Nadia Lamamra

von Nadia Lamamra

Es handelt sich um einen Bericht über ein Experiment im Rahmen der F3MTIC-Kurse in Genf, das die Geschlechterperspektive in diese Ausbildung integrieren sollte. Zu diesem Zweck wurden zwei Ausbildungstage eingesetzt, um die Kriterien für die (re)Produktion sozialer Rollen bzw. Stereotypen in verschiedenen Ausbildungsbereichen herauszuarbeiten: Lehrmaterial, Sprache, Art des Unterrichts, Interaktionen etc.

Bestätigung die bereits bestehenden Studien

Die Beobachtungen bestätigen zunächst die bereits bestehenden Studien:Frauen – eine in dieser Art Ausbildung besonders unterrepräsentierte Gruppe – sind nach Regionen zusammengeschlossen, beteiligen sich wenig an Plenumssitzungen, tun sich dafür aber leichter in Arbeitsgruppen oder bei durch den/die Ausbildner/in initiierten Diskussionen.

Die pädagogischen Hilfsmittel und die Sprache der Ausbildner/innen benutzen zumeist die männliche Form; eine Ausbildnerin mit einem Beitrag zum Thema Geschlechter und der Organisator des Experiments bildeten hierbei eine Ausnahme.

In einem zweiten Schritt befasst sich der Artikel eingehender mit noch unveröffentlichten Aspekten im Zusammenhang mit dem Einsatz von ICT im Unterricht.

Zwei Element wurden besonders betrachtet:

der Einsatz eines Computers bei Gruppenarbeiten und die Abhaltung von Plenarsitzungen vor einer Webcam.

Einsatz des Computers bei Gruppenarbeiten

Bezüglich Einsatz des Computers bei Gruppenarbeiten liess sich beobachten, dass sich die Männer "spontan" an die Tastatur setzten und "Sekretariatsaufgaben" übernahmen, die laut zahlreichen Studien im Allgemeinen Frauensache sind. Es macht den Anschein, als ob der Computer eine neue Organisationsform in der Gruppenarbeit hervorgebracht habe.

Wie lässt sich nun diese neue Arbeitsteilung interpretieren? Handelt es sich um eine gleichwertigere Aufteilung der Aufgaben? Oder handelt es sich im Gegenteil um eine Neudefinition der Aufgaben, wobei die Sekretariatsaufgaben mit der Ausarbeitung und der Konzeption gekoppelt sind? Im zweiten Fall würde es sich um eine tiefgreifende Änderung, nämlich um eine Aufwertung handeln.

Einsatz einer Webcam im Unterricht

Der zweite Aspekt steht im Zusammenhang mit dem Einsatz einer Webcam im Unterricht, die normalerweise für Fernkurse gebraucht wird. Das eingeschränkte Blickfeld der Webcam zwang die Teilnehmenden dazu, sich durch den Raum zu bewegen, wenn sie ein Votum abgeben wollten. Es macht den Anschein, als ob diese Bedingung die Beteiligung der Frauen zusätzlich einschränkte.Die Literatur belegt tatsächlich, dass Frauen sich mit Interventionen schwerer tun, vor allem, wenn sie sich spontan äussern sollten. Andere Studien zeigen zudem eine vermehrte Mobilität der Männer im Klassenzimmer. Durch die Präsenz einer Webcam wurden beide Aspekte verstärkt.

Schlusswort

Muss man also davon ausgehen, dass ICT die Gleichstellung negativ beeinflussen? Die hier dargestellten Beobachtungen beantworten diese Frage mit Nein. Tatsächlich sind die dargestellten Unterschiede im Unterricht nichts Neues – die ICT mache sie allerdings deutlich. Da ICT neue Gelegenheiten für geschlechtsspezifische Unterschiede bieten, zeigen sich diese mitunter verschärft. Somit wirken ICT enthüllend und zeigen nicht nur, wo Ungleichheiten auftreten bzw. weitergegeben werden, sondern auch, wo zu intervenieren ist, um die Gleichstellung im Unterricht möglichst umfassend durchzusetzen.

Download Artikel

183586-183588-1-article_lamamra.pdf
Les TIC dans l’enseignement : nouveaux questionnements sur les rapports de genre (PDF, 177.17 KB)

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