Berufsbildung Öffentlicher Verkehr

login ist der Ausbildungsverbund in der Welt des öffentlichen Verkehrs. Für über 50 Mitgliedsfirmen entwickelt und realisiert der Verbund die Grund- und Weiterbildung. Michael Schweizer ist Leiter Grundbildung von login.

Michael Schweizer

"In den Juniorteams übernehmen die Jugendlichen als Team die Verantwortung für ganze Geschäftsprozesse. Sie empfinden dieses Ausbildungsmodell als sehr motivierend, schätzen die ganzheitliche Arbeitsweise und die Förderung des vernetzten Denkens."

Michael Schweizer, Leiter Grundbildung login

Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?

Ich habe mich nach der Bezirksschule für eine Berufslehre entschieden. Einerseits hat es mich sehr gereizt, als Betriebsdisponent von Beginn weg in der Praxis arbeiten zu können. Andrerseits habe ich die Kombination Schule/Arbeit als sehr sinnvoll betrachtet. Was zum damaligen Zeitpunkt gefehlt hat, ist die Möglichkeit einer Lehre mit Berufsmaturität - die Möglichkeit einer Lehre mit Berufsmittelschule gab es lediglich über den längeren Weg Verkehrsschule (2 Jahre Vollzeitschule) und einer anschliessenden Berufslehre.

login ist ein grosser Anbieter von Lehrstellen. Trotzdem ist der Firmenname in der Öffentlichkeit wenig bekannt?

Dass wir mit der Bekanntheit noch nicht soweit sind, wie wir das gerne hätten, hat zwei Hauptgründe: einerseits sind wir ein relativ junges Unternehmen. Andrerseits - und dieser Punkt ist entscheidend - sind die meisten unserer Praxisausbildungsplätze bei unseren Mitgliedsfirmen wie SBB, BLS, SWISS. Unser Anspruch ist, national bei Jugendlichen, Eltern, Berufsberatern und Lehrkräften wie auch bei Firmen in der Welt des Verkehrs als professioneller Bildungsanbieter bekannt zu sein. Hier haben wir Erfolg, wir investieren auch künftig in Kommunikationsmassnahmen in diesem Bereich.

Zur Organisation der Berufsbildung: Die enge Beziehung mit unseren über 50 Mitgliedsfirmen ist eine unserer Stärken. Wir konzentrieren unsere Kräfte auf ein professionelles Bildungsmanagement - das heisst, wir organisieren die ganze Lehre von A - Z, begleiten die Lernenden im Lernfortschritt, stellen sicher, dass sie ihrem Ausbildungstand entsprechend am richtigen Ausbildungsplatz eingesetzt werden, sorgen dafür, dass sie ihre Kompetenzen in verschiedenen Betrieben und Abteilungen erweitern und entwickeln aufgrund der Bedürfnisse unserer Mitgliedsfirmen unsere Lehren weiter bzw. kreieren neue Bildungsgänge. Dabei arbeiten wir eng mit Mitgliedsfirmen, BBT, Brachenverbänden etc. zusammen. In den technischen Berufen, im Gleisbau und bei den Informatikern/innen führen wir die ganze inhaltliche Grundausbildung bis zur Teilprüfung durch. Als roten - oder wie unsere Unternehmensfarbe es ausdrückt: als gelben - Faden durch die ganze Lehre entwickeln wir die Lernenden aller Berufe zu Lebensunternehmern/innen. Konkret heisst das, dass wir eine ausgewogene Entwicklung der Methoden-, Sozial-, Selbst- und Fachkompetenz fördern.

Wie ist es früher gelaufen: Grundsätzlich fand die Ausbildung in einer einzelnen Firma statt, der Fokus lag klar auf dem Aufbau von Fachkompetenz. Zahlreiche kleiner Firmen im öffentlichen Verkehr konnten nicht den Inhalt einer ganzen Lehre abdecken. Diesem Umstand ist mit dem Ausbildungsverbund Rechnung getragen - die Anzahl der Lehrstellen in der Welt des Verkehrs konnten wir durch unser Ausbildungskonzept kontinuierlich erhöhen. So haben dieses Jahr 500 Lernende die Lehre abgeschlossen, gleichzeitig sind 750 Lernende in ihre Ausbildung bei login gestartet.

Wie sieht das Geschäftsmodell von login aus?

