Gender - Definitionen
Der Begriff Gender geht auf die 1970er-Jahre zurück. Zu dieser Zeit begannen feministische Forscherinnen insbesondere auf universitärer Ebene nach den Frauen und ihrer Geschichte, nach ihrer Rolle in der Gesellschaft und nach den Unterschieden zwischen Männern und Frauen zu fragen. Sie wollten mit ihrer Arbeit aufzeigen, dass die Ungleichheit zwischen Mann und Frau nicht natürlich begründet sei, sondern Resultat einer vorherrschenden Ideologie ist. Ihre Rechtfertigung fand diese Ideologie darin, biologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern hervorzuheben und daraus unterschiedliche soziale Rollen der Geschlechter abzuleiten. Gleichzeitig wurde so die untergeordnete gesellschaftliche Position der Frauen festgeschrieben. Wenn also Frauen und Männer, Mädchen und Jungen in der Gesellschaft nicht gleich behandelt werden, geschieht dies, weil davon ausgegangen wird, dass sie fundamental verschieden sind.
Frauenforschung
Seit den 1970er-Jahren wurden die Forschungen zu Gender, Frauen und Männern laufend fortentwickelt, und sie konnten sich über die Universitäten hinaus Gehör verschaffen. Während die Forscherinnen und die wenigen Forscher zuerst Frauenforschung betrieben, verfeinerten sie im Laufe der Zeit ihre Fragestellungen und ihre theoretischen Überlegungen. In den 1980er-Jahren tauchte der Begriff „Gender“ auf. Dieser versuchte, nicht mehr nur Frauen-, bzw. Männerforschung zu betreiben, sondern sollte den Blick schärfen für das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.
Gender im Alltag
Seit den 1990er-Jahren fand das Gender-Konzept den Weg aus den Universitäten und Eingang in den Alltag. Einerseits fand dies vor dem Hintergrund der institutionalisierten Gleichstellungsarbeit statt, andererseits stellten viele staatliche und Institutionen aus der Privatwirtschaft den Anspruch, die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu fördern. Gender fand so Eingang in die Alltagspraxis. Immer öfter benutzen Institutionen die Gender-Ansätze als Instrument, um die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Dies wird Gendermainstreaming genannt.
Unterschiedliche Definitionen
Was unter Gender verstanden wird, hat sich über die Jahre laufend geändert. Die Theorie nimmt immer wieder neue Fragen auf und setzt diese in einen Zusammenhang mit dem Begriff „Gender". Eine genaue Definition dessen, was Gender genau ist, kann deshalb nicht gegeben werden. Die unterschiedlichen Verständnisse haben oftmals ihren Ursprung in der Weltanschauung jener Personen, die den Begriff nutzen und weiterentwickeln. Dabei sind folgende Konzepte des Begriffs am häufigsten:
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Gender wird als sozial kontruiert verstanden, also als Resultat gesellschaftlicher Beziehungen, gleich wie zum Beispiel Klasse (als Begriff für soziale Ungleichheit, die Zugehörigkeit zu einer Nation oder Alter. Diese Faktoren, so wird angenommen, strukturieren die Gesellschaft und weisen den Menschen bestimmte Orte darin zu.
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Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen und ihre Ungleichheit (rechtlich, wirtschaftlich und sozial) sind also nicht natürlich bedingt, sonder Resultat der Gesellschaft. Die Gründe dafür reichen von der Erziehung und Sozialisation der Menschen über deren konkrete Alltagserfahrungen bis hin zur Organisation des Wirtschafts- und des Staatswesens.
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Gleichzeitig ist Gender ein Analysebegriff, der zeigt, wie soziale Ungleichheit und die Differenz zwischen Mann und Frau historisch entstanden sind, und Hand zur Analyse beitet, wie beides laufend fortgeschrieben wird.
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Gender hat einen Einfluss auf alle Bereiche in der Gesellschaft, ist also ein Querschnittsthema. Weil das Geschlechterverhältnis und die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau in allen Belangen von Bedeutung sind, finden sie auch in allen gesellschaftlichen Bereichen ihren Ausdruck.
Gender und seine Bedeutung im Unterricht
So gesehen spielt Gender auch im Unterricht und im Umgang mit den Informations- und Kommunikationstechnologien eine wichtige Rolle. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Erziehung (in der Schule, in der Familie und allgemein als Mitglied der Gesellschaft) für die unterschiedliche Sozialisation von Mädchen und Jungen von grosser Bedeutung ist.


