AbU-Lehrer/in werden

Bruno Lang informiert, wie Lehrpersonen, die an einer Berufsfachschule allgemeinbildenden Unterricht erteilen, ausgebildet werden. Er ist am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung verantwortlich für den konzeptionellen Auf- und Ausbau der Weiterbildungs- und Dienstleistungsangebote im Bereich Allgemeinbildung und zuständig für die Einführungskurse für neue ABU Lehrpersonen.

Foto Bruno Lang

"Die Lehrenden an Berufsschulen sollten sich ihrer Rolle und Bedeutung in der Mitgestaltung der Gesellschaft bewusst sein. Um all den Ansprüchen genügen zu können, muss die Lehrperson sich auf eine solide Ausbildungsbasis stützen können, die ihr das nötige Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein festigt, um auf Jahre hinaus im Beruf Erfolge zu erleben und ihn mit Freude ausüben zu können."

Bruno Lang, Fachbereichsleiter Testatkurse am EHB

Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?

Das erste Mal, dass ich mit der Frage nach meiner Berufswahl bewusst und folgenreich konfrontiert wurde, war im Rahmen einer Textproduktion. „Was ich werden will“, hiess der Titel des Aufsatzes, den uns der Lehrer in der fünften Klasse der Primarschule in Auftrag gab. Er sollte ihm als Entscheidungshilfe für den folgenden Selektionsentscheid zur Einteilung in einen Oberstufenzug dienen. Ich schrieb, damals, dass ich Bereiter werden möchte, später im Militär bei der Kavallerie Instruktor und schliesslich als finales Berufsziel Gestütsinhaber. Als dann aber 1972 - ein Jahr vor meinem Schulabschluss - die Kavallerie (trotz einer mit 432'430 Unterschriften versehenen Petition) definitiv abgeschafft wurde, musste ich mich umorientieren. Eventuell hätte ich mich noch für eine Lehre als Hochbauzeichner motivieren lassen, um später Architekt zu werden. Allerdings war es damals auch nicht einfach eine Lehrstelle in diesem Beruf zu finden; ausserdem war es ja auch möglich Architekt auf einem rein schulischen Weg zu werden. So habe ich mich, entgegen dem Wunsch meines Vaters aber mit der Unterschrift der Mutter, für die Aufnahmeprüfungen in die Mittelschule angemeldet, um dann weiter zur Schule zu gehen. Damit gelang es mir, den Berufsentscheid noch für einige Jahre zu vertagen. Ich konnte mir damals kaum vorstellen, wie einige meiner engsten Freunde, tagtäglich in einem Betrieb von morgens bis abends in feste Strukturen eingebunden zu sein. Und ich war zudem zu vielseitig interessiert, als dass ich mich schon auf einen Tätigkeit hätte beschränken wollen. Auch später, während des Phil. l Studiums, hatte ich noch kaum eine feste Vorstellung von meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit. Vielleicht Journalist? Vielleicht Geschichtslehrer? Da ich inzwischen schon Unterrichtserfahrung als Stellvertreter an verschiedenen Schulen in diversen Fächern gesammelt hatte und mich so finanziell recht gut absichern konnte, habe ich mich immer je länger je lieber den Herausforderungen des Unterrichts gestellt und bin allmählich in den Lehrberuf hineingewachsen, habe meine Identität als Lehrer für Allgemeinbildung an Berufsschulen gefunden.

Warum ist eine spezifische Ausbildung für Lehrpersonen des Faches Allgemeinbildung wichtig?

