Welche Werte bestimmen verantwortliches Handeln?

Es ist nicht möglich, eine abschliessende Liste von moralischen Werten für eine pluralistische Gesellschaft aufzustellen. Sowohl die Auswahl wie auch die Rangfolge der Werte unterscheiden sich stark nach kulturellem und religiösem Hintergrund der einzelnen Menschen. Exemplarisch zeigt die folgende Liste, welche Werte für die Schule in einem demokratischen Staat im Kontext der europäischen Kulturen zentral sind und wie der Einsatz der ICT innerhalb und ausserhalb der Schule diese betrifft. Natürlich bestehen dabei sowohl Chancen als auch Gefahren.

  • Menschenwürde:

    Die Menschenwürde wird durch rassistische oder sexistische Inhalte in gravierender Weise verletzt. Gewaltdarstellungen und (Kinder-)Pornographie sind im Internet zu einem lukrativen Geschäft geworden.

  • Persönlichkeit:

    Die mächtigen Instrumente der ICT erlauben es, grosse Datenmengen über Individuen zu sammeln und zu verwenden, ohne dass diese überhaupt davon Kenntnis haben. Personen haben ein Recht auf Privatsphäre. Die Privatsphäre ist völlig ungeschützt, wenn Personen nicht mehr selber entscheiden, welche Informationen über sie verbreitet werden.

  • Gerechtigkeit:

    In der Informationsgesellschaft stellt das Internet eine der wichtigsten Informationsquellen dar. Ein Staat, der Chancengleichheit verspricht, muss den Zugang zum Rohstoff Information für alle Bürgerinnen und Bürger sicherstellen, und zwar nicht nur beim Zugang zur Informationstechnik, sondern auch bei den Fähigkeiten mit ihr umzugehen. Ansonsten droht eine digitale Kluft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

  • Freiheit:

    Die Verfassung garantiert ihren Bürgern und Bürgerinnen verschiedene Formen der Freiheit: Meinungs- und Informationsfreiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Medienfreiheit. Ein demokratischer Staat muss diese Freiheiten auch im Umgang mit dem Internet schützen. Zensur oder heimliche Überwachung sind nicht statthaft.

  • Wahrheit:

    Noch nie war es so einfach wie heute, Ideen und Meinungen auch weltweit zu publizieren. Früher wirkten Verlage als inhaltliche Filter und sorgten auch für einen gewissen Standard bei der Informationsqualität. Heute steht im Internet seriöse Information neben Propaganda oder Lüge, und zur Manipulation von Bildern braucht es nur ein paar Klicks.

  • Ehrlichkeit:

    Treu und Glauben gehört zu den alten Prinzipien des Rechts. Die ICT ermöglichen neue Formen von Täuschung und Betrug, z.B. die Vortäuschung einer falschen Identität oder das Plagiat. Diese dürfen nicht zur Alltäglichkeit werden.

  • Verantwortung:

    Zahlreiche Organisationen hängen heute direkt von der Sicherheit und Zuverlässigkeit ihrer ICT ab. Deshalb ist ein sorgfältiger und verantwortungsvoller Umgang mit ihr unentbehrlich geworden.

  • Friede:

    Die virtuelle Welt braucht genauso soziale Spielregeln wie die reale. Virtuelle Gemeinschaften geben sich oft selber eine Netiquette, die den Umgang der Mitglieder miteinander regelt und Konflikte auf möglichst friedliche Weise löst.

  • Solidarität:

    Das Internet birgt die Chance, Menschen über Sprach- und Landesgrenzen hinaus zu verbinden. Beispiele wie die Open-Source-Bewegung oder das Wikipedia-Projekt zeigen, dass Online-Wissensgemeinschaften mit gemeinsamen Interessen gut funktionieren können. Das Internet wird hier zu einem Übungsfeld für eine solidarische Gemeinschaft – lokal oder weltweit.

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