E-Learning am ZAG
Am Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen Kanton Zürich (ZAG) wird mit der online Lernumgebung eZAG gearbeitet. Der Berufsschullehrer für Pflegeberufe und Mitarbeiter im E-Learnigteam, Thomas Koch, erstellt Inhalte nach mediendidaktischen Gesichtspunkten und fördert so die Medienkompetenz der Lernenden.
"Vor der Anschaffung der Computer soll erst einmal das Denken kommen. Die zentralen Fragen sind hier: Warum wollen wir E-Learning und welchen didaktischen Mehrwert soll uns E-Learning bringen? Es ist eine gute Gelegenheit, im Rahmen eines E-Learningprojektes die Kultur des Lernens und Lehrens an der Schule zu hinterfragen."
Thomas Koch, Berufsschullehrer und Mediendidaktiker
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Ich wollte so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen und nach der Schulzeit, war das Eintauchen in das Arbeitsleben eine neue und spannende Erfahrung für mich. Ein wenig wolle ich auch meinen Vater ärgern. Für ihn war man erst mit einem Hochschulabschluss ein vollwertiger Mensch und sein Lieblingsspruch hiess: „Wer nichts wird, wird was Soziales.“ Also habe ich eine Lehre in einem sozialen Beruf absolviert.
Welchen Stellenwert messen Sie E-Learning an einer Berufsfachschule zu?
Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist eine Realität, der sich die Berufsfachschulen stellen müssen. So ist es wichtig, dass die angehenden Berufsfachleute auf das Arbeiten, aber auch auf das Lernen mit dem Computer vorbereitet werden. Denn die kontinuierliche Weiterbildung, im Sinne eines lebenslangen Lernens wird den Werdegang vieler Berufsfachschulabsolventen prägen. Dafür müssen sie zum einen in der Lage sein, eigenständig zu lernen, zum anderen müssen sie den Computer, das Internet und Intranet als Lernressource nutzen können. E-Learning ist als Methode hervorragend geeignet, um diese Kompetenzen zu fördern.
Skizzieren Sie doch das E-Learning-Konzept am ZAG.
Unter der fachkundigen Leitung von Heike Spurek und Jeannette Gottier konzeptioniert unser E-Learningteam, im Rahmen des Projektes eZAG Campus, computergestützten Lernangebote. Dabei generieren wir keine reinen E-Learningarrangements, sondern setzten auf Blended Learning, einer Mischform aus herkömmlichen Lehrmethoden und dem Lernen mit dem Computer. Basis für die Blended-Learningangebote ist unsere internetgestützte OLAT - Lernplattform. Hier werden Angebote für alle Programme des Bildungszentrums aufgeschaltet. Diese Angebote bestehen aus Lerninhalten und Werkzeugen zur Kollaboration und Konstruktion. Den Mehrwert von E-Learning sehen wir in der Möglichkeit, interaktive und animierte Inhalte bereitzustellen. Weiter ermöglichen unsere E-Learningangebote selbstgesteuertes und ortsunabhängiges Lernen. Auch helfen sie Lerninhalte zu standardisieren und fördern so die Qualität des Unterrichts. Unser Bestreben ist es, hochwertige Lernangebote zu erstellen, die für die Anwender nutzbringend sind. Das ist aufwendig und mit entsprechenden Kosten verbunden. Um den Aufwand in einem vernünftigen wirtschaftlichen Rahmen zu halten, nutzen wir intern und extern Synergien. Intern schauen wir, dass die Inhalte so aufbereitet werden, dass sie für die verschiedene Bildungsgänge und Niveaustufen genutzt werden können. Extern arbeiten wir eng mit der Höheren Fachschule Gesundheit und Soziales Aarau zusammen. Hier erstellen wir gemeinsam E-Learningangebote für den Bildungsgang Höhere Fachschule Pflege. Neben den E-Learninginhalten, stehen für uns methodisch-didaktische Überlegungen, die Beratung und Schulung der Nutzer, sowie der Aufbau und Erhalt einer funktionierenden ICT - Infrastruktur im Zentrum des E-Learningkonzeptes.
Welche Bedeutung haben die Lehrerinnen und Lehrer dabei?
Unser E-Learningteam arbeitet im Auftrag der Lehrerinnen und Lehrer. In der Praxis sieht das so aus: Eine Lehrperson, die E-Learningangebote in ihren Unterricht integrieren will, meldet sich bei unser Teamleiterin. Sie klärt den medienpädagogischen Beratungsbedarf ab und skizziert anhand eines E-Learningdrehbuches, wie die Lernressource umgesetzt werden soll. Dafür ist dann unser E-Learningteam zuständig. Je nach Computer Literacy erbringen die Lehrpersonen mehr oder weniger Eigenleistung. Mit modellhaften Blended-Learningangeboten zeigen wir auf, was möglich ist. Auch werben wir mit dem Einsatz dieser Modellangebote für unsere Dienstleistung. Diese Werbung ist notwendig, denn E-Learning ist noch immer etwas Neues. Was neu ist, kann Angst machen und Widerstände auslösen. Wichtig ist es diese Ängste ernst zu nehmen und den Lehrpersonen aufzuzeigen, dass E-Learning eine Methode ist, die einen klaren Mehrwert bringt, die Unterrichtsqualität hebt und ihnen die tägliche Arbeit erleichtert. Es hilft enorm, wenn die Lehrpersonen die Blended-Learningangebote als etwas erkennen, dass sie selbst geschaffen haben und bei denen sie in bester Dienstleistungsmentalität vom E-Learningteam unterstütz wurden.