Wie ich mit dem Unterrichten an der Berufsschule angefangen habe, gab es noch kein Fach „Allgemeinbildender Unterricht“. Es waren drei evtl. vier Fächer, die auf der Basis definierter Disziplinen und bewährter Fachdidaktiken unterrichtet wurden. Mit der Einführung eines neuen Rahmenlehrplans für Allgemeinbildenden Unterricht in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre änderte sich dies. ABU ist seither ein Fach, das themenzentriert und handlungsorientiert zu lehren ist. Gegliedert in die zwei Lernbereiche „Sprache und Kommunikation“ und „Gesellschaft“, die doch ganz unterschiedliche Wissens- und Kompetenzgrundlagen von der Lehrperson bedingen. Betrachtet man, auf welchen klassischen Studiendisziplinen die Bereiche fussen, so findet man beispielsweise Literatur und Linguistik, Medienwissenschaften und Psychologie im einen sowie Jurisprudenz, Ökonomie, Politologie, Soziologie aber auch Ethik, Kunst- und Kulturgeschichte oder das interdisziplinäre Fach Ökologie im andern Lernbereich. Unmöglich in all diesen Segmenten des ABU bei den Lehrenden das gleiche fachliche Wissen vorauszusetzen wie üblicherweise für den Fachunterricht in Mittelschulen. Dennoch müssen die Lehrpersonen von der Materie, in der sie unterrichten, genügend wissen und verstehen, um vor den Lernenden glaubwürdig zu wirken und den Lernprozess effizient unterstützen zu können. Nur mit genügender Kenntnis der Disziplinen kann deren Verknüpfung im themenzentrierten Unterricht gewährleistet werden.

Zum Anspruch nach Fachkenntnis in den Lernbereichen gesellt sich aber auch noch die Forderung nach Unterrichtskompetenz gemäss den Kriterien des handlungsorientierten Unterrichts. Dieses Unterrichtskonzept stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Selbst- und Sozialkompetenz der Lehrperson, sondern auch an deren Methoden- und Handlungskompetenz. Des Weiteren wird die Reflexionsfähigkeit der Lehrenden auf die Probe gestellt: der Unterrichtserfolg muss erforscht werden und die Lehrplanung soll laufend überprüft und allenfalls angepasst werden. Aktuell und gendergerecht und nachhaltig soll unterrichtet werden. Und dabei will die Lehrperson den Bedürfnissen der Lernenden gerecht werden, aber auch die Vorgaben des Lehrplans und der Schulleitung erfüllen – und selbst natürlich auch noch zu ihrem Tun und sich selbst stehen können.

Und das mit bis zu acht Klassen in der Woche mit bis zu 180 Lernenden, die unterschiedliche Vorbildungen und Lernvoraussetzungen mit sich bringen. Jugendliche Lernende in einer dynamischen, bisweilen chaotischen, Lebensphase, in der sie oftmals verunsichert sind, sich ab- und andere manchmal ausgrenzen müssen, die Autoritäten in Frage stellen und provozieren. Die Lehrpersonen sehen dabei bisweilen schwierige Jugendliche anstatt junge Menschen, die mit ihren Schwierigkeiten und Problemen manchmal nur schwer umgehen können. Und in ihrer Hilflosigkeit keine andere Mittel finden, beachtet zu werden als durch Provokation. An der Schwelle zum Erwachsensein, in einer Übergangsphase in die Arbeitswelt, noch nicht voll integriert aber doch schon da, fehlt es ihnen bisweilen an Orientierung und Identität. Ihre Rollen sind ihnen noch nicht ganz klar und sie kämpfen mit den zu Teil widersprüchlichen Erwartungen ihrer Umwelten. In diesem entscheidenden Lebensabschnitt kann die Lehrperson zu einem (überlebens-) wichtigen Leuchtturm werden, zu einer zentralen Orientierungshilfe. Gefordert ist also die Lehrerin oder der Lehrer in ihrer respektive seiner Vorbildsfunktion.

Das Menschenbild der Jugendlichen wird in dieser Lebensphase entscheidend geprägt. Und rund zwei Drittel aller Schulabgängerinnen und Schulabgänger in der Schweiz durchlaufen diesen Lebensabschnitt in einer beruflichen Grundbildung und werden wesentlich durch sie sozialisiert. Die Lehrenden an Berufsschulen sollten sich also auch ihrer Rolle und Bedeutung in der Mitgestaltung der Gesellschaft bewusst sein. Um all den Ansprüchen genügen zu können, muss die Lehrperson sich auf eine solide Ausbildungsbasis stützen können, die ihr das nötige Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein festigt, um auf Jahre hinaus im Beruf Erfolge zu erleben und ihn mit Freude ausüben zu können. Und genau auf das hin ist der Diplomstudiengang Allgemeinbildung und das Weiterbildungsangebot des EHB für ABU Lehrende konzipiert.

Es hat jemand zum Ziel, das Fach Allgemeinbildung an einer Berufsschule zu unterrichten, welche Voraussetzungen muss diese Person erfüllen?

