beobachtung die Anzahl der Interventionen von Frauen und Männern notiert, es wird gefragt, welcher Art die Intervention ist und - wenn möglich - wird die Dauer der einzelnen Beiträge erfasst. Wer spricht, wie lange? Handelt es sich bei der Intervention um Kritiken oder bittet die Person um Erläuterungen? Wie verteilen sich Frauen und Männer auf diese verschiedenen Interventionsweisen? usw... Damit die Beobachtung aussagekräftig ist, muss in der Auswertung die tatsächliche Anzahl Frauen und Männer in der Klasse berücksichtigt werden.
Das Schema kann sich in einem zweiten Schritt als nützlich erweisen, wenn es darum geht, die Art und Weise zu verstehen, wie diese Interaktionen abgelaufen sind, wie die Zuhörenden organisiert waren. woher die Interventionen kamen, usw.
Was hat man bei den Beobachtungen festgestellt?
Frauen, insbesondere junge Ausbilderinnen, haben grössere Mühe als Lehrer, in den Augen der Lernenden glaubwürdig zu erscheinen; das ist besonders offensichtlich, wenn es sich bei den Auszubildenden um Erwachsene handelt.
Seitens der Lernenden kann festgestellt werden, dass die Teilnehmerinnen sich tendenziell neben eine andere Frau setzen, so als ob dies ihre Stellung aufwerten würde. Sie sind diskreter als die Männer, ihre Interventionen werden weniger wahrgenommen, und sie ergreifen seltener und weniger lange das Wort als die Männer. Wenn sie sich äussern, beenden sie ihre Sätze oftmals nicht, oder ihre Stimme wird zum Satzende hin höher, bekommt einen fragenden Ton. Dies im Gegensatz zu den Männern, die dazu neigen, sich bestimmter auszudrücken. Männer ergreifen spontan das Wort, während Frauen abwarten, dass man es ihnen erteilt. Frauen stellen Fragen über den Inhalt des Kurses, während Männer ihre Meinung zum Inhalt kundtun und die Methoden des Lehrers oder der Lehrerin kritisieren. Geht es darum, den Platz zu verlassen und sich beispielsweise vor eine Webcam zu stellen, sind die Frauen noch einmal zurückhaltender als in den klassischen Unterrichtssituationen.
Was sagt die Literatur dazu?
Es zeichnet sich ab, dass Forscherinnen und Forscher weitgehend in der Feststellung übereinstimmen, dass die Jungen während des Unterrichts sehr viel stärker mit der Lehrperson interagieren als die Mädchen: Hierbei handelt es sich um das so genannte "Zwei-Drittel-/Ein-Drittel-Gesetz" (zwei Drittel der Interaktionen mit den Jungen, ein Drittel mit den Mädchen).
Die Lehrpersonen richten mehr Fragen an die Jungen als an die Mädchen, widmen ihnen mehr Zeit, ermuntern sie häufiger, usw. Diese Merkmale sollen in den wissenschaftlichen Fächern, insbesondere im Fach Mathematik, noch ausgeprägter sein. Seitens der Schüler, so merkt Nicole Mosconi an, sind die Jungen in den pädagogischen Interaktionen aktiver als die Mädchen, die dazu neigen, mehr im Hintergrund zu bleiben. Wenn sie dann intervenieren, geschieht dies häufig nur für sehr kurze Zeit und um eine begrenzte Rolle zu spielen.
Beobachtungen bei erwachsenem Publikum
Ähnliche Beobachtungen wurden bei einem erwachsenen Publikum gemacht (in diesem Fall der Lehrerschaft bei Generalversammlungen des Berufsstandes). Danièle Kergoat hat beobachtet, dass die Männer körperlich beweglicher waren, dass sie durch den Saal spazierten und dabei manchmal sogar mit dem Mikro in der Hand sprachen. Die Frauen intervenierten von ihrem Platz aus, blieben dabei manchmal sogar sitzen. Die Männer achteten weniger genau auf das, was in den Interventionen gesagt wurde, zögerten daher nicht, Dinge zu wiederholen, die bereits gesagt wurden, bzw. sie wiederholen zu lassen; sie überschritten häufig die jedem gewährte Sprechzeit usw.
In Bezug auf die Vokalität schliesslich hat die Forschung das Konzept der "Voice of Power" contra der "Powerless Language" angesprochen. In den westlichen Kulturen wird die tiefe männliche Stimme mit Autorität, Kompetenz und Überlegenheit assoziiert. Die weibliche, eher hohe Stimme wird hingegen mit Vorstellungen wie Inkompetenz und ganz allgemein mit dem Fehlen von Macht und Einfluss verbunden und weckt wenig Vertrauen. Dieser Aspekt ist in einer pädagogischen Beziehung besonders wichtig: Werden die Interventionen einer Studentin auf die gleiche Weise berücksichtigt wie die ihrer männlichen Kollegen? Haben die Aussagen einer Ausbildnerin das gleiche Gewicht wie die eines Ausbildners?
Literaturhinweise
| Duru-Bellat, Marie (1995). " Au fait… les filles ", vidéo pédagogique, Académie de Dijon. | |
| Geissner, Helmut (1986). " Elemente des Sprachhandlung "; in H. Geissner (éd), Rhetorik und politische Bildung, Frankfurt/M., Scriptor, 91-113. | |
| Kergoat, Danièle (1992). La gestion de la mixité dans un mouvement social : le cas de la coordination infirmière, in, Claudine Baudoux et Claude Zaidman (sous la dir.), Egalité des sexes. Mixité et démocratie, Paris: L'Harmattan, 261-278. | |
| Mosconi, Nicole et Loudet-Verdier, Josette (1997). "Inégalités de traitement entre les filles et les garçons", in Claudine Blanchard-Laville (sous la dir.), Variations sur une leçon de mathématiques, Paris: L'Harmattan, 127-150. | |
| Slembeck, Edith (2002). " La voix entre données biologiques et modèles socioculturels ", Equinoxe, Le genre de la voix, Genève : Georg Editeur, 23, 27-36. | |
| Zaidman, Claude (1996). La mixité à l'école, Paris: L'Harmattan, 99-122. |
| Beobachtungsraster Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden (pdf) 26 KB / .pdf |