Unser Angebot an die Lehrpersonen wird rege genutzt und die Anfragen übersteigen teilweise die Kapazität des E-Learningteams. Deswegen setzen wir verstärkt auf die mediendidaktische Schulung der Lehrpersonen. Weitgehend in Eigenregie erstellte E-Learningarrangements gibt es mittlerweile in den Programmen Ergänzende Bildung Fachangestellte Gesundheit und Höhere Fachschule Pflege. Auch unser Anatomieteam gehört hier mit eigenen Frageforen und Podcastangeboten zur „E-Learningavantgarde“.
Wie ist Ihr E-Learningteam aufgebaut und welche Aufgaben haben Sie?
Unser E-Learningteam besteht aus fünf Mitarbeitenden. Heike Spurek ist die Projektleiterin. Sie steht auch dem Ressort Pädagogische Entwicklung vor, dem das E-Learningteam angegliedert ist. Jeannette Gottier leitet das E-Learningteam, koordiniert die Aufträge und konzipiert z.B. die Blended-Learningarrangements des Bildungsgangs Höhere Fachschule Pflege. Zudem organisiert sie die Userverwaltung. Zwei studentische Mitarbeiter helfen ihr die Drehbücher um zusetzen. Sie pflegen die Inhalte in die Lernplattform ein, bearbeiten Bildmaterial und erstellen Selbsttest und Flashanwendungen. Ich bin der Fachmann für den Content, das heisst für die medienpädogische Aufbereitung der Inhalte. Ausserdem habe ich Blended-Learningangebote für den Bildungsgang Ergänzende Bildung Fachangestellte Gesundheit konzipiert und realisiert. Der Bereich Fotographie gehört auch zu meinen Spezialitäten. Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Einsatz von Filmen und Animationen. In Zusammenarbeit mit dem Ressort Training & Transfer drehe ich Lernvideos in denen Pflegehandlungen simuliert werden. Auch arbeite ich im ABZ Curriculumsverbund Höhere Fachschule Pflege mit. Hier generiere ich Lernvideos zu den Printlehrmitteln der Reihe Training & Transfer, die im hep-Verlag erscheinen. Weiter beschäftige ich mich mit der Frage, wie man Unterrichtsmitschnitte erstellen und die zentralen Punkte in den Vorlesungen und Demonstrationen, mit geringem Aufwand auf der Lernplattform publizieren kann. Dank der hervorragenden medientechnischen Infrastruktur des ZAG stehen mir hier viele Möglichkeiten offen.
Welches Vorgehen raten Sie einer Schule, die ein E-Learning-Projekt starten will?
Vor der Anschaffung der Computer soll erstmal das Denken kommen. Die zentralen Fragen sind hier: Warum wollen wir E-Learning und welchen didaktischen Mehrwert soll uns E-Learning bringen? Es ist eine gute Gelegenheit, im Rahmen eines E-Learningprojektes die Kultur des Lernens und Lehrens an der Schule zu hinterfragen und zu überlegen, wie E-Learning in diese Kultur passt. Wesentlich ist, dass die Schulleitung das Projekt voll und ganz unterstützt.
Drei Säulen tragen ein E-Learningprojekt: Die Inhalte, die technischen Aspekte und die methodisch-didaktischen Gesichtspunkte. Allen drei Bereichen muss gleichviel Beachtung geschenkt werden.
Es lohnt sich die Zusammenarbeit mit Schulen zu prüfen, die erfolgreiche E-Learning implementiert haben, denn nicht jeder muss das Rad neu erfinden. E-Learning ist erstmal teuer und dort, wo man mit anderen Schulen zusammenarbeitet, lassen sich Kosten sparen. Auf keinen Fall sollten E-Learningprojekte nur in die Hände von Informatikern gelegt werden. Sie sind unentbehrlich für die Beurteilung der technischen Aspekte. Inhaltliche, didaktische und gruppendynamische Gesichtspunkte würden von ihnen nicht adäquat gewürdigt.
Das Verwaltungsnetzwerk der Schule muss physisch vom E-Learningnetz getrennt werden. Die Restriktionen in einem für E-Learning genutzten Netzwerk dürfen nicht so hoch sein wie die, die bei der Schulverwaltung gelten.
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?
Die schweizerische Berufsbildung muss ihre Absolventen konkurrenzfähig machen, damit sie in einer globalisierten, digitalisierten und komplexer werdenden Arbeitswelt bestehen können. Die immer kürzer werdende Halbwertszeit von Wissen und der immer rasanter stattfindende technische Wandel erfordert Arbeitende, die flexibel und für das lebenslange Lernen gut gerüstet sind. Kantonaler Bildungsföderalismus sollte hier gemeinsamen Konzepten weichen. Dabei muss das Bildungssystem durchlässiger werden. Neben den formal erworben Kompetenzen sollten auch die informell und non- formal gewonnen Fähigkeiten Gewicht bekommen. Es gibt Bestrebungen in diese Richtung. Ich denke, die müssen noch konsequenter vorangetrieben werden.
24.08.2010
Kontakt
E-Mail Thomas Koch: thomas.koch@zag.zh.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno Berufsbildung educa.ch g.zahno@red.educa.ch