Wir bieten Berufslehren in den Berufsfeldern Kaufleute (KVöV und KV Reisebüro), Technik (Polymechaniker/innen, Produktionsmechaniker/innen und Automatiker/innen), Logistik, Gleisbau, Gebäudereinigung und Informatik an. Im Weiteren suchen wir jeweils für spezialisierte Bereiche einzelne Lernende in den Berufen Schreiner/in, Industrielakierer/in, etc. Wir organisieren auch Berufsmaturapraktika, heute sind es rund 100 Plätze, die wir vermitteln bzw. selber in der Unternehmung login anbieten. Dies sind die Angebote im Bereich Grundbildung.

Im Bereich Weiterbildung bieten wir Zweitausbildungen an, unter anderen zählt die Lokführerausbildung dazu.

Eine Spezialität von login sind die Junior Business Teams und die Junior Stations. Welche Ideen stecken hinter diesem Ausbildungsmodell?

Das Hauptziel der Juniorteams ist die Förderung des ganzheitlichen Denkens der Jugendlichen. In den Juniorteams (Juniorstations, Junior Business Teams, Nachwuchsteam für Zugverkehrsleiter/innen) übernehmen die Jugendlichen als Team die Verantwortung für ganze Geschäftsprozesse. Die Ausbildner/innen übernehmen die Rolle eines Coachs. Insgesamt verfügen wir über 439 Ausbildungsplätze in 53 Juniorteams.

Es liegt nahe, dass die Rückmeldungen der Lernenden sehr positiv sind. Sie empfinden dieses Ausbildungsmodell als sehr motivierend, schätzen die ganzheitliche Arbeitsweise und die Förderung des vernetzten Denkens.

Kann login ein Vorbild der Lehrlingsausbildung für andere Branchen sein?

Professionalität ist für uns sehr wichtig. Dies erlaubt unseren Mitgliedsfirmen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und schafft ideale Voraussetzungen für die Lernenden. Wir sind sehr an einer starken Berufsbildung interessiert und sind der Überzeugung, dass das duale Bildungssystem eine Stärke des Wirtschaftsstandorts Schweiz ist.

Der Gewinnungsprozess setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Wir prüfen die Motivation und das Interesse der Bewerber/innen an einer Ausbildung in der Welt des Verkehrs - dies ist uns denn auch wichtiger als ausgezeichnete Schulnoten. Die Arbeit in der Welt des Verkehrs unterscheidet sich von einer normalen Lehre - so sieht unser Ausbildungskonzept vor, dass ein Teil der Lehre eben auch ausserhalb der eigenen Wohnregion stattfindet (dazu erhalten unsere Lernenden unter anderem auch ein Generalabonnement) und erfordert gelegentlich auch die Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten. Viele Bewerber/innen betrachten diese beiden Punkte aber gerade als Chance. Nach der Bewerbung mit Aussagen zur Motivation laden wir die Bewerber/innen zu einem Eignungstest und einer Schnupperlehre ein. Im Weiteren führen wir ein ausführliches, strukturiertes Bewerbungsgespräch. Zusätzlich klären wir auch die medizinische Tauglichkeit ab.

Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Berufsfachschulen läuft in der Regel sehr gut - die Rollen und Verantwortungsbereiche sind klar. Wichtig sind für uns national einheitliche Bildungsstrukturen - als national tätiges Unternehmen sind wir häufig mit lokalen Speziallösungen konfrontiert, welche die Zusammenarbeit erschweren.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Die demographische Entwicklung ist hier Herausforderung wie auch Chance für das Schweizer System der Berufsbildung: Der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften steigt, die Anzahl der Schulabgänger/innen wird aber kurz- und mittelfristig stark abnehmen wird. In den nächsten Jahren wird die Anzahl der Berufsleute, die pensioniert werden, überdurchschnittlich zunehmen. Der Wirtschaftsstandort Schweiz braucht in Zukunft weiterhin ausgezeichnet ausgebildete Nachwuchskräfte mit hohem Bezug zur Praxis. Das duale Bildungssystem hat eine zentrale Rolle als effizienter Weg in der Nachwuchssicherung. Die Schweiz hat ein modernes Berufsbildungssystem, welches jungen Menschen die Möglichkeit gibt, deren Kompetenzen zu entwickeln und Professionalität zu entwickeln - dies wir auch in Zukunft ein wesentlicher Standortvorteil für den Wirtschaftsstandort Schweiz sein. Professionalität ist aber auch von uns als Bildungspartner gefordert: Moderne Bildungskonzepte und insbesondere eine zielorientierte Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Ausbildungsverbund, Schulen, Verbänden und Kantonen. In diesem Sinne: Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen als Bildungspartnerin und Bildungspartner!

30.09.2009

Kontakt

E-Mail Michael Schweizer: michael.schweizer@login.org

Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch g.zahno@red.educa.ch

Interview als Download

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