Berufsschullehrerin Gesundheitsberufe
Die Berufsausbildung im Gesundheitsbereich ist seit einigen Jahren dem Berufsbildungsgesetz unterstellt. Im Verband leve sind die Berufsschulehrerinnen und -lehrer im Gesundheitswesen organisiert. Doris Künzi ist ehemalige Berufsschullehrerin und Co-Präsidentin von leve.
"Ziel der beruflichen Ausbildung muss es sein, ein breites fachliches Grundlagewissen zu vermitteln und die Lernenden so auf das anspruchsvolle Berufsfeld vorzubereiten. Hier ist die Lehrperson sowohl in der Fach- wie auch in der Sozial-, Methoden- und Selbstkompetenz gefordert."
Doris Künzi, Co-Präsidentin Verband Berufsbildungsverantwortliche im Gesundheitswesen Schweiz
Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?
Ich habe keine Berufslehre absolviert, da ich das Gymnasium besucht habe. Anschliessend kam die Ausbildung zur Krankenschwester AKP 1965 – 1968 und 1971 – 1972 die Ausbildung zur Berufsschullehrerin im Gesundheitswesen (heute Berufbildungsverantwortliche im Gesundheitswesen).
Im neuen Berufsbildungsgesetz sind nun auch die Gesundheits- und die sozialen Berufe im gleichen Gesetz geregelt. Erklären Sie doch um welche Berufsgruppen es sich handelt?
Bei den Gesundheitsberufen, die neu vom BBT reglementiert werden, handelt sich um folgende Berufe:
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Berufliche Grundbildung
Fachfrau/-mann Gesundheit
Fachfrau/-mann Betreuung
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Höhere Fachschule HF
Aktivierungsfachrau/-mann
Biomedizinische Analytiker/-in
Dentalhygieniker/-in
Fachfrau/-mann für med.- tech. Radiologie
Pflegefachfrau/-mann
Rettungssanitäter/-in
Fachfrau/-mann Operationstechnik
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Fachhochschule
Ergotherapeut/-in
Ernährungsberater/-in
Hebamme
Physiotherapeut/-in
Pflegefachfrau/-mann
Früher wurden die Berufe im Gesundheitswesen vom SRK (Schweizerisches Rotes Kreuz) reglementiert. Die Schulen für Gesundheits- und Krankpflege hatten unterschiedliche Trägerschaften, Stiftungen, Kantone usw.) Sie konzentrierten sich darauf, Lernende ab 18 Jahren in Gesundheits- und Krankenpflege auszubilden. Die Einteilung nach Bildungssystematik (Sekundarstufe II und Tertiärstufen) war an diesen Schulen unbekannt.
Der Beruf Fachfrau/-mann Gesundheit wurde als neuer Beruf 2002 eingeführt. Das neue daran ist, dass nun für Jugendlich ab 16 Jahren eine Möglichkeit besteht in einem Gesundheitsberuf eine Ausbildung zu absolvieren.
Neu entstanden Studiengänge an den Fachhochschulen wie Physiotherapie, Hebammen usw. In der Romandie wird Ausbildung zur Pflegefachfrau/-mann ausschliesslich an der Fachhochschule angeboten, im Unterschied zur Deutschschweiz. Hier existiert die Ausbildung zur Pflegefachfrau/-mann zusätzlich an den höhern Fachschulen.
leve- so heisst der Verband Berufsbildungsverantwortliche im Gesundheitswesen Schweiz. Welche Ziele verfolgt der Verband?
Die leve
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ist eine Fachsektion des BCH
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setzt sich für berufpolitische Fragen ein
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nimmt Einsitz in regionale und nationale Arbeitsgruppen
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fördert die Weiterentwicklung des Berufes der Berufsbildungsverantwortlichen im Gesundheitswesen
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arbeitet mit anderen Organisationen partnerschaftlich zusammen
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nimmt Einfluss auf die Qualitätssicherung der Aus- und Weiterbildung der Berufbildungsverantwortlichen im Gesundheitswesen
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nimmt Einfluss auf die Qualitätssicherung der Aus- und Weiterbildung der Berufbildungsverantwortlichen im Gesundheitswesen
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bietet juristische Beratung an
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orientiert die Mitglieder über wichtige Themen
Die leve ist in der Berufsbildungsszene sehr gut vernetzt. Sie ist Fachsektion des BCH. Die beiden Co-Präsidentinnen arbeiten in zwei wichtigen Kommissionen mit: Fachgruppe Revision der Ausbildung Fachperson Gesundheit sowie Eidgenössische Kommission für Berufbildungsverantwortliche
Eine weitere Person wird in der Kommission für Attestausbildung mitarbeiten.
Zudem wurde bei der Entwicklung des Lehrmittels für die Fachperson Gesundheit Careum in Vertretung der gewerblich industriellen Berufsschule Zug Nachholbildung FaGe mitgearbeitet. Nach dem Zusammenschluss der Verantwortung für das Lehrmittel von Oda Santé Suisse und Careum wird weiterhin die gleiche Person im Advisary Board des Careums teilnehmen.
Welche Kompetenzen sind für Berufsschullehrpersonen in Berufsfachschulen im Pflege- und sozialen Bereich besonders wichtig?
Voraussetzung für eine pädagogische Tätigkeit im Gesundheits- oder sozialen Bereich ist die erfolgte Ausbildung im entsprechenden Fachbereich, in dem unterrichtet wird. Zudem wird eine berufliche Erfahrung verlangt. Die wichtigen Kompetenzen für die Lehrpersonen für den berufskundlichen Unterricht und an die Berufsmaturität im Hauptberuf sind entsprechend der erfolgten Ausbildung im Rahmenlehrplan klar aufgezeigt.
