Lerngemeinschaft - Learning Community
Psychologische Kommunikationstheorien versuchen zu beschreiben, wie menschliche Kommunikation funktioniert und wodurch sie beeinflusst wird. Bekannt sind zum Beispiel die Konzepte von Watzlawick, Beavin und Jackson (1969) oder Schulz von Thun (1981). Inzwischen wurde das menschliche Interaktionsverhalten auch hinsichtlich web-basierter Kommunikation genauer betrachtet. Daraus lassen sich gewisse Empfehlungen für eLearning ableiten.
Lerngemeinschaft
Auch die Sozialpsychologie beschreibt zahlreiche Hürden der Kommunikation und Zusammenarbeit, die sich aufgrund von bestimmten Gruppenphänomenen ergeben. Dazu gehört beispielsweise der "Ringelmann-Effekt": Bei zunehmender Gruppengrösse werden die Einzelleistungen geringer. Die dabei beteiligten Motivationsverluste lassen sich wie folgt beschreiben:
Auch die Sozialpsychologie beschreibt zahlreiche Hürden der Kommunikation und Zusammenarbeit, die sich aufgrund von bestimmten Gruppenphänomenen ergeben. Dazu gehört beispielsweise der "Ringelmann-Effekt": Bei zunehmender Gruppengrösse werden die Einzelleistungen geringer. Die dabei beteiligten Motivationsverluste lassen sich wie folgt beschreiben:
| Man hat die Tendenz, bei grösseren Gruppen die Arbeit den anderen der Gruppe zu überlassen. Der Beitrag der Eigenleistung ist nicht mehr so gut identifizierbar, das Produkt der Gruppenleistung wird aber dennoch unter allen aufgeteilt. Dies macht es für die einzelnen Mitglieder attraktiv, sich entsprechend zurück zu halten. Beispiele: politische Aktivität, Umweltschutz, Steuern. Man spricht hier auch von sozialem Faulenzen. | |
| Der Trittbrettfahrereffekt führt dazu, dass Einzelne glauben, ihr Beitrag ändere sowieso nichts am Gruppenresultat. Oft gibt es auch Mitglieder, die sich auf bestimmte Art gegen Trittbrettfahrer und soziale Faulenzer "wehren" - sie reduzieren ihre eigene Leistung, um nicht ausgenutzt zu werden. Dies wird als Gimpeleffekt bezeichnet. | |
| Da die Chance zur Anonymität bei internetbasierten Arbeitsgruppen bedeutend höher ist, als in der Gruppensituation face-to-face, ist auch die Gefahr von Motivationsverlusten bedeutend grösser. Was kann dagegen getan werden? Eine Faustregel besagt: Identifizierbare Einzelbeiträge reduzieren Motivationsverluste. Hinzu kommt ein Phänomen, das in den sozialpsychologischen Austauschtheorien thematisiert wird: Je mehr ein Mitglied damit rechnet (oder bereits die Erfahrung gemacht hat), aus der Gruppe "wertvolle" Beiträge zu erhalten, desto eher ist es bereit, selber einen Beitrag zu leisten. |
Effiziente Gruppenarbeit
Rosenstiel (1993) hat aufgrund der Erkenntnisse über Gruppenleistung fünf praktische Ratschläge für effiziente Gruppenarbeit erstellt:
1. Die Gruppe sollte klein sein und etwa fünf Mitglieder umfassen. Bei grösseren Gruppen besteht die Gefahr, dass einschlägige Beiträge von Mitgliedern nicht mehr eingebracht werden, dass der relative Zugewinn von Informationen für die Aufgabenbearbeitung zurückgeht und dass Reibungsverluste in der Gruppe zunehmen.
2. Die unterschiedlichen Aspekte der Aufgabe sollten durch jeweils dafür kompetente Mitglieder vertreten sein, die zudem alle am Gesamtproblem interessiert sind.
3. Die Gruppenmitglieder sollten durch strukturale und personale Bedingungen bereit und befähigt sein, sich miteinander in der gleichen Sprache zu verständigen.
4. Die interpersonalen Beziehungen sollten frei von Belastungen sein. Widerspruch in der Sache darf nicht als Ausdruck persönlicher Abneigung eingesetzt werden.
5. Das Team hält sich an Arbeitsregeln, zum Beispiel an Vorbereitungs-, Moderations-, Diskussions- und Dokumentationstechniken: Beispielsweise bereiten einzelne Mitglieder Beiträge für eine Teamsitzung vor. Ein Teammitglied moderiert die Sitzung und leitet die Diskussion, ein weiteres führt Protokoll, das Verlauf, Ergebnisse und ggf. getroffene Entscheidungen dokumentiert.
Rosenstiel (1993, S.317f)
Rosenstiel (1993) hat aufgrund der Erkenntnisse über Gruppenleistung fünf praktische Ratschläge für effiziente Gruppenarbeit erstellt:
1. Die Gruppe sollte klein sein und etwa fünf Mitglieder umfassen. Bei grösseren Gruppen besteht die Gefahr, dass einschlägige Beiträge von Mitgliedern nicht mehr eingebracht werden, dass der relative Zugewinn von Informationen für die Aufgabenbearbeitung zurückgeht und dass Reibungsverluste in der Gruppe zunehmen.
