Erziehung Mädchen Jungen
Frauen und Männer nutzen den Computer auf unterschiedliche Art und Weise und nicht gleich häufig. Ob dies nun ein fehlendes intrinsisches Interesse seitens der Frauen am Computer ist? Oder doch eher eine natürliche Zurückhaltung gegenüber der Technik? Gemäss Studien, die Gender in ihre Analyse einbeziehen, sind die Gründe dafür anderswo zu finden.
Computer = Technik = männlich
Bereits während der frühesten Kindheit lernen Kinder, dass es zwei unterschiedliche Geschlechter gibt, dass sie einem angehören, und dass damit kulturelle Normen verbunden sind. Die Kinder beginnen durch Lernen damit, zwischen „weiblichen“ und „männlichen“ Gegenständen, Attributen und Veraltensweisen zu unterscheiden. Dabei bevorzugen Knaben jene Gegenstände, die sozial als „zum Mann gehörig“ eingestuft werden, Mädchen hingegen fühlen sich zu typisch weiblichen Gegenständen hingezogen.
Der Computer nun gehört eindeutig zur Technik, und bereits kleine Kinder assoziieren mit der Technik in der Regel Männlichkeit. Da diese ungleichen Affinitäten sich bei Kleinkindern sehr früh entwickeln, fällt es leicht, diese Unterschiede als biologisch und angeboren zu taxieren. Und dennoch sind diese Unterschiede vor allem Resultat von Lernprozessen.
Zwei Arten sozialen Drucks
Gleich nach der Geburt wird das Individuum mit zwei Arten sozialen Drucks konfrontiert:
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Einerseits ein normativer Druck, der die Verhaltensweisen des Individuums beeinflusst. Entzieht sich jemand diesem Druck, so muss er mit dem Missfallen der Gesellschaft oder gar Sanktionen rechnen. Entspricht jemand allerdings dem sozialen Druck, wird sie oder er gelobt und ermutigt, dieses Verhalten beizubehalten. Wer hat noch nie gehört, dass es sich für ein Mädchen nicht gehöre, sich mit andern Kindern zu raufen, oder ein Junge nicht weine?
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Andererseits wird von früh an ein informeller Druck auf das Individuum ausgeübt. Indem das Kind seine Umgebung beobachtet, lernt es, welche Verhaltensweisen „richtig“ oder „falsch“ sind. In Bezug auf die Geschlechterrollen orientieren sich Kinder, sobald sie sich ihres eigenen Geschlechts bewusst sind, an Personen des gleichen Geschlechts, Mädchen an Frauen, Jungen an Männern. Darüber lernen sie, wie sich eine Frau bzw. ein Mann zu verhalten habe, welches Benehmen das richtige sei.
Identität als Mann oder Frau
Hier wiederum erlangt der Alltag, der einem Individuum vorgelebt wird, zentrale Bedeutung. Das Kind nimmt auf, wer für die Hausarbeit, wer für Gartenarbeit zuständig ist, dass es Unterschiede gibt zwischen der Erwerbstätigkeit des Vaters und jener der Mutter, dass Männer andere Sportarten ausüben oder dass sich Mädchen und Knaben in den Bilderbüchern oftmals anders verhalten. Diese Beobachtungen spielen in der Entwicklung einer Identität als Mann oder Frau eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Vorlieben und Verhaltensweisen von Mädchen und Knaben
Die unterschiedliche Sozialisation beeinflusst auch die Vorlieben und Verhaltensweisen von Mädchen und Knaben. Wenn zum Beispiel der Familien-Computer ausschliesslich vom Vater und vom grösseren Bruder genutzt wird, die Mutter und die Lehrerin ihrerseits diesen scheuen wie der Teufel das Weihwasser, entsteht bei einem Kind leicht die Überzeugung, dass der Computer etwas sei, wofür die Frauen nicht gemacht sind.
Berufswahl
Auch in der Berufswahl zeigt sich die unterschiedliche Sozialisation von Jungen und Mädchen. In den westlichen Ländern ist der Arbeitsmarkt geschlechtsspezifisch segregiert. Berufe, in denen der Dienst an der Gemeinschaft im Zentrum steht, wie das Sozial-, das Schul- und das Gesundheitswesen, die ein gewisses Mass an Empathie, ein offenes Ohr sowie Aufmerksamkeit gegenüber den Bedürfnissen anderer erfordern, sind in der Regel typische Frauenberufe. Genau diese Fähigkeit, Beziehungen zu pflegen sowie die kommunikativen Aspekte dieser Berufe sind jene, die bei heranwachsenden Mädchen besonders geschätzt werden. Wählen Mädchen nun einen Beruf in einem dieser Bereiche, entspricht dies den Erwartungen, die das Umfeld und die Gesellschaft an sie stellen. Umgekehrt sind handwerkliche, technische und wissenschaftliche Berufe, die so genannt männliche Fähigkeiten erfordern, denn auch von Männern dominiert.
Normen
Heute herrscht bei Eltern wie Lehrpersonen wie nie zuvor die Überzeugung vor, dass im Unterricht kein Unterschied zwischen Mädchen und Knaben gemacht werden dürfe. Dennoch spielen die soeben erläuterten sozialen Normen nicht nur in Familie und Schule eine Rolle. Jeder Spielzeugwaren-Laden unterscheidet Rayons für Mädchen und Jungen. So finden sich Eisenbahnen, Werkzeugkisten und anderes technisches Spielzeug im Rayon „Knaben“, Puppen und Schminkutensilien im Rayon „Mädchen“. Jede noch so egalitäre Erziehung seitens der Familie und der Schule kann durch Fernsehen, Jugendzeitschriften oder wegen des Drucks der Mitschülerinnen und –schüler vereitelt werden.
Mehr Informationen
Mehr Informationen zu diesem Thema finden sie in den Ressourcen des Dossiers und auf der Website der belgischen Vereinigung « Ada – femmes et nouvelles technologies » (auf französisch), worauf sich die Ausführungen grossenteils stützen.


