Situiertes Lernen
Die Kritik am kognitiven Paradigma stellt die Frage, ob es überhaupt möglich ist, Wissen in einer Weise zu arrangieren, die auf alle Lernenden passt. Daneben führte die Erkenntnis über träges Wissen zu weiterer Kritik am Kognitivismus.
Träges Wissen
Träges Wissen ist jenes, das in der "Stube" gelernt, aber "draussen" nicht angewendet werden kann - und ist weit verbreitet. Die zwölfjährige Bastlerin hat im Geometrieunterricht theoretisch gelernt, wie sie die Breite des Daches für ihr Vogelhäuschen berechnen kann. Im Bastelraum wird sie aber eher "probieren, bis es geht". Das Problem tritt auf allen Schulstufen auf und ist bis zur Hochschule und Weiterbildung bekannt.
Subjektiver Konstruktionsprozess
Das konstruktivistische Paradigma betrachtet die Erarbeitung von Wissen als subjektiven Konstruktionsprozess. Dadurch wird es auch mit dem Kontext beziehungsweise der Situation verknüpft, in welcher es erworben wird. Durch die Verbindung zu diesem kontextuellen Wissen werden deklaratives und prozedurales Wissen "situiert". Lernen ist ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruktiver, situativer und sozialer Prozess (vgl. Gerstenmeier & Mandl 1995). Konstruktivistische Lehr- und Lernmodelle verlangen dementsprechend situiertes Lernen. Folgende Aspekte sind im Lernarrangement zu berücksichtigen (nach Kerres 2001, S.79):
Träges Wissen
Träges Wissen ist jenes, das in der "Stube" gelernt, aber "draussen" nicht angewendet werden kann - und ist weit verbreitet. Die zwölfjährige Bastlerin hat im Geometrieunterricht theoretisch gelernt, wie sie die Breite des Daches für ihr Vogelhäuschen berechnen kann. Im Bastelraum wird sie aber eher "probieren, bis es geht". Das Problem tritt auf allen Schulstufen auf und ist bis zur Hochschule und Weiterbildung bekannt.
Subjektiver Konstruktionsprozess
Das konstruktivistische Paradigma betrachtet die Erarbeitung von Wissen als subjektiven Konstruktionsprozess. Dadurch wird es auch mit dem Kontext beziehungsweise der Situation verknüpft, in welcher es erworben wird. Durch die Verbindung zu diesem kontextuellen Wissen werden deklaratives und prozedurales Wissen "situiert". Lernen ist ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruktiver, situativer und sozialer Prozess (vgl. Gerstenmeier & Mandl 1995). Konstruktivistische Lehr- und Lernmodelle verlangen dementsprechend situiertes Lernen. Folgende Aspekte sind im Lernarrangement zu berücksichtigen (nach Kerres 2001, S.79):
| Die Darstellung komplexer, sozialer Realität (statt abstrakter Inhalte) | |
| Die authentischen Aktivitäten von Lernenden (statt der Aktivitäten von Lehrenden) | |
| Die Präsentation multipler (statt einfacher) Perspektiven auf Probleme. |
Drei Ansätze, die dies berücksichtigen, seien hier kurz erwähnt:
Anchored Instruction-Ansatz Stellt das Lösen bedeutsamer Probleme in möglichst authentischen Kontexten ins Zentrum. In so genannten "generativen Lernumgebungen" eignen sich die Lernenden das Wissen selber an und nutzen es sogleich in Anwendungsaufgaben. | |
Cognitive Flexibility-Ansatz Betont die Multiperspektivität und die multiplen Kontexte. Lernmaterial soll aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven und in unterschiedlichen Zusammenhängen präsentiert werden, damit später der Wissenstransfer in ungewohnte Situationen möglich ist. | |
Cognitive Apprenticeship-Ansatz Überträgt die traditionelle Handwerkslehre als Modell auf kognitive Lerninhalte. Die Handwerkslehre zeichnet sich hiernach dadurch aus, dass die Lehrlinge (Novizen) erst dem Meister (Experte) zusehen, um anschliessend mit schrittweise nachlassender Betreuung durch ihn zunehmend schwierigere Aufgaben meistern können. Strategisches Wissen der Experten ist stark an Situationen gebunden. Die kognitiven Prozesse dabei können von den Novizen jedoch nur schwer erschlossen werden. Deshalb wurde ein methodisches Vorgehen zur Externalisierung und Explizierung des Wissens von Experte und Novize entwickelt: |
| Modeling (Modellierung): Der Experte stellt den Prozess vor und formuliert dabei seine Gedanken. | |
| Coaching (Begleitung): Der Experte begleitet den Lerner bei der Einübung. | |
| Scaffolding (Einrüsten): Der Experte führt den Prozess vor, lässt den Lerner Teile davon selbst durchführen und hilft bei Bedarf mit Tipps und Hinweisen. | |
| Fading (Ausblenden): Im Verlauf des Lernprozesses gewinnt der Novize Kompetenz und Selbstvertrauen. Der Experte blendet sich beziehungsweise seine Hilfestellung schrittweise aus. | |
| Articulation (Artikulation): Der Lerner formuliert seine Gedanken bei der Ausführung. | |
| Reflection (Reflektion): Der Lerner vergleicht seinen Problemlöseprozess mit dem des Experten. | |
| Exploration (Exploration): Der Lerner sucht selbständig nach neuen, herausfordernden Problemen, welche mit den erlernten Fähigkeiten zu lösen sind. |
Problem Based Learning
Fallbasierter Unterricht (problem based learning) oder Projektmethode sind bekannte Unterrichtsformen, welche die Berücksichtigung vieler Aspekte gewährleisten, die von konstruktivistischen Ansätzen gefordert werden. Die Umsetzung dieser Forderungen stellt an "hypermediale Lernsysteme" (Schulmeister 1997) hohe Anforderungen.
Fallbasierter Unterricht (problem based learning) oder Projektmethode sind bekannte Unterrichtsformen, welche die Berücksichtigung vieler Aspekte gewährleisten, die von konstruktivistischen Ansätzen gefordert werden. Die Umsetzung dieser Forderungen stellt an "hypermediale Lernsysteme" (Schulmeister 1997) hohe Anforderungen.
