Synthese
Das Aufkommen der interaktiven Whiteboards (IWBs) erfolgt im grösseren Kontext von Veränderungen, die sich im Bereich der Schnittstellentechnologien und unserer Art und Weise, mit den Computern zu interagieren, abspielen. Rein technisch gesehen sind die IWBs nichts anderes als riesige taktile Bildschirme, die, indem sie ohne Tastatur und Maus auskommen, uns in die Lage versetzen, auf natürlichere und intuitivere Art und Weise mit den digitalen Ressourcen zu interagieren (Haller, 2008).
Einführung in der Schweiz
In der Schweiz wurde die Einführung dieser Technologie im Rahmen der Strategien und Ziele der ICT-Integration in den Unterricht nicht als eine Priorität angesehen. Inzwischen wird die Zahl der im Jahr 2009 weltweit verkauften IWBs bereits auf 700' 000 geschätzt (FutureSource, 2009), und auch in der Schweiz besteht eine Nachfrage. Einige schulische Einrichtungen haben sich bereits entschieden, sich mit IWBs auszurüsten, und haben dabei sehr oft als alleinige Ansprechpartner die Hersteller und Händler dieser Ausrüstungen. Die Auswirkungen, die diese neue Technologie in einem Schulzimmer haben könnte, werden zur Zeit noch untersucht.
Einschätzung der IWBs
Die interaktiven Whiteboards gelten als benutzerfreundlich (Higgins & al., 2007; Schuck & Kearney, 2007) und werden von den Lehrpersonen und Schülern allgemein positiv wahrgenommen. Die Lehrpersonen finden, dass sie sich leicht in ihren täglichen Unterricht integrieren lassen, (Moss & al., 2007) und sie sind der Ansicht, dass sie zur Verbesserung des Lernens und Unterrichtens beitragen (Higgins & al., 2005). Einerseits ermöglicht die Einfachheit, mit der Multimedia-Elemente in Präsentationen integriert werden können, den Lehrpersonen, reichhaltige Demonstrationen zu erarbeiten, die den verschiedenen Lernstilen der Schüler entgegen kommen (Higgins & al., 2007) und die Darstellung von komplexen Konzepten erleichtern (Becta, 2003).
Andererseits kann man die erstellten Ressourcen speichern und wiederverwenden, was eine gemeinsame Nutzung mit Kollegen (Becta, 2003) ermöglicht und damit zu einer Reduktion der Vorbereitungszeit des Unterrichts führt (Rudd, 2007). Die Schüler befürworten die neue Technologie und führen dabei insbesondere die Reichhaltigkeit der verfügbaren Multimedia-Funktionalitäten und die Vielfalt der zugänglichen Ressourcen an (Hall & Higgins, 2005). Mehrere Studien berichten auch von einer Zunahme der Aufmerksamkeit und der Motivation bei den Schülern (Becta, 2003; Hall & Higgins, 2005; Higgins & al., 2007; Somekh & al., 2007), selbst wenn sich die Begeisterung über das neue Instrument gemäss Moss et al. (2007) als kurzfristig erweisen könnte.
Auswirkungen der IWBs auf den Unterricht
Was die Auswirkungen der interaktiven Whiteboards auf die Unterrichtsmethoden betrifft, scheint es recht offensichtlich zu sein, dass diese neuen Wandtafeln plenare Organisationsformen des Unterrichts (Lehrperson vor der Klasse) fördern, wie dies verschiedene von Higgins et al. (2007) zusammengestellte Arbeiten zeigen. Letztere heben unter anderem die Gefahr der Zunahme eines frontalen und lehrpersonenzentrierten Unterrichts bei einer Abnahme der Gruppenarbeiten in den mit IWBs ausgestatteten Klassen hervor, was die Beobachtungen anderer Forscher bestätigen (Hennessy & al., 2007; Moss & al., 2007; Schuck & Kearney, 2007).
Zwar legten mehrere Studien nahe, dass der Einsatz von interaktiven Whiteboards den Unterrichtsrhythmus beschleunigen (Higgins & al., 2007) und die Mitwirkung und den Austausch zwischen den Schülern in kollektiven Phasen fördern kann (Becta, 2003; Hennessy & al., 2007; Higgins & al., 2005), doch sind sich die meisten der genannten Autoren einig, dass deren Nutzung mehr durch die Vermittlungskompetenzen der Lehrperson als durch die Eigenschaften des Geräts bestimmt wird. Nach Rudd (2007) genügen daher die interaktiven Whiteboards nicht, um die pädagogischen Ansätze der Lehrpersonen zu verändern, sie würden in der Regel einfach in bestehende Methoden integriert, was auch die Ergebnisse vieler älterer Forschungen zur Integration der neuen Technologien im Unterricht bestätigen. Mehrere Autoren führen an, dass erst eine grössere Vertrautheit mit dem Gerät und die Bereitstellung von qualitativ guten Ausbildungen – insbesondere was Reflexivität angeht – innovativere Praktiken begünstigen könnten (Hall & Higgins, 2005; Moss & al., 2007; Schuck & Kearney, 2007).
Fazit
Schliesslich muss festgestellt werden, dass bisher keine experimentelle Studie langfristig eine signifikante und nachhaltige Wirkung auf die schulischen Leistungen der Schüler nach der Einführung interaktiver Whiteboards in ihrer Klasse nachweisen konnte.