2. Die unterschiedlichen Aspekte der Aufgabe sollten durch jeweils dafür kompetente Mitglieder vertreten sein, die zudem alle am Gesamtproblem interessiert sind.
3. Die Gruppenmitglieder sollten durch strukturale und personale Bedingungen bereit und befähigt sein, sich miteinander in der gleichen Sprache zu verständigen.
4. Die interpersonalen Beziehungen sollten frei von Belastungen sein. Widerspruch in der Sache darf nicht als Ausdruck persönlicher Abneigung eingesetzt werden.
5. Das Team hält sich an Arbeitsregeln, zum Beispiel an Vorbereitungs-, Moderations-, Diskussions- und Dokumentationstechniken: Beispielsweise bereiten einzelne Mitglieder Beiträge für eine Teamsitzung vor. Ein Teammitglied moderiert die Sitzung und leitet die Diskussion, ein weiteres führt Protokoll, das Verlauf, Ergebnisse und ggf. getroffene Entscheidungen dokumentiert.
Rosenstiel (1993, S.317f)
Vorraussetzungen für echte Zusammenarbeit
Kerres führt eine Liste von Bedingungen auf, die gegeben sein müssen, damit eine eigentliche Zusammenarbeit entstehen kann:
"Das Stadium der Kollaboration, der gemeinsamen Bearbeitung von Lernaufgaben im Netz, kommt jedoch meines Erachtens nur unter bestimmten Bedingungen zustande: Zum Beispiel
Kerres führt eine Liste von Bedingungen auf, die gegeben sein müssen, damit eine eigentliche Zusammenarbeit entstehen kann:
"Das Stadium der Kollaboration, der gemeinsamen Bearbeitung von Lernaufgaben im Netz, kommt jedoch meines Erachtens nur unter bestimmten Bedingungen zustande: Zum Beispiel
| wenn ein externer Druck existiert (Beispielsweise möchte der Arbeitgeber, dass dieses Projekt über das Netz abgewickelt wird.). | |
| wenn bereits eine persönliche Beziehung zu einzelnen oder mehreren der entfernten Partner besteht. | |
| wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind, dass sich eine soziale Gruppe bilden kann (Grösse, Homogenität etc.). | |
| wenn die beteiligten Personen davon überzeugt sind, dass sich unter den gegebenen Bedingungen (Zeit, Betreuung etc.) etwas wie eine soziale Gruppe bilden wird. | |
| wenn in ähnlichen Lernkontexten gute Erfahrungen mit kommunikativen Szenarien gemacht wurden. | |
| wenn die betreuende Institution genügend überzeugend auftritt (und die Teilnehmer von dem Szenario begeistert werden können). | |
| wenn der Kontext des Bildungsanbieters für die Teilnehmer ohnehin attraktiv ist, das heisst die Bindung des Einzelnen geschieht über die Identifikation mit der Einrichtung, (zum Beispiel durch frühere positive Erfahrungen) oder | |
| wenn die Zusammenarbeit gegenüber der Einzelarbeit einen deutlichen Mehrwert erkennen lässt (zum Beispiel weil erfahrene oder bekannte Kollegen mitwirken)." (Kerres 2001, S.267). |
Geeignete Aufgabenarten
Es eignen sich nicht alle Aufgabenarten für die Bearbeitung in virtuellen Arbeits- oder Lerngemeinschaften. Als sinnvoll haben sich bewährt:
Es eignen sich nicht alle Aufgabenarten für die Bearbeitung in virtuellen Arbeits- oder Lerngemeinschaften. Als sinnvoll haben sich bewährt:
| Informationsrecherche | |
| Kooperative Be- oder Ausarbeitung von Texten | |
| Gruppenarbeiten, deren Ergebnisse anschliessend im Plenum präsentiert werden |
Didaktische Gestaltung von virtuellen Aufgaben
Selbstverständlich ist diese Liste nicht abschliessend - der Kreativität sei freier Lauf gelassen. Für die didaktische Gestaltung von virtuellen Arbeits- und Lernaufgaben in Gruppen ergeben sich folgende Hinweise:
Selbstverständlich ist diese Liste nicht abschliessend - der Kreativität sei freier Lauf gelassen. Für die didaktische Gestaltung von virtuellen Arbeits- und Lernaufgaben in Gruppen ergeben sich folgende Hinweise:
| Der Austausch und die Kommunikation zwischen den Lernenden muss möglichst früh eingeführt werden. | |
| Vor einer virtuellen Zusammenarbeit sollte nach Möglichkeit mindestens ein Präsenztreffen zum gegenseitigen Kennenlernen stattfinden. | |
| Für die Erledigung von Gruppenaufgaben ist ein grosszügiger Zeitrahmen mit präzisen Abgabeterminen einzuplanen. | |
| Die Aufgabenstellung muss sehr präzise sein. | |
| Die eigenständige Recherchen im Internet solle durch geeignete Hinweise erleichtert werden (Tipps, Linkliste). (Nach Jechle, 2001b) |
