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Leitfaden - Werkzeuge und Lehrmittel
 
Die Art und Weise, wie ein Lehrmittel konzipiert ist, hat einen entscheidenden Einfluss auf alle, die es zu benutzen haben. Unterlagen, die nur die männliche Form einbeziehen, Illustrationen, die nur die Realitäten eines Geschlechts widerspiegeln oder stereotype, virtuelle "Doubles" machen die Aneignung dieses Materials für eine heterogene Gruppe Lernender schwierig.

Wie ist das Beobachtungsraster anzuwenden?
Es geht darum, über die Art des verwendeten Materials nachzudenken, ist es real oder virtuell? Ist es im zweiten Fall leicht zugänglich? Die angebotene Liste ist nicht erschöpfend und sie kann während der Beobachtung vervollständigt wird.
Bezüglich der Lehrmittel geht es darum, sie aufmerksam zu lesen um festzustellen, ob sie sich an beide Geschlechter wenden.  Es reicht zu fragen, an wen sich der Text richtet  und die entsprechende Stelle zu markieren. So ergibt sich automatisch ein Bild vom Ganzen. Die Markierung der der Textstellen erlaubt zudem, sich mit den verschiedenen Möglichkeiten, einen Text geschlechtsneutral zu verfassen, vertraut zu machen.
Neben den Texten geht es um die Illustrationen der Lehrmittel. Die Wirkung eines Bildes wird häufig heruntergespielt, und es geht oftmals vergessen, dass auch das Bild eine Botschaft transportiert.
Für die Feinanalyse eines Bildes werden die unterschiedlichen Haltungen und Posen der einzelnen Personen zu beachten (z.B. Frau: liegend, gesenkter Kopf; Mann: stehend, Siegerpose). Die Beobachtung solcher Darstellungen erlauben es, die Werte, die über das Bild vermittelt werden, zu erkennen (z.B. Frau: Verfügbarkeit, Unterwerfung; Mann: Macht, Beherrschung) und verschiedene Lehrmittel so zu vergleichen.

Was zeigen die Beobachtungen?
Es gibt bereits Anstrengungen Lehrmittel geschlechtsneutral zu gestalten. Vorerst ist jedoch diesbezüglich kaum eine einheitliche Linie erkennbar, manche Unterlagen wurden "feminisiert", andere nicht. Noch immer erforderten viele Lehrmittel eine Neubearbeitung.
Es können alle Arten von Bildern verwendet werden. Aber sobald es darum geht, zum Beispiel Berufe zu veranschaulichen, ist die Schwierigkeit gross, den Vorurteilen zu entkommen. Auch die Darstellungen Berufe zeigen sollen, die für beide Geschlechter in Frage kommen, ist der verfügbare Vorrat an Bildern häufig klein. Im Rahmen einer Beobachtung von Bildern im Web konnte festgestellt werden, dass die dargestellten Personen nicht als Mann oder Frau identifizierbar waren. Das kann eine Lösung sein, da aber das Neutrum für gewöhnlich mit dem Maskulinum gleichgesetzt wird, muss dennoch darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich wiedererkennt. In manchen Fällen geben Dokumentationen paradoxe Informationen, da Text und Bild einander widersprechen. So sind die Berufsbezeichnungen in einer Serie von Arbeitsblättern in ihrer männlichen und weiblichen Form angegeben, währenddem die Fotografien ausschliesslich Männer bei der Arbeit zeigen.

Was sagt die Literatur dazu?
Das gewählte Material ist - ebenso wie die Sprache und die Interaktionen - am Aufbau des "verborgenen Curriculums", an allem, was auf nicht-offizielle Weise während der Ausbildung erlernt wird, beteiligt. Wenn zum Beispiel ein Lehrmitteltyp nicht allen Teilnehmenden auf die gleiche Weise zugänglich ist (z.B. Zugang zu einem Computer), wird das Auswirkungen haben. Die Personen, die am wenigsten an den Umgang mit einem Computer gewöhnt sind bzw. die, die sich dabei am wenigsten wohl fühlen, werden sich delegitimiert fühlen und nicht nur gegenüber dem Lehrmittel, sondern im weiteren Sinne auch gegenüber dem Lehrstoff noch mehr Angst entwickeln.
Wenn in einer Ausbildung alle eingebrachten Beispiele auf Situationen verweisen, die nur eines der beiden Geschlechter ansprechen, oder wenn die Bilder (Zeichnungen, Fotografien, Verkörperungen) nur eines der Geschlechter zeigen, lautet die implizite Botschaft: Das andere Geschlecht hat hier keinen Platz. Wenn die Darstellungen Männer und Frauen zeigen und dies auf stereotype Weise geschieht, verstärkt dies die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und festigt die ungleichen, gegensätzlichen Wahrnehmungen von Frau und Mann.
Bleibt der Gebrauch eines Lehrmittels einem Teil der Lehrenden vorbehalten oder wendet es sich explizit nicht an alle, verursacht dies aus pädagogischer Sicht ein Problem. Untersuchungen zu den Auswirkungen sozialer Unterschiede im Unterricht erlauben den Schluss, dass der Lerhnprozess erfolgreicher ist, wenn die Beispiele, anhand derer gelernt wird, sich auf eigene Interessen beziehen . Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, vielfältige Illustrationen zu finden, ohne stereotyp zu werden.

Literaturhinweise
ListenpunktDe Paolis, Paola et Vittono, Girotto (2001). "Asymétries sociales et relations spatiales: expérience de marquage social", in Anne-Nelly Perret-Clermont et Michel Nicolet (sous la dir. de), Interagir et connaître. Enjeux et régulations sociales dans le développement cognitif, Paris: L'Harmattan.
ListenpunktLafortune, Louise et Claude Solar (dir.) (2003). Femmes et maths, sciences et technos, Québec : Presses de l'Université du Québec.
Moreau, Thérèse (1994). Pour une éducation épicène. Guide de rédaction et de ressources pour documents scolaires s'adressant aussi bien aux filles qu'aux garçons, Lausanne: Réalités sociales.
ListenpunktSaro, Eva & Co (2003). "Les images mises à nu", catalogue de l'exposition du même nom, Genève (disponible chez l'autrice).
 
Beobachtungsraster
 
DownloadBeobachtungsraster Werkzeuge und Lehrmittel
28 KB / .pdf