Im Rahmenlehrplan sind 7 Bildungsziele definiert, die hier angeführt werden:
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Den Umgang mit Lernenden als Interaktionsprozess gestalten
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Ausbildungseinheiten situationsgerecht und mit Bezug auf die Berufspraxis der Lernenden planen, durchführen und überprüfen.
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Beurteilung und Förderung auf dem ganzen Spektrum der Begabungen vornehmen.
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Das rechtliche, beraterische und schulische Umfeld erfassen, mit ihm und mit den gesetzlichen Vertretungen umgehen.
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Die eigene Arbeit reflektieren und im Kollegium kooperativ einbringen
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Den Transfer von der Praxis in die Theorie und von der Theorie in die Praxis beherrschen.
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Die Inhalte des Lehrfachs theoretisch durchdringen und fachdidaktisch aufbereiten.
Zu jedem Bildungsziel wurden Standards definiert, die die Bildungsziele und –inhalte in konkrete Forderungen umsetzen. Für die Lehrpersonen für den berufskundlichen Unterricht und die Berufsmaturität im Hauptberuf wurden zu den Bildungszielen 20 Standards definiert. Ebenso wurden bei den Lehrpersonen an höherne Fachschulen 20 Standards formuliert. Die Standards weisen eine stetige Steigerung auf, d.h., die Berufsbildner/Berufsbildnerin muss entsprechend ihrem Einsatz weniger Bildungsziele und Standards erfüllen als eine Lehrperson an einer Berufsfachschule oder an einer höheren Fachschule. Wichtig erscheint uns aber, dass alle Lehrpersonen im Gesundheitswesen selbstverständlich eine Ausbildung in ihrem zu unterrichtenden Fachbereich absolviert haben. Es wird verlangt, dass alle Lehrpersonen, die an einer Berufsschule oder höheren Fachschule unterrichten, eine pädagogische Ausbildung von 1800 Std. absolvieren. Früher erfolgte Ausbildungen werden sich an diesen Vorgaben messen müssen und einen entsprechenden Nachweis erbringen müssen.
Daraus geht klar hervor, dass eine Lehrperson an einer Berufsfachschule und höheren Fachschulen im Hauptamt über eine fundierte Ausbildung in Berufspädagogik verfügen muss. Durch den Rahmenlehrplan ist eine zeitgemässe Ausbildung für die Lehrpersonen an Berufsfachschulen aber auch an den höheren Fachschulen garantiert.
Ziel der beruflichen Ausbildung muss es sein, ein breites fachliches Grundlagewissen zu vermitteln und die Lernenden so auf das anspruchsvolle Berufsfeld vorzubereiten. Hier ist die Lehrperson sowohl in der Fach- wie auch in der Sozial-, Methoden- und Selbstkompetenz gefordert. Möglichst breites Grundlagewissen ist für die Auszubildenden sehr wichtig.
Wie wurde man früher Berufsschullehrerin für Krankenpflege? Wie ist die Ausbildung heute organisiert?
Die frühere Lehrerin für Krankenpflege musste bereits eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester absolviert haben. Sie musste zudem während der Ausbildung an einer Schule arbeiten. Wichtige Ausbildungsschulen für Berufsschullehrerinnen für Krankenpflege/Berufsschullehrerin im Gesundheitswesen waren das WE’G (Weiterbildungszentrum für Gesundheitsberufe), das WPI (Wirtschaftspädagogisches Institut), die AEB (Akademie für Erwachsenenbildung). Die Überwachung der Ausbildung hatte das SRK inne.
Heute sind die Ausbildungen durch das BBT geregelt. Dies ist aus unserer Sicht ein grosser Vorteil, da die Ausbildungen nun mit allen anderen Berufsgruppen vergleichbar sind. Wir sind kein Sonderfall mehr. Wir werden aber weiterhin darauf achten, dass die Ausbildungsqualität hoch bleibt.
Der Übergang von den „alten Diplomen“ zu den heute geforderten Ausbildungsgängen für Berufbildungsverantwortliche wird in der Eidgenössischen Kommission für Berufbildungsverantwortliche (EKBV) behandelt. Die leve hat in dieser Kommission Einsitz. Es werden zu gegebener Zeit Empfehlungen für die verschiedenen Ausbildungen abgegeben werden. Durch eine Expertise wird die Gleichwertigkeit der verschiedenen „alten Ausbildungen“ überprüft und bewertet. Auch die leve hat sich mit diesen Ausbildungen befasst und eine Empfehlung ausgearbeitet. Dabei wurde die fünfjährige Berufstätigkeit in die Gleichwertigkeitsüberprüfung mit einbezogen. Die Gleichwertigkeitsüberprüfung und Nachqualifikation wird der mögliche Weg für die Anerkennung sein. Es ist heute klar, dass die Ausbildung der Berufsbildnerinnen und Lehrpersonen im Gesundheitswesen dem Lehrgebiet, in dem unterrichtet wird, entsprechen muss.
Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?
Dies ist schwierig vorauszusagen. Die klare Strukturierung der verschiedenen Ausbildungsgänge macht Sinn. Es gilt aber, genügend Berufsleute für die Praxis auszubilden. Entsprechend der Fähigkeiten der Auszubildenden kann dies an einer Berufsfachschule, einer höheren Fachschule wie auch an der Hochschule stattfinden. Bei einer eher theoretisch angelegten Ausbildung muss aber dem Bezug zur Praxis ein grosser Stellenwert beigemessen werden. Wir sind aber der Ansicht, dass es äusserst wichtig ist, dass in unserer Gesellschaft Leute mit einer Berufslehre wichtige Tätigkeiten in Handwerk und Wirtschaft übernehmen.
30.04.2009
Kontakt
E-Mail Doris Künzi: doris.kuenzi@bluewin.ch
Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch g.zahno@red.educa.ch


