Collège de la Carrière, Crissier (VD)
Das Collège de la Carrière, Primar- und Sekundarschule, wurde 2005 in Crissier, einem Vorort von Lausanne, erstellt. Die Einführung von IWBs in diese neue Schule war eines der ersten Pilotprojekte in der Schweiz das sorgfältig geplant und evaluiert wurde.
Der Bau des neuen Schulhauses zog bereits eine Diskussion wegen der Innenausstattung nach sich. Der Direktor der Schule, die Lehrpersonen und die Gemeinderäte diskutierten die Möglichkeit, ICT im gesamten Lehrplan einzusetzen. Dass schlussendlich das Pilotprojekt IWB das Licht des Tages erblickte ist der Initiative des Leiters IT und seinen zahllosen Präsentationen und Schulbesuchen zu verdanken. In allen Schulzimmern des neuen Gebäudes wurden schliesslich interaktive Whiteboards installiert.
| Traditionelle Ausrüstung | Ausrüstung IWB | |
|---|---|---|
| Schiefertafel | IWB Promethean mit interaktivem Stift in der Hälfte der Klassenzimmer | |
| Laptop für Lehrperson | ||
| 2 kleine Weisswandtafeln seitlich | ||
| Overhead Projektor | Datenprojektor | |
| Scanner oder Projektionskamera | ||
| Diaprojektor | Ø | |
| Fernsehgerät und DVD-Player | Ø | |
| Landkarten | Ø | |
| Hi-Fi und Stereo | Computer-Lautsprecher |
Die Lehrpersonen wählten elektromagnetische IWBs, die mit einem Stift funktionieren (Hersteller: Promethean), weil sie wollten, dass die Kinder selber mit einem ergonomischen Stift auf den Weisswandtafeln schreiben konnten. Obwohl der Bau des Schulhauses bereits fortgeschritten war, als die Entscheidung für die IWBs fiel, konnte man die Einrichtung der Klassenzimmer im Hinblick auf die IWBs noch anpassen (Sichtschutz, Positionierung des Projektors und der Lautsprecher, etc.).
Ausbildung der Lehrpersonen
Sehr wichtig für eine gelungene Einführung der IWBs war eine intensive Ausbildung der Lehrpersonen durch die PH Lausanne, den lokalen Verantwortlichen für Technik und den Entwickler von Uniboard, einem innovativen IWB. Diese Weiterbildungsinitiative war absolut notwendig, weil der grösste Teil der Lehrpersonen nicht über ausreichend technische Kenntnisse verfügten, um die neue Technologie in vollem Umfang nutzen zu können.
Erste Schritte
Das erste Weiterbildungsmodul begann eine Woche für Schulbeginn und zog sich über die zwei ersten Monate dieses Schuljahres hin. Die ursprüngliche Idee des Trainers war, sich auf innovative Ideen zur Nutzung der IWBs zu konzentrieren und die Lehrpersonen anzuspornen, Beispiele für eine gute Integration von ICT zu entwickeln. Allerdings stimmte diese Vorstellung nicht mit der der Lehrpersonen überein: sie sahen Innovation und Technologie als Stressfaktoren an und wollten einfach nur unterrichten wie vorher - mit neuen Werkzeugen. Die Trainer passten ihr Kursprogramm dieser Vorstellung an: Das erste Modul baute den Klassenalltag einer Lehrperson (schreiben und löschen, ein Geometrieproblem lösen, Vokabeln aufschreiben, Hausaufgaben korrigieren, mit einer Landkarte arbeiten, einen Videoclip zeigen etc.) in die IWB-Umgebung ein. Der Kurs wurde als abfolge verschiedener praktischer Workshops organisiert und der Verantwortliche für Technik leistete ausgiebigen Vor-Ort-Support, so dass die Lehrpersonen die Angebote ihren speziellen Bedürfnisse anpassen konnten.
Weitere Entwicklung
In einem zweiten Modul, das nach zwei Monaten Pause stattfand und von 40% der Lehrpersonen besucht wurde, sollte jede Lehrperson einen innovativen Unterrichtsplan mit dem IWB erstellen. Dabei sollten alle Möglichkeiten des IWB ausgenutzt werden, es sollte mit Hilfe eines der Trainer in das Klassenzimmer integriert werden und im Anschluss mit den Kollegen in Diskussionsgruppen diskutiert werden.
Die Bedürfnisse, die die Lehrpersonen nach diesem zweiten Modul formulierten, bezogen sich vor allem auf eine genauere Einbeziehung der IWBs in die verschiedenen Fächer mit Betonung auf den entsprechenden Unterrichtsressourcen.
Ergebnisse des Pilotprojekts
Juni 2006, Ende des ersten kompletten Schuljahres mit den IWBs, wurde eine Zwischenevaluierung durchgeführt. Sowohl die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse (die zwei Jahre mit den gleichen Lehrpersonen verbracht hatten - eines mit und eines ohne IWBs) wie auch die 21 Lehrpersonen sollten Online-Fragebogen ausfüllen. Ziel des Lehrer-Fragebogens war es, zwei Hypothesen zu testen:
-
Hatten die Weiterbildungskurse für Lehrpersonen einen entscheidenden Einfluss auf die Häufigkeit und die Art der Nutzung von IWBs?
-
Gab es grosse Unterschiede bei der Nutzung in den verschiedenen Unterrichtsfächern?
