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Leitfaden - Sprache
 
Sprache ist nicht neutral. Nachdenken über die Art und Weise, wie man sich an eine Klasse wendet, gestattet es zu beurteilen, ob jede und jeder sich angesprochen fühlen kann. Obwohl die Frauen von Kindheit an gelernt haben, sich im "universal gebrauchten Maskulinum" wiederzuerkennen, ist es wichtig, ihnen durch die Sprache, aber auch durch ausgewählte Beispiele zu zeigen, dass sie direkt angesprochen sind.

Wie ist das Beobachtungsraster anzuwenden?
Es geht darum, der Lehrperson aufmerksam zuzuhören, speziell auf ihre Wortwahl zu achten und Beobachtungen zu notieren. Über die Form hinaus gilt es auch, den Inhalt, zum Beispiel eingebrachte Beispiele, zu notieren. In einem zweiten Schritt beurteilen Sie, ob diese abwechslungsreich sind, ob sie der Realität der Männer und der Frauen Rechnung tragen oder ob sie sich nur auf das eine oder das andere Geschlecht beziehen. Achten Sie auch darauf, ob sie nicht stereotyp sind.
Zur Vermeidung von Diskriminierungen und für die allgemeine Atmosphäre der Klasse ist es schliesslich wichtig, sexistische Scherze zu vermeiden, selbst wenn sie "harmlos" zu sein scheinen. Es geht also darum, das Verhalten der Lehrperson, aber auch ihre Reaktion bzw. das Fehlen einer Reaktion im Fall sexistischer Äusserungen oder Verhaltensweisen der Lernenden zu beobachten.

Was zeigen die Beobachtungen?
Auch wenn manche Lehrpersonen sich bemühen, ihre Sprache geschlechtsneutral zu gestalten, sind sie doch nach wie vor eine Seltenheit. In den meisten Fällen wird die mündliche Sprache männlich dekliniert, obwohl man sich zu Beginn einer Unterrichtseinheit an beide Geschlechter wendet: "Guten Tag, meine Damen und Herren!" Es ist schwierig, die eigene Art zu sprechen zu verändern, denn schliesslich handelt es sich um jahrelang eingeübte Sprechgewohnheiten.
Die Beispiele hängen stark vom Lehrstoff und von der Lehrperson ab. Bei den Beobachtungen hatten wir es mit neutralen (Architektur) oder sich an beide Geschlechter wendenden Beispielen (Montage eines IKEA-Möbels, Kochrezept, um vom Aufbau einer Ausbildung zu sprechen) oder auch wechselnden Beispielen zu tun, Beispielen also, die sich zum Teil eher an ein weibliches Publikum wendeten, und anderen, die sich in höherem Masse auf Männer bezogen. In einigen Fällen waren die Beispiele stark stereotyp und wiesen Frauen und Männer die traditionellen Rollen zu.

Was sagt die Literatur dazu?
Sprache ist von grosser Bedeutung für uns. Sie reproduziert nicht nur eine Realität (die der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern), sondern trägt auch dazu bei, diese zu prägen und - allenfalls - zu verändern. Wenn nur die männliche Form gebraucht wird, und dies vor allem in Fächern, die männlich konnotiert sind, verstärkt dies die Wahrnehmung des Fachs als eines, das kein Gebiet für Frauen sei oder welches die Überschreitung mancher Grenzen erfordert, beovor eine Frau daran teilnehmen kann.
Was sexistische Bemerkungen betrifft, so sind sie - selbst wenn sie harmlos scheinen mögen - wesentlicher Bestandteil für die verbale Beherrschung des Raums seitens der Männer. In einem Umfeld, in dem die Frauen regelmässig lächerlich gemacht oder ihre Kompetenzen herabgewürdigt werden, kann eine Frau sich nicht legitimiert, nicht an ihrem Platz fühlen.
Indem Lehrpersonen den Lernstoff ausschliesslich mit Beispielen illustrieren, die sich an Männer wenden, ist ein bedeutendes pädagogisches Problem. Und zwar in dem Sinn, dass die Lehrperson ein stillschweigendes Einverständnis nur mit einem Teil der Klasse schafft. Diese Wirkung verstärkt sich in Fächern, die nach wie vor männlich konnotiert sind, wie zum Beispiel die Mathematik, die Informatik oder die Literatur.

Literaturhinweise
ListenpunktGygax, Pascal et Gesto Noelia (2007). " Féminisation et lourdeur de texte ", Année psychologique, vol. 107, 2, 239-255.
ListenpunktMoreau, Thérèse (2002). Ecrire les genres. Guide romand d'aide à la rédaction administrative et législative épicène, Conférence latine des déléguées à l'égalité.
 
Beobachtungsraster
 
DownloadBeobachtungsraster Sprache (pdf)
22 KB / .pdf