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Home > Unterricht > Thematische Dossiers > Nord-Süd Schulpartnerschaften > Schulpartnerschaften: Worauf ist zu achten? > 
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Eine begriffliche Annäherung
 
Es gibt einige unbestrittene Kernelemente, welche eine Nord-Süd-Schulpartnerschaft auszeichnen:
 
ListenpunktIn einer Partnerschaft arbeiten gleichwertige Partner zusammen;
Listenpunktdie Zusammenarbeit ist nicht an ein bestimmtes Projekt gebunden; die Partnerschaft überdauert einzelne Projekte;
Listenpunkthinter der Partnerschaft steht ein beträchtlicher Teil der Schulmitglieder, insbesondere sollte auch die Schulleitung hinter der Partnerschaft stehen;
Listenpunktes ist mindestens eine Partnerschule aus dem Norden und eine Partnerschule aus dem Süden, die eingebunden sind.
 
Definition
Unter "Norden" werden in der Regel die so genannten entwickelten bzw. reichen Länder, unter "Süden" die Entwicklungsländer bzw. die armen Länder verstanden. Allerdings besteht diesbezüglich keine einheitliche Abgrenzung. Am häufigsten wird jedoch für die Bestimmung von Norden und Süden auf die entsprechende Länderliste des DAC Bezug genommen.
Nord-Süd-Schulpartnerschaften können sehr verschiedenartig gestaltet werden, dies nicht nur bezüglich ihrer inhaltlichen Ausrichtung, sondern auch bezüglich ihrer Intensität und Dauer. Dabei spielen die Schulstufe und die Anzahl der involvierten Schulen eine wichtige Rolle.
Wie verschieden sie auch immer sein können, es gibt einige allgemein gültige Aspekte, die in jedem Fall zu beachten sind. Wenn man sie kennt, kann man sie konstruktiv nutzen, damit die Partnerschaft eine bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten wird.

Auseinandersetzung mit anderen Kulturen
Die Beziehung zwischen Schulen aus so unterschiedlichen Umgebungen wie beispielsweise der Schweiz und Tansania kann nicht symmetrisch sein, d.h. die Beziehung läuft nicht in beide Richtungen gleich. Zu unterschiedlich sind etwa die historischen Traditionen oder die geographischen Gegebenheiten, und bereits die unterschiedlichen finanziellen Begebenheiten beeinflussen die Möglichkeiten der Partner stark.
Oft rücken deshalb die Nordpartner den Hilfeaspekt in den Vordergrund der Beziehung und bewirken so das Gegenteil von dem, was eine Partnerschaft auszeichnen sollte: Nicht die Gleichwertigkeit sondern das Gefühl von Macht bzw. Ohnmacht und Hilfsbedürftigkeit der Partner rücken in den Mittelpunkt; und dies ist keine echte Partnerschaft mehr.

Übungsfeld für interkulturelles Lernen
Wer in den teilweise grossen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden der Partnerschulen und ihrer Umgebung nicht eine Chance für interkulturelles Lernen sieht, sollte sich besser nicht auf eine Nord-Süd-Partnerschaft einlassen. Denn Nord-Süd-Schulpartnerschaften sind ein optimales Lernfeld für interkulturelles und globales Lernen für alle Beteiligten. Wenn in einer gleichwertigen Partnerschaft alle Parteien ihre Vorstellungen verwirklichen können, dann müssen unterschiedliche Vorstellungen akzeptiert und ernst genommen werden. Man muss bereit sein, sich immer wieder zu fragen, warum ein Partner etwas anders sieht, was die Hintergründe dafür sein könnten, warum man es selber lieber anders haben möchte. Auf dieser Grundlage sollen dann Kompromisse für ein gemeinsames Vorgehen gesucht werden. Dabei ist das Verhalten der Partner in anderen Kulturen oft schwierig zu deuten, nachzuvollziehen. Das gilt für die Partner im Norden wie im Süden. Was bedeutet es z.B., wenn die e-Mails der Schweizer Partner von den tansanischen Lehrkräften jeweils erst nach zwei Wochen beantwortet werden? Und was geht in den tansanischen Jugendlichen vor, wenn in einem Mail aus der Schweiz nicht nach ihrem Wohlbefinden gefragt wird?

Eine besondere Herausforderung: ICT-Partnerschaften
Ganz besonders anspruchsvoll wird die partnerschaftliche Beziehung, wenn "ICT im Unterricht" eine zentrale Rolle spielen soll, dies vor allem bei Partnern in einem Land südlich der Sahara:
 
ListenpunktDie neue (Unterrichts-)Kultur, die mit ICT in der Schulen Einzug hält, verlangt in Afrika einen noch grösseren Kulturwandel als es bei uns in der Schweiz der Fall ist (und er bereitet auch in der Schweiz vielen Lehrpersonen Mühe). Auf dem Hintergrund einer Kultur des "Palavers" mit ihrer oralen Tradition und einer Kultur des Respekts gegenüber den Alten stellt ICT die traditionelle Lehrpersonenrolle in Frage. Der notwendige Kulturwandel ist entsprechend sehr anspruchsvoll und verlangt vor allem auch vom Nordpartner Verständnis, einen Weitblick und Geduld.
ListenpunktSüdpartner verknüpfen mit einer Partnerschaft häufig die Vorstellung, dass sie ihre mate-riellen Bedürfnisse befriedigt. Vom Nordpartner wird erwartet, dass er etwas Sichtbares in der Schule hinterlässt wie beispielsweise ein mit ICT ausgerüstetes Schulzimmer oder Labtops für die Studierenden. Dies ist durchaus legitim und verständlich, wenn man sich die materiellen Unterschiede zwischen den Nord- und Südpartnern vor Augen führt. Allerdings ist es seitens der Nordpartner angebracht, hier Zurückhaltung zu pflegen und z.B. beim Beschaffen von Hardware nur dann Hand zu bieten, wenn geklärt ist, wie mit ICT der Bildungsprozess verbessert werden soll. Dazu gehört, dass nicht nur der Umgang mit Software, sondern auch die Wartung der Hardware gesichert ist, was in der Regel nach entsprechender Ausbildung im Rahmen der Partnerschaft möglich ist.
 
Herausforderungen können immer Risiken darstellen. Werden sie aber mit der für Nord-Süd-Schulpartnerschaften notwendigen Offenheit und kulturellen Sensibilität angegangen, bergen sie grosse Lernchancen für alle Beteiligten.