Prez-vers-Siviriez, Primarschule (FR)
Standardklassenausstattung der Schule von Prez-vers-Siviriez: ein Whiteboard mit integriertem Datenprojektor und eine Projektionskamera. Die Boards arbeiten unabhängig und es gibt keinen gemeinsamen Fileserver.
Vorgeschichte
Prez-vers-Siviriez ist eine kleine ländliche Ortschaft, 40 Minuten von den Städten Freiburg und Lausanne entfernt. Sie gehört zur Gemeinde und Schulgemeinde von Siviriez, die 3 Dörfer umfasst. In der Schule von Prez-vers-Siviriez werden die letzten zwei Jahre der Primarschule unterrichtet (ungefähr 70 Schüler in 3 Klassen, 5 Lehrer). Das eher kühne Schulgebäude wurde im Dezember 2007 fertiggestellt und mit Boards statt der Standardtafel, Fernseher und Overheadprojektor ausgestattet. Händler präsentierten diese Alternative dem für den Bau verantwortlichen Gemeindevorstand. Es gab keine spezifischen Lernziele für die Einführung von IWBs, nur der Wunsch der Schulbehörde, den örtlichen Kindern die modernste Ausstattung anzubieten. Die Schule hat auch 10 Laptops, die in das Klassenzimmer für Schülerarbeiten gebracht werden können.
Entscheidungsprozess
Nach Händlerpräsentationen (durch die beiden Marktführer in der Schweiz, SMART und Promethean), die beim Entscheidungsprozess eine wichtige Rolle spielten, wählten die Lehrer der Schule ein SMART-Board mit Widerstandstechnologie aufgrund dessen offenbar leichter Bedienbarkeit (Finger-Interaktion) und des fehlenden Magnetismus zwischen dem Board und dem Stift. Die niedrigen Preise waren auch ein Plus. Die Lehrer hatten vorher keine Checkliste von Kriterien, um das Board auszuwählen. Sie wurden von den Präsentationsfähigkeiten des SMART-Vertreibers beeinflusst (ein Lehrer hatte den Eindruck erhalten, dass weniger Computerkenntnisse erforderlich sind, um ein SMART-Board zu steuern). Als sie vor die Wahl gestellt wurden, in ihrem Klassenzimmer einen Laptop oder einen stationären Computer zu haben, entschieden sich die meisten Lehrer für den Laptop. Der Wiederverkäufer installierte die Boards und leistet weiter technischen Support.
Ausstattung
In jedem Klassenzimmer von Prez ist ein Board mit integriertem Datenprojektor und eine Projektionskamera, das Gerät, das die Lehrer am meisten schätzen: "Wir haben eine Projektionskamera, mit der wir (auf Papier erstellte) Schüler- und Gruppenarbeiten oder Bilder aus einem Buch projizieren können. Dies ermöglicht uns, den Denkprozess auf Papier zu beobachten, zum Beispiel die Lösung eines Problems zu verfolgen." Es gibt keine anderen Darstellungsflächen (Tafel oder Whiteboard), aber die Lehrer haben kleine Whiteboards gekauft, um Hausarbeiten, das Tagesprogramm, Kurznotizen usw. zu notieren.
Nach 18 Monaten schätzen die Lehrer, dass die Boards je nach Lehrer zwischen 30 % bis 70 % der Zeit benutzt werden. Aus gesundheitlichen Gründen (LINK) glauben Sie, dass es für Lehrer und Schüler am besten ist, die Boards abzustellen, wenn sie nicht benutzt werden. Sie bemühen sich darum, das richtige Gleichgewicht zu finden und nicht zu sehr auf die Präsentation von Materialien oder die Beherrschung der Funktionalitäten des Boards zu fokussieren: "Was wichtig zu sein scheint, ist, wie wir das neue Instrument in unsere tägliche Arbeit integrieren. Das Board sollte nicht die ganze Zeit im Mittelpunkt stehen. Es ist ein Instrument, das dem Lernen dienen soll, und es sollte nicht ein Ziel an sich werden."
Lehrerausbildung
Zwischen 2003 und 2008 nahmen alle 4 500 Lehrer des Kantons Freiburg etwa 30 Stunden an einer Lehrerausbildung zur IKT-Integration teil und implementierten ein IKT-Integrationsprojekt mit ihren Schülern. Obwohl die Ausbildung nicht speziell IWBs behandelte, sind viele der erworbenen Fähigkeiten für die Benutzung der Boards unerlässlich:
-
Textverarbeitung
-
Im Internet nach Texten, Bildern, Videos, Animationen suchen
-
Präsentationen erstellen
-
Bilder, Video und Audio aus dem Web in Präsentationen einfügen
-
Benutzung der educanet²-Plattform für die Datenspeicherung.