Wie bereits erwähnt: Lehrerinnen und Lehrer benötigen ein hohes Mass an Selbst- und Sozialkompetenz. Die sind teilweise sicher charakterlich mitbedingt, müssen aber auch in der Aus- und Weiterbildung sowie in der beruflichen Tätigkeit entwickelt werden. Wer ins Lehramt in Berufsfachschulen einsteigt, muss sich bewusst sein, mit welchen unterschiedlichen Lernvoraussetzungen die Lernenden in die berufliche Grundbildung eintreten und darf sich durch deren Ansprüche nicht verunsichern lassen. Den Lernenden soll mit Respekt begegnet werden, sie müssen aber auch geführt werden können. Die Lehrenden müssen Leistungen und Verhalten der Lernenden sachlich und fair beurteilen können, bereit und fähig sein Kritik anzubringen, selber aber auch kritikfähig bleiben. Man soll in Krisensituationen Lösungen finden und Konflikte beilegen können. Offenheit gegenüber Diversitäten und Gelassenheit bei Imponderabilien sind basal für lang anhaltende Befriedigung in der beruflichen Tätigkeit. Zunehmend auch ist Teamfähigkeit und Qualitätsbewusstsein im Rahmen der Unterrichts- und Schulentwicklung gefordert.

Im Weiteren erfordert der Unterricht im Fach Allgemeinbildung grosses Interesse an den Veränderungsprozessen in unserer Gesellschaft, unbedingten Aktualitätsbezug und sicher auch eine ständige Lernbereitschaft. Halt eben eine Leidenschaft für das Fach Allgemeinbildung und eine gewisse Begeisterungsfähigkeit. Das komplexe Fach und die Situation mit den Klassen aus verschiedenen Berufsfeldern setzen auch einen hohen Grad an Organisationsfähigkeit und einen gesunden Umgang mit den eigenen Ressourcen voraus. Inwiefern jemand, der den Diplomstudiengang A absolvieren will, diese Voraussetzungen erfüllen kann, wird am EHB in der pädagogisch-didaktischen Eignungsabklärung und im Aufnahmegespräch sorgfältig abgeklärt.

Ein zentrales formales Zulassungskriterium ist ein Lehrdiplom; aber auch ein Hochschulabschluss wie ein FH-Diplom ist als Erstausbildung zugelassen. (Je nach Abschluss besuchen die Studierenden dann unterschiedliche Module.) Bewerberinnen und Bewerber ohne Lehrdiplom müssen zudem noch eine Probelektion abhalten. Für alle gilt aber, dass sie vor Beginn des berufspädagogischen Studiums eine Anstellung und zumindest ein Jahr Unterrichtspraxis an einer Berufsfachschule vorweisen müssen. Eine andere wichtige Voraussetzung ist die betriebliche Erfahrung von mindestens sechs Monaten. Diese dient dem bewussten und persönlichen Kennenlernen der Arbeits- und Berufswelt. Insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer mit einem rein akademischen Bildungsgang eine unerlässliche Erfahrung. Wer sich für die Zulassung zum Studium am EHB interessiert, kann sich darüber im Detail in unserem Leitfaden Aufnahmeverfahren informieren.

Wie verläuft ein idealtypischer Ausbildungsweg zur Lehrperson für Allgemeinbildung?

