Adaptivität

Das Konzept der Adaptivität beruht auf Unterschieden zwischen Lernenden, die sich in kognitiven, affektiven und motivationalen Bereichen zeigen. Auf Computerlernprogramme angewendet bedeutet dies eine umfassende Anpassung der Instruktion an beispielsweise das Vorwissen des Lerners und an seine Arbeitsgeschwindigkeit.

Selbständige Anpassung an veränderte Bedingungen

Die Frage nach der Adaptivität multimedialer Lehr- und Informationssysteme ist also: Inwieweit ist das System in der Lage, den Unterstützungsbedarf der Lernenden zu diagnostizieren und das Ergebnis der Diagnose in geeignete Lehrtätigkeiten umzusetzen? Ein System ist dann adaptiv, wenn es sich selbständig an veränderte Bedingungen anzupassen vermag.

Mikro-Adaptation

Adaptivität wird in multimedialen Lehr- und Lernsystemen auch Mikro-Adaptation genannt. Die Software erkennt dabei den augenblicklichen 'Standort' des Benutzers und bietet ihm bei entsprechender Nachfrage an den 'Standort' angepasste Hilfen an. Die zu Beginn vorgenommene Anpassung des Lehrsystems wird in sehr kurzen Zeitabständen überprüft und aktualisiert.

Beispiele für die Adaptivität eines Lernprogramms

  • Anpassung des Lernumfanges und der Lernzeit

    Wird ein bestimmter Prozentsatz an Aufgaben gelöst, kann die Instruktion abgebrochen werden.

  • Adaption des Schwierigkeitsgrades von Aufgaben

    Nach dem richtigen Lösen einer Aufgabe gibt es eine schwierigere, wird die Aufgabe nicht gelöst, stellt das System eine leichtere Aufgabe.

Adaptive Lernprogramme benötigen einen erheblichen Programmieraufwand. Die Qualität hängt stark von der Fähigkeit der Entwickler ab, Lernwege und Probleme zu antizipieren.

Adaptierbarkeit

Adaptierbarkeit wird in multimedialen Lehr- und Lernsystemen auch Makro-Adaptation genannt. Gemeint ist die Möglichkeit einer Veränderung zum Beispiel der Benutzeroberfläche, der Symbolleisten und des Kontextmenüs. Ein System ist adaptierbar, wenn es durch externe Eingriffe an den spezifischen Bedarf des Benutzers angepasst werden kann. Dazu ist eine Anpassung des Lehrsystems in grösseren zeitlichen Abständen (im Gegensatz zur Mikro-Adaption) notwendig. Die Anpassung soll mindestens einmal zu Beginn jeder Lehreinheit erfolgen.

Adaption an unveränderliche Eigenschaften

Diese Art der Steuerung von Lernprozessen ist nur dann sinnvoll, wenn das Lehrsystem an solche Eigenschaften der lernenden Person adaptiert wird, die sich im Verlauf des Lernens wenig verändern werden. Dazu gehören Persönlichkeitseigenschaften wie Intelligenz oder Ängstlichkeit, kognitive Stile, Lernstile, Interessen, Einstellungen etc. sowie qualitative und quantitative Unterschiede des Vorwissens.

Nach grossen Erwartungen zu Beginn der 80er-Jahre sind die Erwartungen an die Adaptierbarkeit von Lernprogrammen mittlerweile realistischer geworden, da der Aufwand bei der Erstellung von solchen Systemen berücksichtigt werden muss.

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