Die Resultate fielen ähnlich aus wie die anderer solcher Untersuchungen in anderen Ländern. Auf der einen Seite hatten die Lehrpersonen nicht den Eindruck, dass sich ihr Unterricht oder dessen Vorbereitung durch die IWBs sehr verändert hätte. Sie hatten eher den Eindruck, dass die Vorbereitung und die Organisation ihres Unterrichts komplizierter udn langwieriger geworden war und dass sie mehr Dokumente für Ihre Schülerinnen und Schüler vorbereiten mussten als früher.
Auf der anderen Seite hatten 67% der Lehrpersonen den Eindruck, dass sie Zugang zu unterschiedlicherem Unterrichtsmaterial hatten und 30% meinten, ihr Unterricht sei durch die IWBs interessanter geworden. 38% der Lehrpersonen beobachteten, dass ihre Schülerinnen und Schüler sich mehr im Unterricht engagierten und auch eher bereit waren, ihre Resultate und ihre Arbeiten an der Tafel vorzustellen.
Erste Hypothese
Die erste Hypothese war schnell bestätigt: Je besser eine Lehrperson, ausgebildet wurde - besonders in der zweiten Phase - desto häufiger nutzte sie die interaktive Weisswandtafel und desto innovativer fiel diese Nutzung aus. Ganz besonders wurde dies durch die Integration von Audio- und Webressourcen erreicht, die die Fragen der Lernenden beantworteten und durch grössere Interaktivität mit den Schülerinnen und Schülern.
Zweite Hypothese
In einigen Kursen hatten die Lehrpersonen den Eindruck, dass sie viel mehr Zeit und Energie in ihre Unterrichtsvorbereitung investierten als, vor allem im Französischunterricht (Muttersprache!).
Eine Analyse der Antworten brachte deutliche Unterschiede zwischen dem Nutzungsgrad von IWBs in den einzelnen Fächern ans Licht. Am meisten wurden sie in den Fächern Deutsch (Fremdsprache!) und Informatik verwandt. Diese Erkenntnisse, die die zweite Hypothese bestätigten, lassen den Schluss zu, dass die Weiterbildung mit IWBs in den Stundenplan eingebettet sein sollte und Best Practice Beispiele für den Einsatz in den verschiedenen Fächern einschliessen sollte, damit alle Lehrpersonen die Weisswandtafel voll in ihrem Unterricht einsetzen können.
Umfrage Lehrpersonen
Nach der Umfrage am Ende des ersten Jahres stellte der Technikverantwortliche fest, dass ungefähr die Hälfte der Lehrpersonen sich ziemlich gut eingearbeitet hatten mit den IWBs während die andere Hälfte ihnen eher skeptische gegenüberstand und wann immer möglich stattdessen die kleinen Weisswandtafeln benutzte.
Insgesamt meinte er, hätten die IWBs eine überlegtere und mehr auf Zusammenarbeit ausgerichtete Atmosphäre unter den Lehrpersonen geschaffen. Unterrichtsmaterialien waren obendrein auf Webressourcen ausgedehnt worden.
Umfrage Schülerinnen und Schüler
Die Ergebnisse der Schülerumfrage waren fielen vielversprechend aus. Über 90% der Lernenden fanden, dass die Schulstunden besser vorbereitet waren seit Einführung der IWBs. 65% beschrieben den Unterricht als interessanter als im vorhergehenden Jahr und die gleiche Anzahl an Schülerinnen und Schülern meinten, dass sie die Erkärungen der Lehrpersonen jetzt besser verstanden. Einige wenige klagten, dass das Unterrichtstempo jetzt zu schnell wäre oder zu bepackt mit Informationen (Negativfaktoren, die in anderen Forschungsprojekten aufgelistet wurden). Interessanterweise hatte die Einführung der IWBs die Abneigung der Schüler gegen manche Fächer verändert. 81% meinten, die IWBs hätten sich positiv auf ihre Einschätzung einzelner Fächer ausgewirkt, besonders in Mathematik und Informatik. 51% meinten sogar, ihre Noten in diesen Fächern hätten sich verbessert. Allerdings wurde dieser Erfolg nicht von den Mathematik und Informatiklehrpersonen, die den Fragebogen ausfüllten, bestätigt und könnte anderen Faktoren zugeordnet werden, die in dieser Studie nicht untersucht wurden.
Drei Jahre später…
Drei Jahre später sind der Schulleiter und der Technologiebeauftragte sehr zufrieden mit der getroffenen Wahl. Sie möchten IWBs jetzt auch in den anderen Gebäuden einsetzen. Der Grossteil der Lehrpersonen sind bereit weiter zu machen und sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, wenn vertiefende Weiterbildung und Schulsupport noch einmal angeboten werden. Leider gab es keine weitere externe Untersuchung des Pilotprojekts und daher auch keine weiteren Antworten auf die Frage, wie sich Lernen und Lehren verändern, wenn Lehrpersonen über eine bestimmte Zeitspanne hinweg IWBs benutzen. Der technische Verantwortliche sieht einen Fortschritt bei der Nutzung der Whiteboards, allerdings ist er sich nicht sicher, ob alle Funktionen der IWBs vollständig genutzt werden. Sein Augenmerk liegt nun besonders auf der Dokumentation von Good Practice Beispielen, um eine innovative Verwendung der Whiteboards zu fördern - über das hinaus, was man mit einem Computer und einem Beamer machen kann.