Wer sein Studium an einer Pädagogischen Hochschule abgeschlossen hat, sollte meines Erachtens, zunächst einige Jahre Praxis im Lehrberuf sammeln, am besten in verschiedenen Schulen. Wer sich dann für den Unterricht an einer Berufsschule interessiert, könnte als Entscheidungshilfe – falls er respektive sie das nicht schon gemacht hat – betriebliche Erfahrungen sammeln, um einen Eindruck von der Arbeits- und Berufswirklichkeit seiner zukünftigen Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Wer schliesslich einen Lehrauftrag als Lehrperson für ABU an einer Berufschule erhält, wird vom EHB schon von Anfang an unterstützt und in seiner Lehrkompetenz gefördert. Schon vor Beginn der Lehrtätigkeit an der BFS bietet der Einführungskurs eine angemessene Vorbereitung auf das Unterrichtsfach ABU und auf die Rahmenbedingungen in der Berufsbildung. Während des ersten Semesters werden die neu eingestiegenen ABU Lehrpersonen begleitet, tauschen ihre Erfahrungen untereinander aus, erweitern ihr persönliches Netzwerk im Umfeld der Berufsbildung und lernen mit den Besonderheiten ihres Fachs umgehen. Zu Beginn des zweiten Semesters erwerben sie im Aufbaukurs ABU die wichtigsten Grundlagenkenntnisse zu den Disziplinen der Aspekte sowie der Linguistik und Literaturwissenschaft. Wer das Studium als Vollzeitstudium absolvieren will, durchläuft im ersten Studienjahr das Grundlagenstudium, je nach Vorbildung in zwei bis drei Studientagen. Im zweiten Studienjahr folgt das berufspädagogisch-didaktische Studium mit drei Studientagen die Woche. Es ist aber auch möglich die Ausbildung am EHB berufsbegleitend zu durchlaufen. In Absprache mit der Schulleitung dauert das Studium dann drei bis vier Jahre. Das Studium wird abgeschlossen mit dem Titel „Eidgenössisch diplomierte/r Berufsfachschullehrer/in für allgemeinbildenden Unterricht“.

Nach dem Studienabschluss bietet das EHB den ABU Lehrenden weiterhin Unterstützung durch eine breites Weiterbildungs- und Beratungsangebot. Dazu gehören nach wie vor die „klassischen“ Kurzzeit- oder Testatkurse, die teils der Auffrischung oder dem Erwerb neuen Wissens dienen oder den Kompetenzkanon der Lehrpersonen erweitern. In solchen Kursen können auch Trends in der Allgemeinbildung entweder aufgegriffen oder auch gesetzt werden. Ein schöner Teileffekt der Kurse ist auch die Begegnung und der Gedankenaustausch mit Lehrerinnen und Lehrern aus andern Schulen und andern Regionen der Schweiz. Man weiss, man trifft sich mit der Kollegin aus dem Studium wieder einmal am EHB Kurs, kann dabei dem Berufsalltag für kurze Zeit hinter sich lassen und bringt aber etwas mit nach Hause, wovon die Lernenden und allenfalls auch die Teamkolleginnen und -kollegen profitieren können.

In der ständig sich entwickelnden Berufsbildungslandschaft und der sich verändernden Gesellschaft sind die ABU Lehrpersonen stark gefordert, immer wieder in allen Bereichen der Allgemeinbildung und Pädagogik Neues zu lernen, am Ball zu bleiben. Dabei läuft man in Gefahr sich zu verlieren. ABU Kollegien können sich hier ein wenig entlasten, indem sie die Entwicklungsarbeiten aufteilen, Spezialistinnen und Spezialisten für die einzelnen Aspekte oder Bereiche einsetzen, welche ihre Kenntnisse und Produkte ins Team einbringen. Diese Entwicklung will das EHB unterstützen, indem in Zukunft auch für ABU Lehrkräfte ein CAS Lehrgang angeboten werden soll. Die Absolventinnen und Absolventen können mit ihrem aufgefrischten und vertieften Wissen, mit ihren erweiterten Kompetenzen dem Kollegium in der eigenen Schule Impulse geben und Entwicklungsakzente setzten. Eine ABU Lehrperson kann ihren Tätigkeitsbereich aber auch ausdehnen oder neu verlagern wollen. Dabei helfen ihr unsere Lehrgangsangebote im Bereich der pädagogischen Fördermassnahmen oder der Praxisbegleitung. Meist ein Karrieresprung bedeutet die Einbindung in die Leitungsverantwortung an Berufsschulen. Dies kann eine Fachbereichs- oder Abteilungsleitung sein und geht dann weiter nach oben bis auf die Stufe der Rektorate. Hier hat das EHB seine bewährte Schulleiterausbildung ausgebaut und ermöglicht den Interessierten einen Abschluss mit einem Mastertitel.

Bis vor einigen Jahren wurden fast alle ABU-Lehrpersonen am ehemaligen SIBP sozialisiert. Nun bieten immer mehr Institutionen Ausbildungsmöglichkeiten für ABU-Lehrpersonen an. Ist da eine "unité de doctrine" der ABU-Lehrerschaft noch möglich oder erwünscht?