Die Lehrer von Prez sind der Meinung, dass es für sie schwierig gewesen wäre, die IWBs vom ersten Tag an ohne diese Grundlagen zu benutzen, da IWBs mehr Multimedia-Kenntnisse (insbesondere hinsichtlich Dateityp und Dateigrösse) als die traditionelle Computernutzung erfordern.
Ausbildung durch die Händler
Ferner bestand die von den Händlern angebotene spezifische IWB-Ausbildung aus 90 Minuten technischer Schulung (Beherrschung der IWB-Funktionalitäten). Der Ausbilder war ein IWB-Wiederverkäufer ohne Lehrerfahrung, und die Vorführung beinhaltete keine Beispiele guter Klassenzimmerpraxis. Es gab auch keine Zeit zum Ausprobieren. Die Lehrer sind heute der Auffassung, dass die Vorführung täuschend einfach war und ihnen nicht geholfen hat, ihre wirklichen Bedürfnisse einzuschätzen – die am Anfang vor allem technischer Art waren. Eine Lehrerin schilderte, durch die Funktionalitäten des Boards so geblendet und überwältigt gewesen zu sein, dass sie fast keine Fragen gestellt hat. Anfänglich war mehr Ausbildung im Curriculum geplant, doch dies wurde nie umgesetzt.
In den ersten Wochen und Monaten fiel es den Lehrern mit wenig ICT-Kenntnissen schwer, sich an das Unterrichten mit dem Board anzupassen, und sie hatten keine andere Schreiboberfläche, auf die sie ausweichen konnten. Mit den Funktionalitäten für Mathematik taten sich die Lehrer anscheinend besonders schwer (ein Lehrer sagte, die Geometrie-Werkzeuge seien ohne ausführliche Schulung "unbenutzbar").
Erfahrungsbericht
Die Lehrer benutzen die Boards jetzt seit eineinhalb Jahren täglich und hatten viel Gelegenheit, ihre ICT-Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. In Anbetracht dessen, wie wenig Ausbildung erfolgt ist, scheinen sie es gut zu machen und melden sehr wenig technische Probleme. Es gibt keinen technischen Koordinator vor Ort, aber die Lehrer können mit der Hilfe und Unterstützung des erfahrenen Lehrers der Schule rechnen (um den Laptop an den Datenprojektor anzuschliessen, um Support zu holen, wenn erforderlich, usw.), der auch Teilzeit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg als Mentor arbeitet.
Selbst wenn sie keine grösseren Probleme mit den Boards haben, sind die Lehrer der Ansicht, dass sie nur einen Teil ihrer Funktionalitäten benutzen – hauptsächlich diejenigen, die mit einem Computerdatenprojektor und einer Projektionswand verfügbar sind. Sie denken, dass sie die Boards viel besser nutzen könnten, wenn sie eine ausführliche Schulung erhalten würden und Zeit hätten, sich mit fortgeschrittenen Funktionalitäten des Boards vertraut zu machen und Ressourcen zu teilen: "Wenn wir wollen, dass die Schüler die Boards voll nutzen, müssten wir eine bessere Ausbildung erhalten."
Evaluation
Dennoch glaubt der erfahrene Lehrer, dass eine intensivere Ausbildung in der Anfangsphase vielleicht kontraproduktiv gewesen wäre. Ihren eigenen Geräten überlassen, erkundeten die Lehrer das Board in ihrer eigenen Geschwindigkeit und tauschten ihre Entdeckungen miteinander aus: "Wir entdeckten Funktionalitäten schrittweise, ohne etwas zu überspringen. Persönliches Entdecken ermöglichte uns, in unserem eigenen Rhythmus Fortschritte zu machen. Einige Monate später habe ich jetzt das Bedürfnis, meine Kenntnisse der Funktionalitäten des Boards zu vertiefen." Um einen graduellen Übergang zu innovativeren Praktiken zu bewirken, wäre jetzt mehr ausführliche interne Lehrerausbildung erforderlich. Dies könnte wiederum einen zusätzlichen gegenseitigen Austausch von guten Praktiken und Ressourcen fördern.
Wie in anderen Fallstudien hervorgehoben wurde, scheint eine starke Korrelation zwischen den ICT-Kenntnissen einer Lehrerin oder eines Lehrers und der Nutzung des IWBs durch diese oder diesen zu bestehen. Ein Lehrer, der Mühe mit einem Computer hat, tendiert dazu, das Board fast ausschliesslich als Tafel und als Projektionsfläche zu verwenden. Die erfahreneren Lehrer lassen sich eher auf digitale Inhalte wie Bilder, Flash-Animationen usw. ein und sprechen so verschiedene Lernstile an (der visuelle Input ergänzt die mündliche Präsentation der Information).