Konkurrenz kann belebend wirken und in einem gesunden Wettbewerb die Qualität weiter entwickeln helfen. Die Institutionen können sich ergänzen und Bedürfnisse abdecken, die bisher vielleicht durch die traditionellen Berufsbildungsinstitutionen nicht genügend abgedeckt werden konnten. Neben dem SIBP/EHB bietet ja auch die Universität Zürich schon seit 26 Jahren einen Lehrgang für ABU Lehrkräfte. Allerdings war der Zugang zu dieser Ausbildung beispielsweise Primarschullehrpersonen i. d. R. nicht möglich. Nach wie vor aber rekrutieren die Rektoren ihr Lehrpersonal für den ABU gerne in dieser Zielgruppe, die bisher ausschliesslich an unserem Institut ausgebildet wurde. Durch die Umstellung der Lehrer- und Lehrerinnenbildung nach dem Bologna Modell hat sich die Ausgangslage ein wenig verändert. Der Bildungsgang am ZHSF hat sich ein wenig geöffnet und auch bei uns erreicht man die Zulassung auf verschiedenen Wegen. Dies scheint mir eigentlich eine erfreuliche Entwicklung, trägt sie doch dem Umstand Rechnung, dass immer weniger Karrieren rein linear verlaufen, sondern sich häufig mit Quersprüngen oder Pausen in unterschiedlicher Dynamik entwickeln. Insbesondere auch Frauen, die in der Vergangenheit in den Ausbildungsgängen stark untervertreten waren, ist so eine bedürfnisgerechtere Laufplangestaltung möglich geworden.

Wenn nun die Palette durch andere Anbieter noch erweitert wird, kann das eigentlich nur von allgemeinem Interesse sein. Aber natürlich darf der Wettbewerb der Institutionen nicht darauf hinauslaufen, einfach möglichst viele Studierende zu gewinnen, dazu die Zulassungsschranken zu senken und die Studienanforderungen zu verwässern. Wer einen Abschluss als Berufsschullehrer/in ABU erhält muss in jedem Fall den hohen und vielfältigen Anforderungen der Fachs genügen und den Interessen der Lernenden gerecht werden. Wer den Beruf aus falschen Motiven wählt und auf der Basis einer unzureichenden Ausbildung ausübt, wird wahrscheinlich bald wieder die Tätigkeit an der Berufsfachschule aufgeben (müssen). Dann wird sich zeigen, welcher Ausbildungsweg angemessen ist und welcher allenfalls nicht. Ich bin sehr zuversichtlich, was die weitere Entwicklung anbelangt, da die Verantwortlichen für die Ausbildung der ABU Lehrenden in den Institutionen, die heute entsprechende Lehrgänge anbieten, alles fundierte Kenner der Berufs- und Lehrerbildung sind. - Und das wird am Ende den Berufslernenden und Berufsfachschulen zugute kommen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Das schweizerische Berufsbildungssystem hat sich kontinuierlich entwickelt, ist bewährt und im internationalen Vergleich fast unschlagbar. Dieses Modell erlaubt, nicht nur berufliche und demografische Veränderungen rechtzeitig aufzugreifen, sondern diese auch mit zu gestalten. Die relativ hohe wirtschaftliche Sicherheit in der Schweiz selbst in Krisenzeiten ist wohl auch auf unsere Berufsbildungsqualität zurück zu führen. Die berufliche Ausbildung garantiert eine lang anhaltende Arbeitsmarktfähigkeit, nicht zuletzt auch, weil die Lernenden damit eine hohe Flexibilität und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen erworben haben. In Anbetracht der demografischen Entwicklung und der Globalisierungstendenzen muss man sich aber doch überlegen, ob und wir diese Fitness der Schweizer Berufsbildung als Garant für unseren Wohlstand und unsere Wohlfahrt auch weiterhin sicherstellen wollen. Damit sich auch in 40 Jahren noch die Mehrheit unserer Schulabgängerinnen und Schulabgänger für diesen Bildungsweg entscheiden können.

24.08.2009

Kontakt

E-Mail Bruno Lang: Bruno.Lang@ehb-schweiz.ch

Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch g.zahno@red.educa.ch

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